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Ein Jäger und Sammler

3500 Jahre im Boden

Freitag, 8. Juni 2018 - 12:18 Uhr

von Christiane Schulz

Sondengänger Frank Rüdiger Rösner hat einen außergewöhnlichen archäologischen Fund gemacht: Ein Bronzebeil, das 3500 Jahre alt ist.

Foto: Christiane Schulz

Mittlerweile hat Frank Rüdiger Rösner das Beil vom LWL zurückbekommen.

Es geschah am 5. Mai. Daran kann sich Frank Rüdiger Rösner ganz genau erinnern. Es ist der Geburtstag seiner Schwester Diane. „Ich bin aufgrund der Grabung nicht zu ihrem Geburtstagskaffee erschienen“, so der 72-Jährige.

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Seine Schwester wird es ihm möglicherweise nachsehen. Denn was der Hobbyarchäologe zwischen Suderwick und Isselburg entdeckte, ist laut Nils Wolpert, Archäologe und Pressesprecher des LWL in Münster, „eine kleine Sensation“. Frank Rösner fand ein Beil, das aus der frühen Mittelbronzezeit stammt. Das elf Zentimeter lange und teils stark korrodierte Metallstück lag in rund 1,20 Meter Tiefe und ist den Altertumsforschern aus Münster zufolge die Grabbeigabe einer bedeutenden Persönlichkeit.

Frank Rüdiger Rösner hatte das Archäologen-Team um Dr. Jürgen Gaffrey über seinen Fund informiert und mithilfe seines Freundes Norbert Henze Fotos an das LWL gesandt. „Die riefen an und waren ein paar Tage nach dem Fund bereits bei mir“, erklärt er. Der in Magdeburg geborene, in Bocholt aufgewachsene und seit vielen Jahren im niederländischen Dinxperlo lebende Rösner ist für die Grabungsexperten kein Unbekannter. Regelmäßig findet er, ausgestattet mit seiner Metallsonde und seinem Spaten kleine oder größere Relikte vergangener Epochen. „Mein Detektor zeigt sogar eine Nadel an, die 60 Zentimeter tief im Boden liegt“, sagt Frank Rösner. Dabei verlässt sich der 72-Jährige aber nicht nur auf seinen hochempfindlichen Detektor. Er kann auf ein breites Wissen rund um potenzielle Grabungsorte in der Region verweisen. „Erhöhungen sind immer interessant“, verrät Rösner eines seiner Indizien – denn sie wurden immer gern als Lagerplätze genutzt.

Der Hobbyarchäologe verlässt sich vielfach aber auch auf seine Intuition. Und die täuscht ihn selten. Am Fundtag war er bereits fünf Stunden auf dem Gelände unterwegs, hatte dabei Musketkugeln und Gürtelschnallen entdeckt, ehe er in besagter Tiefe auf das Stück Edelmetall stieß. „Dass es etwas Altes war, wusste ich, aber, dass es so alt sein könnte, das wusste ich ehrlich gesagt nicht“, sagt Frank Rösner, immer noch im Bann seines Fundes. Für Aufklärung sorgten der Archäologe Dr. Jürgen Gaffrey und seine Kollegen, die vor Ort eine Nachgrabung durchführten. Leider vergebens. Aber die Probe, für die sie mit Rösners Erlaubnis ein winziges Loch ins Metallteil bohrten, brachte weitere Erkenntnisse. „Es handelt sich um ein Randsteinbeil aus Bronze, das aus der Zeit 1500 vor Christus stammt“, erläutert Archäologe Nils Wolpert. Dass Rösner es in solcher Tiefe gefunden hat, macht den Fund noch bedeutender.


Seit 3500 Jahren unberührt im Boden

Denn: „Normalerweise finden sich solche Stücke in Pflugtiefe“, so Wolpert. Es lässt die Experten darauf schließen, das es noch in Originalposition lag. Dass die Wissenschaftler an der Stelle kein Grab fanden, liegt an natürlichen Veränderungen, die auf Staunässe im Boden zurückzuführen sind.

In einem Punkt sind sich die Münsteraner Fachleute sicher: „Die Beisetzung mit einem solchen Beil ist als Zeichen sozialer Elite zu werten. Denn Beile wurden seinerzeit ebenso als Werkzeug als auch zu Repräsentationszwecken genutzt“, berichtet Nils Wolpert.


Gefährliche Funde

Das Beil aus der Bronzezeit ist nun eines der ältesten von Menschen geschaffenen Fundstücke in Frank Rösners umfassender Sammlung. Andere sind deutlich älter. Prähistorische Urochsen und Mammuts könnten ihre Knochen und Wirbel in seinen Vitrinen zusammensuchen. Doch nicht immer sind die Fundstücke des Dinxperloers Tausende oder gar Hunderttausende Jahre alt. Manchmal beeindrucken sie eher durch die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Wie die 168 scharfen Granaten, die er bei seinen Sondengängen bereits im Boden entdeckt hat. Denn Frank Rösner, der einst Fallschirmspringer beim Militär war, kennt sich aus mit Munition und arbeitet bei solch explosiven Funden eng mit dem Kampfmittelräumdienst zusammen.

Die Münsteraner Archäologen wissen die Mühen Rösners ebenfalls zu schätzen. „Die Zusammenarbeit mit Frank Rösner freut uns sehr“, sagt LWL-Archäologe Nils Wolpert und ergänzt: „Wir wissen die Fundstücke bei ihm in guten Händen“.

Und noch jemand hat Grund zur Freude. Die Schwester von Frank Rösner. „Ich möchte den Fund des Beils meiner Schwester Diane widmen“, sagt er. Damit dürfte sein Fehlen an der Kaffeetafel wohl entschuldigt sein ...

Foto: Christiane Schulz

„Am liebsten würde ich jeden Tag suchen gehen“, sagt Frank Rüdiger Rösner. Hier zeigt er einen weiteren seiner Funde, das Horn eines Urochsen.

Foto: Christiane Schulz

Auf diese Tondel-Dose aus dem 30-Jährigen Krieg, in der die Soldaten brennende Lunten transportieren, ist Frank Rösner ebenfalls sehr stolz.