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1100 Kilometer, neun Tage, drei Räder und ganz viel Staub

Auf drei Rädern von Panjani nach Mumbai

Freitag, 8. Juni 2018 - 10:53 Uhr

von Jan Rottmann

Drei Bocholter mit mächtig Hunger auf Abenteuer messen sich vom 9. Juni bis 17. Juni in einem außergewöhnlichen Wettkampf.

Foto: rickshawchallenge.de

Wenn Lukas Niermann, Michael Bollwerk und Jan-Philipp Martini „Urlaub“ machen, dann hat das wenig mit einem lockeren Sonnenbad und erfrischenden planschen im Meer zu tun. Staubig und heiß wird es zwar schon, der Sand wird dem Trio jedoch eher durchs Gesicht karbatschen, als dass er für entspannte Strandatmosphäre sorgt.

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1100 Kilometer werden die Weltenbummler mit einer maximalen Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde bei der „Rickshaw Challenge – Deccan Odyssey“ innerhalb von neun Tagen zurücklegen. Das Ziel ist es, über fünf Zwischenstationen von Panaji bis nach Mumbai zu gelangen. Als Fortbewegungsmittel dient jedem der 25 teilnehmenden Teams aus aller Welt einzig und allein ein sogenanntes „Tuk Tuk“. Der Name der motorisierten Rikschas ist lautmalerisch dem charakteristischen „Tuckern“ des verbauten Zweitaktmotors entlehnt. Erfahrung in der Handhabung ist keine Voraussetzung; Teilnahmebedingung ist nur ein internationaler Führerschein und zwischen 1475 und 3165 Euro Startgebühr – der Preis variiert je nach Komfort, der an den jeweiligen Checkpoints geboten wird. Zur Auswahl steht ein Basic-, ein Standard- sowie ein Deluxepaket. Ein Hotelzimmer und Verpflegung ist nur in den letzten beiden Varianten vorhanden. Die drei Tuk Tuk-Piloten aus Bocholt sind mit dem Basicpaket auf die Gastfreundschaft der lokalen Bevölkerung oder das Zelt angewiesen – ein „Survival-Kit“ mit den nötigsten Werkzeugen, Ersatzteilen und Reparatur Equipment für Mensch und Maschine sowie eine Karte, Zettel, Stift und ein Handy mit indischer Prepaid-Karte werden gestellt. Der Einfall für die besondere Rallye kam ungefähr vor einem halben Jahr und aus der Idee wurde in den letzten sechs Monaten ein konkreter Plan.

Dass sich die Drei auch in unbekannten und, für den mitteleuropäischen Touristen, möglicherweise „wilderen“ Gefilden durchschlagen können, haben sie schon bei zahlreichen Reisen durch unter anderem Island, den Iran, Costa Rica, Südafrika, Mexiko, Kambodscha und Marokko unter beweis gestellt. Dort wurden auch erste Bekanntschaften mit dem wunderlichen Fortbewegungsmittel gemacht, die in Südostasien als klassische Taxen fungieren. Auch haben die beiden Unternehmensberater und der Kulturpädagoge bei ihren Reisen festgestellt, dass Ideenreichtum, eine lockere Einstellung und eine offene Freundlichkeit fremden Kulturen gegenüber meist mehr wert sind, als absolute Planungssicherheit – und immerhin sind die Tuk Tuks mit den 60 Kilometern pro Stunde schneller als jedes in Indien ansässige Wildtier.

Das spektakuläre Rennen stellt nicht nur eine neue Herausforderung, kultureller Austausch und kuriosen Erlebnissen für die drei Bocholter dar, sondern dient darüber hinaus einem guten Zweck. Die Rickshaw Challenge hat sich mit „Round Table India“ zusammengetan. Einer NGO, die sich um Wohltätigkeitsbedürfnisse und Spendenaktionen kümmert und sich um lokale Betriebe, Schulen und ihre Schüler kümmert. Die Teilnehmer der Rallye besuchen ebenfalls die Kinder der Schulen und Dörfer um sich mit ihnen auszutauschen und kleine Geschenke, Spielsachen oder Spenden als Material für den Unterricht mitzubringen.

Die Route führt von Panaji über Belgaum, Kohlhapur und Pune. Dann geht‘s weiter nach Auranbad, Nasik und endet in Mumbai.

Foto: Jana Kruse

Der Teilnehmer Lukas Niermann im Rennoutfit inklusive der schicklichen Staubbrille.