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Unterhaltung

Sommer, Sonne, Zucker

„meine CD-Kritik des Monats“ von Jörg Honsel

Freitag, 10. August 2018 - 10:16 Uhr

von Christian Vosgröne

Unser Musikexperte und DJ hat in die als „Sonnen-Edition“ des Debütalbums „Na und?!“ erschienene Scheibe von Ben Zucker reingehört.

Foto: Jörg Backhaus

Musik ist Jörg Honsels Leidenschaft.

Liebe Musikfreunde!

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Wenn eine CD „Na und?! Sonne!“ heißt, dann sollte das doch das perfekte Album für diesen Jahrhundertsommer sein, oder? Aber zunächst einmal: Vorsicht! Wer von Ben Zucker bereits sein Debütalbum „Na und?!“ im Jahr 2017 gekauft hat, sollte wissen, dass man mit dieser am 31. Mai veröffentlichten CD neben den bereits zwölf veröffentlichten Songs lediglich fünf neue Lieder und einen Remix kauft. Für mich wieder mal ein weiteres Beispiel dafür, wie abgezockt die Musikindustrie bei einem großen Erfolg eines Künstlers oder einer Band in der heutigen Zeit ist.

Ben Zucker hatte durch seine vielen Fernsehauftritte, unter anderem bei Florian Silbereisen im Jahre 2017, mit seinen beiden Singles „Na und?!“ und „Was für eine geile Zeit“ zweifelsohne Riesenerfolge. Als ich ihn zum ersten Mal im Fernsehen gehört habe, fand ich seinen Gesang – um es vorsichtig auszudrücken – sehr gewöhnungsbedürftig. Die älteren Leser unter Ihnen kennen vielleicht noch den im Jahr 2002 verstorbenen Sänger Hans Hartz, der unter anderem mit „Die weißen Tauben sind müde“ (1982) und dem Titel „Sail away“ aus einer Werbung für eine Biersorte sehr erfolgreich war. Auch Hartz hatte eine sehr kratzige und unverwechselbare Stimme. Für mich klingt der Gesang von Ben Zucker allerdings sehr gepresst und gequält. Andere wiederum sagen, dass es eine Reibeisenstimme oder rauchige Stimme sei. Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass er so erfolgreich werden würde. Aber sei es drum. Wenn ich als DJ auflege, werden seine Titel mittlerweile sehr oft gewünscht. Er kommt als Typ auch gerade bei den weiblichen Hörern sehr gut an.

Das Album hat Zucker zusammen mit dem Produzenten Thorsten Brötzmann aufgenommen. Ein guter Griff, hat Thorsten Brötzmann doch in der Vergangenheit bereits mit Helene Fischer oder auch Unheilig zusammengearbeitet. Ebenso war Philipp Klemz als weiterer Produzent mit im Boot. Er hat unter anderem an den Glasperlenspiel-Song „Geiles Leben“ die finale Hand angelegt. Der Titel „Die Welt wartet auf dich“ und „Du bist alles für mich“ haben einen ausdrucksstarken Text und einen starken Refrain. Seine neueste Single „Der Sonne entgegen“ ist für mich der stärkste Titel auf dem Album. Der Song wird überall rauf und runter gespielt. Ich finde, dass der Remix von „Was für eine geile Zeit“ von den österreichischen Musikproduzenten „Darius & Finlay“ einen zu harten, gekünstelten und schnellen Rhythmus hat. Warum man diesen Song überhaupt geremixt hat, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht wollte man damit dem jungen Publikum beweisen, wie modern der Schlager klingen kann.

Und eine Befürchtung habe ich auch noch: Nachdem Ben Zucker in der letzten Sendung von Florian Silbereisen gemeinsam mit Bonnie Tyler ein Duett mit deren größten Hits gesungen hat, könnte ich mir vorstellen, dass die Musikindustrie auch hier eine Single, vielleicht sogar ein ganzes Album mit den beiden produzieren wird. Beide haben zwar raue und kratzige Stimmen, aber deshalb sie gleich zusammen singen lassen? Für mich ist der Gesang von Bonnie Tyler einzigartig. Warten wir mal ab. Für Fans von perfekt produzierten Deutsch/Pop/Rock-Schlagern, die auch mal eine „andere Stimme“ hören möchten, ist dies ein perfektes Album. Und mit dieser CD kauft man ja auch die Songs des ersten Albums, sozusagen zwei Silberlinge zum Preis von einem. Abschließend würde mich mal interessieren, wie es wäre, wenn man Ben Zucker nur eine Akustikgitarre in die Hand drückt, er sich in einem kleinen Club auf einen Barhocker setzt und einfach drauf losspielt und singt. Ich glaube, das hätte etwas!

Schönes Reinhören wünscht

Ihnen wie immer

Jörg Honsel