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lokal & aktuell

Fotografie in Suderwick

Ausstellungseröffnung „FACadE“ im GrenzBlickAtelier

Dienstag, 27. Februar 2018 - 17:08 Uhr

von Jan Rottmann

Roland Icking stellt sein neues Projekt vor.

Foto: Roland Icking

Der aus Südlohn stammende Roland Icking, stellt sein neues Projekt „FACadE“ vor. Auf der Vernissage am Sonntag, 4. März, im Suderwicker GrenzBlickAtelier präsentiert der nun in Wien lebende Künstler seine Fotoserie, in der er Bauernhöfe im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ablichtet – die Fassaden der Höfe erscheinen dem Fotografen hierbei als abstrakte, menschliche Gesichter. Was als rein architekturfotografisches Projekt begann, entwickelte sich seit 2013 zu unbewegten Geschichten, innerhalb derer Menschen und Tiere miteinander interagieren.

Indem der Fokus von der Architektur auf die Menschen gelenkt wird, erschließt sich dem Betrachter das Dargestellte erst nach und nach. Icking sucht nach, und spielt mit regionalen Klischees und grenzübergreifenden Gemeinsamkeiten, um die Region seiner Kindheit, auf diesem Wege neu zu entdecken.

Der Künstler wendet sich vom Anspruch eines subversiven Kunstbegriffs ab, sondern erschafft mit seinen Bildarrangements authentische Abbilder des landwirtschaftlichen Alltags, Hierbei ist ihm wichtig, die Wahrnehmung der Menschen für das vermeintlich Gewöhnliche zu schärfen, um ihnen Dinge zu zeigen, die sie selbst nicht sehen – wie eben die „Giebelgesichter“.

Auch aus einem soziologischen und kulturhistorischen Blickwinkel birgt das Projekt viel Potenzial. Die im Mittelpunkt stehenden Fassaden dienten ursprünglich als Zweckbauten, deren Nutzung heute obsolet ist. Nicht das immerwährende Schöne, sondern die Veränderung, Neunutzung und auch Verwahrlosung sind die ästhetische Inspiration. So wirkt die „Mimik“ der Giebelgesichter wie ein Abbild von Edvard Munchs „Der Schrei“. Als hätten die Bauten den rauen Alltag der Landwirtschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1960er-Jahre dokumentiert.

Durch Ickings Bildkompositionen und Collagetechnik – die in der Nachbearbeitung bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen kann – ist das Potenzial gegeben, ein Familienidyll zu erzeugen, das in Wirklichkeit vielleicht gar nicht gegeben ist – immer unter stillschweigender Beobachtung der menschlich anmutenden Hausfassade.

Mit dem Projekt „FACadE“ und der entsprechenden Auseinandersetzung mit immer wieder an die Oberfläche drängenden Themen wie Familie, Kindheit und Heimat, ermöglicht Roland Icking die eigene Reflexion des Betrachters innerhalb eines regionalen Kontexts.

Die Vernissage findet am kommenden Sonntag ab 15 Uhr im GrenzBlickAtelier am Hahnenpatt 15a in Suderwick statt.

Foto: Paula Koskamp

Der Künstler bei der Arbeit