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Unterhaltung

Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren … was passierte als ich es trotzdem tat

„mein Buch-Tipp“ der Stadtbibliothek Bocholt

Freitag, 9. Februar 2018 - 12:04 Uhr

von Melanie Tenhumberg

Bibliothekarin Melanie Tenhumberg stellt in dieser Folge das neueste Buch der Autorin Lois Pryce vor, die eine abenteuerliche Reise durch den Iran unternommen hat.

Foto: Christiane Schulz

Unsere Literatur-Experten von der Stadtbibliothek Bocholt: (von links) Ludger Schmneink, Anja Frembgen, Bernhard Bier und Melanie Tenhumberg

In der ersten Dezemberwoche 2011 parkte die englische Reise-Journalistin Lois Pryce ihr Motorrad im Londoner Stadtteil Kensington und fand bei ihrer Rückkehr daran einen Zettel von einem gewissen, ihr unbekannten persischen Mannes, namens Habib. Dieser legte ihr eine Motorradreise nach Schiraz im Iran ans Herz, damit sie sein Land vor Ort und jenseits der gängigen Vorurteile kennenlernen könne.

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„Geh‘ und wecke dein Glück“

Nachdem sich Lois mehrere Monate intensiv mit der Geschichte und der Kultur des Landes auseinandersetzte, beschloss sie letztendlich, sich auf den Weg zu machen und das Wagnis einzugehen. Sie wollte sich selbst ein Bild machen und die von Habib angepriesene Schönheit des Landes und die Gastfreundschaft auf eigene Faust erkunden. Sie erhält problemlos ein Visum, aber keine Erlaubnis, mit dem Motorrad einzureisen. So reist sie schließlich mit dem Zug über die türkisch iranische Grenze und „schmuggelt“ ihre Maschine im Frachtabteil mit ins Land.

Die gefühlvollen Worte „Geh‘ und wecke dein Glück“ einer älteren Iranerin gleich zu Beginn der Reise begleiteten die Journalistin durch eine atemberaubende Region und geben Lois Road-Trip ein positives Karma. Obwohl im Jahr 2011 die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran aufgehoben wurden, sie ihre Freunde als „total durchgeknallt“ bezeichneten und sich Lois der ständigen Gefahr durch die überwachende Polizei bewusst war, sprang der Funke über und der Iran wuchs der Reise-Journalistin mit jedem Kilometer mehr ans Herz.

Mit großer Offenheit berichtet sie von ihren Eindrücken und Gefühlen, verschweigt auch Unbehagen, Nervosität und Ängste nicht. Machtdemonstrationen, der Angriff eines Junkies, der mörderische Verkehr, Kälte und Schnee – die Reise war tatsächlich gefährlich und brachte die Bikerin manchmal an ihre Grenzen.

Auf den Spuren ihres Reisevorbildes Freya Stark, einer britischen Forschungsreisenden die 1930 das unwegsame Persien erkundete, erlebte Lois unverkrampfte Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Sie wird überschwänglich bewirtet, erhält Einladungen und hat es zum Teil recht schwer bei so viel Wohlwollen der Bevölkerung ihre Reise fortzusetzten. Informativ, spannend und unterhaltsam gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen der Sitten und Gebräuche des Landes, erklärt politische und geschichtliche Hintergründe. Man darf teilhaben am Alltag der Menschen sowie ihren Gedanken, Problemen und Überzeugungen.

Die englische Autorin erzählt dieses „Road-Movie“ aus einer charmanten und witzigen, zusätzlich aber auch mahnenden und kritischen Sichtweise. Die diktatorische Staatsform, die unterschwellige Gefahr des religiösen Fanatismus, die vielen unwägbaren Stolpersteine und Unsicherheiten werden offen angesprochen und doch kommt der Leser während der Lektüre mehrmals ins Staunen und ist gezwungen, seine Vorurteile über Bord zu werfen. Lois Pryce zeichnet ein echtes Bild des Iran, das einen Blick über den Tellerrand hinaus wagt und aufzeigt, was möglich ist, wenn Menschen ohne Scheu aufeinander zugehen.

Melanie Tenhumberg, Bibliothekarin

der Stadtbibliothek, Bocholt

Alle im StadtKurier vorgestellten Bücher können in der Stadtbibliothek Bocholt, Hindenburgstraße 5, während der Öffnungszeiten (dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 19 Uhr, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr) ausgeliehen werden.

Titel: Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren. Was passierte, als ich es trotzdem tat.

Autor: Lois Pryce

Verlag: DuMont-Verlag

Erscheinungsjahr: 2017

Seiten: 330

ISBN: 978-3-7701-6681-7

Preis: 16,99 Euro