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Familie & Gesundheit

Kindesunterhalt berechnen

„mein Rechtstipp“ im StadtKurier

Freitag, 1. Februar 2019 - 10:15 Uhr

von Christian Vosgröne

Rechtsanwältin Gudula Kruse von der Bocholter Kanzlei Kirchberg & Collegen erklärt die neue Düsseldorfer Tabelle.

Foto: Sven Betz

Die Bocholter Rechtsanwältin Gudula Kruse ist Fachanwältin für Familien-, Erb- und Arbeitsrecht.

Zum 1. Januar 2019 wurden die Unterhaltsbeträge der Düsseldorfer Tabelle leicht erhöht, soweit es den Unterhaltsanspruch minderjähriger Kinder betrifft. Die Höhe des Kindesunterhalts richtet sich gemäß Düsseldorfer Tabelle grundsätzlich nach dem Alter des Kindes (0 bis 5 Jahre; 6 bis 11 Jahre; 12 bis 17 Jahre; ab 18 Jahre) und dem sogenannten anrechenbaren Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils.

Der in der Düsseldorfer Tabelle angegebene Unterhaltsbetrag entspricht aber regelmäßig nicht dem Zahlbetrag. Abzusetzen ist das hälftige Kindergeld, wenn dies der Elternteil bekommt, bei dem das Kind lebt. Das Kindergeld wird sich erst ab dem 1. Juli 2019 für die ersten beiden Kinder von 194 auf 204 Euro, für das dritte Kind von 200 auf 210 Euro und für das vierte und weitere Kind/er von 225 auf 235 Euro erhöhen. Für den Zeitraum von Januar bis Juni 2019 kommt die Erhöhung des Kindesunterhalts damit den unterhaltsberechtigen Kindern voll zugute, ab Juli 2019 wird die Erhöhung wegen des Abzuges des dann erhöhten hälftigen Kindergeldes zum Teil wieder aufgezehrt.

Die Düsseldorfer Tabelle ist beistehend abgedruckt. Der jeweilige Erhöhungsbetrag ergibt sich aus der Spalte „Differenz alt/neu“ der Tabelle. Elternteile, bei denen minderjährige Kinder leben, müssen sich fragen, ob sie aktiv werden und Abänderung verlangen sollten. Dies hängt davon ab, ob ihnen eine Jugendamtsurkunde, ein gerichtlicher Vergleich oder Beschluss vorliegt, der einen statischen, also festen Unterhaltsbetrag festlegt oder aber, ob sie einen sogenannten dynamischen Unterhaltstitel besitzen. Letzterer stellt ab auf die Prozentsätze, die der Düsseldorfer Tabelle entnommen werden können. Wenn es dort zum Beispiel heißt, „Herr Anton Meier ist verpflichtet, Kindesunterhalt in Höhe von 100 Prozent der Düsseldorfer Tabelle entsprechend der jeweiligen Altersstufe des Kindes zu zahlen“, passt sich die zu beanspruchende Höhe des Kindesunterhalts automatisch der Erhöhung der Unterhaltsbeträge an. Der Elternteil, bei dem das unterhaltsberechtigte Kind lebt, muss nur prüfen, ob der unterhaltspflichtige Elternteil auch tatsächlich den erhöhten Betrag zahlt.

Wenn ein statischer, also fester Unterhaltsbetrag festgelegt worden ist, muss dieser gegebenenfalls gerichtlich angepasst werden. Dies verlangt ein unverzügliches Handeln im Wege der sogenannten Inverzugsetzung. Wenn dies nicht rechtzeitig und nachweisbar erfolgt, kann der Unterhaltsberechtigte im Nachhinein teilweise leer ausgehen. Der unterhaltsverpflichtete Elternteil sollte überprüfen, ob er die Kindesunterhaltszahlung an die Erhöhung ab Januar 2019 angepasst hat, sonst muss er jedenfalls bei Vorliegen eines sogenannten dynamischen Unterhaltstitels mit berechtigten Nachforderungen rechnen. Auch wenn die Kindesunterhaltszahlungen nur in geringem Umfang erhöht wurden, könnte er überprüfen lassen, inwieweit er noch verpflichtet ist, Unterhalt für ein oder mehrere Kinder zu zahlen.

Ab Juli 2019 obliegt es dem unterhaltspflichtigen Elternteil zu prüfen, ob und inwieweit er wegen der Erhöhung des Kindergeldes einen geringen Kindesunterhaltsbetrag leisten muss. Es kommt jeweils auf den vorliegenden Unterhaltstitel und vor allem auf die dortige Formulierung der Kindergeldanrechnung an.

Bei Unsicherheiten sollte sowohl der Elternteil, bei dem das Kind lebt, als auch der unterhaltspflichtige Elternteil fachkundigen Rat in Anspruch nehmen. Wenn es um eine Abänderung der Unterhaltshöhe nach unten oder oben aufgrund eines vorliegenden Unterhaltstitels geht, richtet sich der Gegenstandswert nach dem monatlichen Differenzbetrag zwischen alt und neu mal 12. Dieser Gegenstandswert beträgt damit maximal 168 Euro. Damit halten sich die anwaltlichen und gegebenenfalls gerichtlichen gesetzlichen Gebühren in einem angemessenen Rahmen, deren Höhe sich grundsätzlich nach dem Gegenstandswert richtet.

Rechtsanwältin Gudula Kruse Fachanwältin für Familienrecht, Erbrecht und Arbeitsrecht

Bei Fragen zu diesem Beitrag wenden sich Interessierte bitte an die Bocholter Kanzlei Kirchberg und Collegen – telefonisch erreichbar unter 02871/241440.

Die im Rechtstipp dargestellten Beiträge wurden von Rechtsanwältin Gudula Kruse erstellt. Der StadtKurier gewährt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Beiträge ersetzen keine Beratung. Bei Fragen wenden Sie sich an die Kanzlei Kirchberg und Collegen oder eine andere Rechtsberatung.