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So geht Zivilcourage

Ersthelfer durch Bürgermeister Nebelo ausgezeichnet

Dienstag, 29. Mai 2018 - 10:41 Uhr

von Lena Varzideh

Viele helfende Hände retteten Friedhelm Bauhaus das Leben.

Foto: Lena Varzideh

Ein emotionales Wiedersehen für Ersthelferin Meike Ebbing und Friedhelm Bauhaus. Couragiert handelte die Bocholterin gemeinsam mit anderen Passanten, als der Rentner Anfang Januar mit einem Herzstillstand zusammenbrach.

Der 22. Januar war ein kalter Tag, als Meike Ebbing mit ihren beiden Söhnen gerade in der Bocholter Innenstadt unterwegs war. Der 75-jährige Friedhelm Bauhaus aus Wertherbruch hatte an diesem Tag einen Termin in der Innenstadt. Die Grafikerin und der Rentner kannten sich nicht, wären sich wahrscheinlich auch nie begegnet.

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Viele Freiwillige reagierten sofort

Auf einmal, direkt neben der Eislaufbahn auf dem St. Georg Platz, wurde es Bauhaus dunkel vor Augen. „Da lag ein Mann blutend auf dem Bauch und rührte sich nicht“, erinnert sich Ebbing an die Szene. Sie reagierte umgehend: Ihre beiden Jungs postierte sie in Sichtweite und eilte zu dem Mann.

Die Bocholterin war Ersthelferin in ihrer Abteilung und hatte in diesem Zug noch einen Erste-Hilfe-Kurs belegt. „Die Handgriffe waren irgendwie da und ich fühlte mich sicher“, erinnert sie sich. Zuerst drehten sie und die Helfer Bauhaus in die stabile Seitenlage. Als der der Rentner blau anlief, startete Ebbing die Herz-Rhythmus-Massage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Ein Erste-Hilfe-Koffer und eine Atemmaske wurden von weiteren Helfern organisiert.

Andere Passanten unterstützten ebenfalls tatkräftig: Die einen sperrten den Weg ab, andere kümmerten sich um die beiden Söhne von Ersthelferin Ebbing. In dieser Extremsituation reagierten auch die Mitarbeiter der Sparkasse, die ihren Defibrillator zum Unfallort brachten. „Dann war auch schon der Krankenwagen vor Ort“, so Ebbing.

Etwas geschockt von dem Erlebten, besucht Ebbing danach mit ihren Söhnen die St. Georg Kirche. Gemeinsam zünden sie eine Kerze an: „Das war irgendwie beruhigend für uns.“

Für Bauhaus geht es in die Bocholter Notaufnahme – sein Zustand war zu diesem Zeitpunkt kritisch. In Bocholt stabilisiert man den 75-Jährigen in den Folgewochen auf der Intensivstation. Für zwei Wochen ist der 75-Jährige anschließend noch im Universitätsklinik Münster. Rund drei Monate dauert der Heilungsprozess. Nun geht es bergauf: Langsam fühlt er sich wieder wie der „Alte“. Er und seine Familie haben „viel Geduld“, erzählt Bauhaus.

Bei Lebensretterin Meike Ebbing bedankte sich Friedhelm Bauhaus persönlich: Ein emotionales Treffen für alle Beteiligten. „Ich hatte wirklich einen Schutzengel“, sagt der 75-Jährige. Dabei blickt er dankbar die zweifache Mutter an.

Gemeinsam mit Jens Tepferdt, der an diesem kalten Januartag so mutig und couragiert handelte, wurde Meike Ebbing jetzt von Bürgermeister Peter Nebelo ausgezeichnet. „Sie haben mit ihrem tollen Einsatz dafür gesorgt, dass sechs Enkelkinder noch ihren Opa haben“, sagte er. Ebbin betonte im Gespräch: „Ich finde, die Politik sollte sich mehr dafür einsetzen, dass jeder, der einen Führerschein hat, seinen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt.“