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Nicht stur nach Plan arbeiten

„Jeder gibt, was er kann“ – dank Tafelläden, Spenden und Ehrenämtlern

Dienstag, 3. Juli 2018 - 10:38 Uhr

von Lena Varzideh

Die Bocholter Tafel versorgt vor Ort rund 316 Haushalte – darunter 430 Kinder unter 18 Jahren.

Foto: Lena Varzideh

Helmut Reygers (links) und Dr. Helmut Schepers freuen sich immer über ehrenamtliche Unterstützer und Spenden für die Bocholter Tafel.

Es geht entspannt zu an diesem sonnigen Montagmorgen: Während die Mitarbeiter im Tafelladen Radieschen und Nektarinen reinigen und ordentlich in die Regale einsortieren, laden andere draußen die Waren aus dem frisch eingetroffenen Lastwagen aus. Teamwork, die gut funktioniert, bevor am Nachmittag die Kundschaft da ist. Es handelt sich um einen normalen Montagmorgen bei der Bocholter Tafel, Köcherstraße 2a in Bocholt.


„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“

Mitten in dem emsigen Treiben helfen der Vorstandsvorsitzende Dr. Helmut Schepers und Helmut Reygers, Schriftführer der Bocholter Tafel, an Ort und Stelle aus, wo sie gerade gebraucht werden. Insgesamt sind 150 Mitarbeiter an den beiden Tafel-Standorten Bocholt und Isselburg im Einsatz – allesamt ehrenamtlich und unbezahlt.

Drei Tage die Woche haben die Tafelläden geöffnet – montags, mittwochs und freitags –, an denen sich Bedürftige dort gegen einen Obolus von zwei bis vier Euro mit Lebensmitteln versorgen können. „Wir bieten kein Vollsortiment an“, erklärt der Vorsitzende, „unsere Waren sind eine Ergänzung zum Lebensnotwendigen.“ Mal erhalten die Tafelläden eine große Spende an Chips, mal haben sie Eier im Überfluss und „nach den Feiertagen gerne auch mal Weihnachtsmänner und Osterhasen“. Knapp seien zuweilen die haltbaren Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Konserven, denn die sortieren ja auch die Supermärkte nicht so schnell aus.

Die Kundschaft der Bocholter Tafel ist relativ unterschiedlich: Viele Rentner, große Familien, Alleinerziehende und Geflüchtete besuchen die weitläufigen und hellen Räume an der Köcherstraße regelmäßig. Einkaufen kann dort jeder mit einem geringen Einkommen und einem entsprechenden Beleg, dass er beispielsweise Hartz IV, Wohngeld oder nur eine Grundsicherung erhält – auch ein geringes Bafög zählt dazu.

„Anders als in den Großstädten des Ruhrgebiets gibt es bei uns kein Gedrängel beim Einlass – dank unseres rollierenden Systems“, erklärt Helmut Reygers. Jeder Kunde hat seinen Termin, falls der sich verzögert, wartet man in einem Aufenthaltsraum. Eine Verkäuferin betreut den Einkauf dann persönlich und packt die gewünschten Lebensmittel nach einem Rundgang durch das Angebot ein. In der Folgewoche rutscht man eine Stunde weiter nach hinten – „so ist jeder mal der erste und mal der letzte Kunde an dem Tag“. Aber: „Stur nach Plan arbeiten wir hier nicht“, erklärt Schepers, „da geben wir auch Lebensmittel raus, wenn jemand einfach kein Geld mehr hat.“

Die meisten Waren werden von Supermärkten, Bäckern und Herstellern der Region gestiftet. Die Lebensmittel sammelt die Bocholter Tafel mit eigenen Transportern ein. Dazu kommen noch Spenden von Privatleuten – auch finanzielle Spenden werden immer gebraucht. „Wir sind ein völlig unabhängiger Verein und müssen unsere laufenden Kosten wie beispielsweise die Miete selbst tragen“, erklärt Schriftführer Reygers. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, keiner der Ehrenämtler möchte diesen Job missen: „Er gibt dir die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben – und wir sind eine gute Truppe“, erklärt Dr. Helmut Schepers. Mehr Informationen finden Interessierte unter www.bocholter-tafel.de.

Foto: Lena Varzideh

Verderbliches wie Obst und Gemüse gibt es ausreichend bei der Tafel, Wurst- und Käsespenden werden weniger.

Foto: Lena Varzideh

Ganz genau werden die Waren auf ihre Qualität geprüft, bevor sie in die Regale einsortiert werden.

Foto: Lena Varzideh

Praktikanten helfen auch im Tafelladen mit.