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Unterhaltung

Liebesschmerz verarbeitet

„mein Buch-Tipp“ der Stadtbibliothek Bocholt

Freitag, 13. April 2018 - 10:03 Uhr

von Christian Vosgröne

Bibliothekar Bernhard Bier empfiehlt diese Woche das Buch „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ von Michalis Pantelouris.

Foto: Christian Vosgroene

Der 1974 in Berlin geborene, heute in Hamburg lebende Journalist mit griechischen Wurzeln wird nach 10 Jahren Ehe und als Vater von zwei Töchtern von seiner Frau verlassen. Für Michalis Pantelouris, Anfang 40, bricht eine Welt zusammen, hat er doch an eine dauerhafte und endgültige Liebe geglaubt. Sein bisheriges Leben liegt in Trümmern, er fällt in tiefe Trauer und kann nicht mehr schreiben. Erst das Angebot, eine wöchentliche Kolumne über seine Situation für die Website des SZ-Magazins zu schreiben, holt ihn aus seiner Lethargie und seiner Betrübnis heraus, wird ihm doch die Gelegenheit geboten, sich seinen Kummer von der Seele schreiben. Der Erfolg seiner in Briefform an die „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ gerichtete Kolumne – eine Mischung aus Vorkommnissen aus seinem Alltag und fiktivem Dialog mit einer Partnerin in spe – ist überwältigend. Zuschriften, Liebesbriefe und Heiratsanträge erreichen ihn zuhauf.

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Im Oktober 2017 hat Michalis Pantelouris ein gleichnamiges Buch publiziert, in dem er die Geschichte hinter und zu den Briefen, die zum Teil am Ende der einzelnen Kapitel abgedruckt sind, erzählt. Herausgekommen ist ein interessanter Mix aus seinen Erlebnissen und Erfahrungen auf der Suche nach einer neuen Lebensgefährtin und zahlreichen Reflexionen über seine Rolle als Mann, Liebhaber und Vater, seine Befindlichkeit als unfreiwilliger Single, seine Sehnsüchte, Selbstzweifel und Unsicherheiten. Mit großer Offenheit schildert der Autor seinen Schmerz, als zurückgewiesener Mann und seine Schwierigkeiten, sich nach langer Zeit wieder in der inzwischen veränderten Dating-Welt zurechtzufinden. Dass er manchmal sentimental wird, ist, wie er selbst bekennt, seinem südländischen Temperament und seiner Anlage zum Romantiker geschuldet. Jedoch mit Witz und Selbstironie konterkariert er seine zuweilen aufkommende Wehleidigkeit, sodass er nicht Gefahr läuft, larmoyant oder gar peinlich zu werden.

Dass Michalis Pantelouris sein Buch nicht zur Abrechnung mit seiner Frau nutzt, ist ihm positiv anzurechnen und macht ihn sympathisch. Er verzichtet auf Schuldzuweisungen und versucht nicht, sich auf Kosten seiner Frau zu rechtfertigen – ganz im Gegenteil, liest man doch aus vielen seiner Äußerungen heraus, dass er seine Frau immer noch liebt und vermisst. Für den Leser ergibt sich aus dieser Zurückhaltung, dass er nicht erfährt, warum die Ehe gescheitert ist, warum die Frau sich von ihrem Mann „entliebt“ hat. Zum besseren Verständnis der Umstände wären einige diesbezügliche Hinweise des Autors – ohne persönlich zu werden oder allzu Privates preiszugeben – sicherlich hilfreich. Aber dem Autor geht es schließlich weniger um die Analyse einer zerbrochenen Ehe, als vielmehr darum, die Lage, das Leid, die immer wieder aufkommenden Minderwertigkeitsgefühle und die Suche nach einem möglichen Neuanfang eines Mannes darzustellen, der sich nach langjähriger Ehe unverhofft als Single wiederfindet. In den sprachlich ansprechenden, unterhaltsamen autobiografischen Aufzeichnungen werden sich nicht nur getrenntlebende oder geschiedene Männer wiederfinden, sondern das Buch ist darüber hinaus aufschlussreich, da es allgemeingültig über Verlust, Zurückfinden ins Leben und Neubeginn sinniert.

Bernhard Bier,

Bibliothekar der Stadtbibliothek in Bocholt

Michalis Pantelouris:

Liebe zukünftige Lieblingsfrau

Berlin : Kein & Aber, 2017

201 Seiten

ISBN 978-3-0369-5772-2

fest gebunden: 20 Euro

Alle im StadtKurier vorgestellten Bücher können in der Stadtbibliothek Bocholt, Hindenburgstraße 5, während der Öffnungszeiten (dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr) ausgeliehen werden.