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Unterhaltung

„Sie werden fasziniert sein“

CD-Kritiker Jörg Honsel war bei der Präsentation des Debütalbums von Sarah Hübers aus Bocholt.

Dienstag, 27. Februar 2018 - 11:33 Uhr

von von Jörg Honsel

Sarah Hübers live und auf CD: Jörg Honsel über das Debütalbum „Klamotten“.

Foto: Jörg Honsel

CD-Kritiker Jörg Honsel bei der Präsentation des Debütalbums von Sarah Hübers aus Bocholt. Live ist die Zwölfjährige aktuell im Rahmen ihrer „Klamotten“-Tournee zu sehen und hören. Am 3. März spielt sie zum Beispiel bei Saturn in Bocholt auf, am 20. März in der Backstube der Bäckerei Bors in Hamminkeln und am 30. April im Freudenhaus in Bocholt. Alle Termine sind auf der Facebookseite der Rockschule Marco Launert zu finden.

Liebe Musikfreunde!

Als mich mein Freund Winni Biermann, der singende Trucker, letztens fragte, ob ich mit ihm zur CD- Präsentation der ersten EP „Klamotten“ von der mittlerweile zwölfjährigen Sarah Hübers gehe, war ich zunächst skeptisch. Selbstverständlich habe ich Sarahs Auftritte bei der Castingshow „The Voice Kids“ und ihren tollen Auftritt beim Open Air von Nena in Dinslaken mitbekommen. Generell bin ich allerdings vorsichtig, wenn es um Künstler einen großen Hype gibt, und das war bei Sarah Hübers ja durchaus der Fall. Sie hatte mit Winni beim Sofakonzert der Rockschule in der Sky-Lounge auch im Duett „Wunder geschehen“ von Nena gesungen. Aber ich war einfach zu neugierig, ob die Lobeshymnen über sie stimmen.


Live und

unplugged

Eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen: Ich habe keine Sekunde bereut, dass ich dabei war! Der Kulturbahnhof Niederrhein in Hamminkeln (Kuba) platzte mit über 150 Gästen aus allen Nähten. Manche Besucher mussten sogar das Konzert im Eingang verfolgen. Und da sah ich Sarah zum ersten Mal persönlich. Ein fröhliches Mädchen mit einem frechen Grinsen, das die Zahnspange aufblitzen ließ und mit einer kecken Ledermütze mit Nieten auf dem Kopf. Drum herum ein Fernsehteam, viele Freundinnen und Freunde aus ihrer Schule und ihrer Fußballmannschaft von GW Lankern. Und dann war es soweit: Sie betrat nur mit einer Akustikgitarre die Bühne und spielte tatsächlich live und unplugged. Nein, nicht wie die großen Stars bei den MTV-unplugged-Konzerten mit viel technischer Unterstützung, sondern nur Sarah ganz alleine mit Ihrer Gitarre. Ich dachte nur: Wow!

Und schon stimmte sie die erste Single „Klamotten“ an. In wenigen Sekunden brodelte der ganze Saal im Kuba! Ihre Stimme ist je nach Song mal laut, mal leise, einmal sehr druckvoll und dann nimmt sie sich auch wieder zurück. Das Schlagzeug ersetzt sie einfach ab und zu durch ein Klopfen Ihrer Finger auf der Gitarre. Wohlgemerkt: Das von der zu dieser Zeit Elfjährigen! Ich war danach sprachlos – was bei mir eher selten der Fall ist. Winni Biermann sagte nur: „Hammer die Kleine! Ik kun wall huelen!“

Aber konnte dieser Live-Eindruck auch auf CD überzeugen? Bei „Klamotten“ erklingt zunächst das treibende Schlagzeug vom Produzenten und Leiter der Rockschule, Marco Launert, dann setzt die Akustikgitarre von Sarah ein und schließlich ihre Stimme: Einfach klasse und überzeugend! Fünf der sechs Songs wurden von Sarah selbst geschrieben und komponiert. Und alle treffen mit den Texten genau den Nerv von Teenagern. Sie kommt einfach nur pur und ehrlich rüber. Das ist ihre Stärke und sehr selten in der heutigen Zeit.

In „Kaltstart“ rät sie, man solle nicht so viel auf die anderen hören und lieber sein eigenes Ding machen und den Mut haben, eben einen Kaltstart hinzulegen. „Schwarze Schätze“ wiederum hat einen leicht bluesigen Anfang und, wenn das Schlagzeug einsetzt, geht es in einen leichten Boogie-Woogie-Takt über. Im Text besingt Sarah die gute alte Schallplatte – aber ob sie wirklich Schallplatten besitzt?

„Radio“ von der deutschen Punkrockband „Nichts“ ist der einzige Coversong. Sarahs eigene Version swingt einfach nur. Durch die von Sarah selbst gespielte Ukulele erinnert das Lied sogar ein bisschen an frühere italienische Gassenhauer. Bei „Papagei“ hört man nur die Ukulele und sie singt den ganzen Song ohne weitere Unterstützung a cappella! Hammer!

Aber wie geht es wohl weiter mit Sarah Hübers? Sehr oft heben Kinderstars ab und irgendwann hört man gar nicht mehr von ihnen. Bei der CD-Präsentation hatte ich Gelegenheit, sehr lange mit Sarahs Entdecker und Produzenten Marco Launert von der Rockschule zu sprechen. Und ich glaube, bei ihm ist Sarah genau in den richtigen Händen. Man merkt sofort, dass er nur ihre musikalische Zukunft ohne irgendwelche kommerziellen Hintergedanken im Kopf hat. Auch das ist in der heutigen Zeit selten, aber das ist für Sarah genau richtig!

Ich kann die CD uneingeschränkt empfehlen. Aber Sie sollten sich Sarah auch einmal live ansehen. Sie werden fasziniert sein und vielleicht auch ein bisschen den Kopf schütteln, dass dort eine Zwölfjährige mit so einer Bühnenpräsenz vor Ihnen steht.

Schönes Reinhören wünscht Ihnen wie immer Jörg Honsel!