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Der letzte Strohhalm

Reiner Heske ist einer der Botschafter der diesjährigen Muko-Bike-Tour.

Freitag, 10. August 2018 - 16:24 Uhr

von Christian Vosgröne

Mukoviszidose nimmt den Betroffenen buchstäblich die Luft zum Atmen. Grund ist eine Blockade des Wasseraustausches in den Zellen, was zur stetigen Schleimbildung führt. „Es fühlt sich so an, als würde man durch einen Strohhalm atmen – und zwar immer: ob im Sitzen, im Liegen oder beim Laufen“, erklärt Reiner Heske eines der belastendsten Symptome, welches ihn von Kindesbeinen an plagte.

Foto: Christian Vosgröne

Reiner Heske

Vier Stunden Inhaltions- und Atemtherapie bestimmten den Alltag des heute 49-Jährigen aus Wiehl bei Gummersbach. Jede Infektion hätte seinem Leben ein Ende setzen können.

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„Viele halten das nicht durch und sterben früh. Auch meinen Eltern hatten die Ärzte damals gesagt, dass ich das Erwachsenenalter wohl nicht erreichen würde“, so Heske. Es kam alles anders, doch vor fünf Jahren wäre Reiner Heske beinahe gestorben, hätte er sich nicht an den letzten Strohhalm geklammert.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts verschlechterte sich Reiner Heskes Zustand rapide. „Es war eine sehr schwarze Zeit in meinem Leben“, erzählt er. Ein Darmverschluss durch eine Zyste, eine Lunge, die nur noch zu 35 Prozent funktionierte und eine 24-Stunden-Sauerstofftherapie setzten jenem Mann zu, der schon immer davon geträumt hatte, irgendwann einmal tief durchatmen zu können. 2012 schien dieser Traum für immer zu platzen.

„Ich habe mich Anfang 2013 auf die Liste für eine Lungentransplantation setzen lassen“, sagt er, „viele sterben während der Wartezeit, doch ich hatte Glück.“ Der erlösende Anruf kam am 17. Juni 2013 – Reiner Heskes zweiter Geburtstag. Geheilt von Mukoviszidose ist er nicht, die Erbkrankheit ist unheilbar. Fehlfunktionen der Bauchspeicheldrüse bestimmen weiterhin seinen Alltag. „Ich nehme täglich 15 Kapseln für die Fettverdauung“, so der 49-Jährige.

Doch der Griff zum letzten Strohhalm hat ihm seinen Jugendtraum wahr werden lassen. Jetzt holt Reiner Heske das nach, was er in jungen Jahren verpasst hat. Sport, Sport und noch einmal Sport. Heske erzählt mit zunehmend wässrigen Augen von seinem ersten Zehn-Kilometer-Lauf im April 2014, den er in 56 Minuten bewältigte, von seinen Teilnahmen an den Halbmarathons in Köln und Bonn, von seinem ersten Vollmarathon im vergangenen Jahr und von seinen ersten gedrehten Runden mit dem Rad – kurzum: von seinem neuen Leben.

Reiner Heske hat der tückischen Krankheit den Kampf angesagt und setzt sich heute für die Forschung und deren Unterstützung ein. Bundesweit gibt es laut der Deutschen Förderungsgesellschaft zu Mukoviszidoseforschung „Muko-Life“ rund 8000 Erkrankte. Mit Hilfe von Spendenaktionen und -veranstaltungen sammelt der Verein Geld für Forschungsprojekte. Ziel sei es, die Lebensqualität und -erwartung betroffener Patienten zu erhöhen und ihnen eine oftmals komplizierte und ungewiss endende Lungentransplantation zu ersparen, die zuweilen auch gar nicht möglich sei.

In den vergangenen Jahren griff Muko-Life einem Forscherteam rund um Prof. Dr. Wolf Weber von der Universität Münster unter die Arme. Entwickelt wurde eine Therapie, die den Wasseraustausch in den Zellen wiederherstellen können soll – „ein Durchbruch“, sagt Silke Sommers von Muko-Life. Doch für die klinische Erprobung fehlten noch 2,5 Millionen Euro und ein entsprechender Geldgeber. Weitere Informationen über den Verein finden Interessierte online unter www.muko-life.de.

Reiner Heske lebt heute mit Freude weiter und wünscht sich, dass es anderen bald genauso geht. Deswegen streifen sich der 49-Jährige und sein Sportsfreund Michael Schabon aus Wiehl am 18. August das schwarze Trikot der Muko-Bike-Tour über.