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„Die Polizei ruft niemals mit 110 an“

Aktuelle Betrugsmaschen

Freitag, 9. März 2018 - 14:05 Uhr

von Christiane Schulz

Kriminalhauptkommissar Klaus Vogel gibt Tipps, wie Senioren sich schützen können.

Foto: Kreispolizei Borken/Martin Borck

Kriminalhauptkommissar Klaus Vogel von der Kreispolizeibehörde Borken kennt sich bestens aus mit den Maschen der Täter.

Bocholt (cs). Falsche Polizeibeamte an der Haustür, der berüchtigte „Enkeltrick“, Abzocke bei Kaffeefahrten und am Telefon, Diebstahl der Handtasche: die Vorgehensweisen von Kriminellen gerade bei älteren Menschen sind höchst raffiniert. Wer die Tricks der Gauner kennt, ist im Falle des Falles besser gewappnet. Wir sprachen mit Kriminalhauptkommissar Klaus Vogel von der Kreispolizei Borken über die Betrugsmaschen und wie man sich davor schützen kann.

Immer wieder berichtet die Polizei im Kreis von Betrugsfällen, bei denen Senioren zum Opfer werden. Warum sind ältere Mitbürger häufig Ziel von Betrügereien?

Klaus Vogel: Ältere Menschen sind in der Regel gutgläubiger, hilfsbereiter aber auch leichter zu manipulieren. Sie haben noch Respekt vor der Polizei. Einige sind durch beginnende Demenz im Alter zudem leichtgläubiger als in jungen, gesunden Jahren.

Der Enkel- oder Verwandtentrick ist nun schon viele Jahre in den Medien. Sie warnen immer wieder davor. Dennoch gelingt es Tätern leider immer aufs Neue, Menschen mit dieser Masche hereinzulegen . . .

Klaus Vogel: Neben den eingangs bereits genannten Gründen, ist zusätzlich oftmals die Einsamkeit der älteren Menschen. Man freut sich, wenn der „Enkel“ mal anruft, auch wenn er nur „Hilfe“ benötigtt. Man hilft gerne der eigenen Familie, fühlt sich gebraucht.

Eine derzeit verbreitete Betrugsmethode bedient sich „gekaperter“ Telefonnummern. Das heißt, originale Rufnummern werden manipuliert und der Angerufene gewinnt den Eindruck, er werde von offizieller Stelle – möglicherweise sogar von der Polizei – angerufen. Wie soll man das durchschauen oder sich im Verdachtsfall verhalten?

Klaus Vogel: Die Masche nennt sich „call ID spoofing“. Dabei werden die Nummern nicht gekapert, sondern über den Computer generiert beziehungsweise eingegeben. Beim Telefonieren „voice over IP“ wird über das Internet telefoniert. Dabei kann jede beliebige Nummer eingegeben werden. Die Polizei ruft niemals mit 110 an. Die Polizei fragt niemals nach dem Vermögen. Bei verdächtigen Anrufen, bei Fragen nach sensiblen Daten und Vermögen immer sofort auflegen, nicht diskutieren. Und anschließend die Polizei anrufen.

Welche beliebten Tricks wenden Betrüger aktuell noch an? Wovor warnen Sie und Ihre Kollegen besonders?

Klaus Vogel: Weitere beliebte Betrugsmaschen sind Gewinnbenachrichtigungen oder ein angebliches Erbe, das das Opfer erhalten soll, da andere Angehörige eines Verstorbenen nicht ermittelt werden können. In der Fußgängerzone droht der Spendentrick in Verbindung mit Taschendiebstahl. Aber auch der Trickbetrug an der Haustür ist nach wie vor aktuell. Dazu gibt es verschiedene Varianten: Entweder wird das potenzielle Opfer nach einem Glas Wasser gefragt, ein Hund in die Wohnung des Opfers geschickt, oder es wird behauptet, Blumen für den Nachbarn abgeben zu wollen. Es kann aber auch sein, dass der oder die Täter nach Stift und Zettel fragen, um eine Nachricht zu hinterlassen, dass sie um die Möglichkeit bitten, zur Toilette gehen zu dürfen oder einen internistischen Notfall vortäuschen – all das, um in die Wohnung zu gelangen.

Worauf sollten ältere Mitbürger achten, um sich vor Telefon- oder Haustürbetrügern zu schützen?

Klaus Vogel: Die Menschen sollten sich eines merken: An der Haustür bin ich der Chef. Lassen Sie niemanden ins Haus. Geben Sie kein Geld oder Wertsachen an Fremde. Tragen Sie Ihre Wertsachen am Körper. Lassen Sie sich aus dem Telefonbuch streichen. Denn Täter suchen sich Namen raus, die Hinweise auf das Alter der Anschlussinhaber geben können. Seien Sie sensibel beim Anruf Fremder.

Am Dienstag, 20. März, informiert Klaus Vogel von der Kreispolizei Borken im Mehrzweckraum des Ludergerushof Spork einen Vortrag halten und Tipps geben, wie man sich gegen Betrug und Diebstahl schützen kann. Beginn ist um 18 Uhr, die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen beim Verein „Leben im Alter“ telefonisch unter 02871 / 21765-637 oder per ‚E-Mail an kontakt@gz-ludgerushof.de.