Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Familie & Gesundheit

Nicht so tot, wie es scheint

„Meine Natur“ die Kolumne von Stefan Leiding / Heute: Lebensraum Totholz

Freitag, 9. März 2018 - 12:16 Uhr

von Christiane Schulz

Foto: Fishing4

FOTO: Tanja Askani

Regelmäßig berichtet Stefan Leiding, Kreisgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) im mein StadtKurier über Naturschutzthemen. In seiner heutigen Kolumne beschäftigt er sich mit dem Totholz. Und das ist eigentlich gar nicht so tot, wie es klingen mag.

„Als Totholz bezeichnet wird stehendes oder liegendes abgestorbenes Holz. Das kann ein einzelner Ast, ein abgestorbener Baum oder alle Übergänge dazwischen sein. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird irgendwann feststellen, wie paradox der Begriff ,Totholz‘ im Grunde ist und das gleich in zweifacher Hinsicht. Denn auch ,lebendes‘ Holz besteht zu einem Großteil aus bereits abgestorbenen, also toten Zellen.

Nach dem Absterben des Holzes beginnt eine Besiedlung mit Tausenden verschiedener Arten, die sich zum Beispiel bei der Eiche über Jahrhunderte hinziehen kann. Viele Tier- und Pflanzensorten sind eigentliche Spezialisten, die sich im Laufe der Evolution an ganz bestimmte Lebensräume angepasst haben und nur dort auf Dauer überleben können. Alte Bäume und Totholz sind Lebensräume, die eine ungeahnte Vielfalt an Spezialisten beherbergen. Den Löwenanteil der Besiedler stellen Käfer mit circa 1400 Arten und die Pilze mit circa 1500 Arten. Dazu kommen zahlreiche andere Vertreter wie Spinnen, Asseln, Schnecken, Amphibien, wie der Feuersalamander und natürlich auch Vögel, die vom Insektenreichtum profitieren. Diese finden hier einen reichlich gedeckten Tisc, aber auch hervorragende Nistmöglichleiten. Neben verschiedenen Meisenarten erfreuen sich gerade der Waldbaumläufer, der Kleiber, Wald- und Steinkäuze des abgestorbenen Holzes und insbesondere die heimischen Spechtarten. Sie nutzen den Insektenreichtum als Nahrungsquelle, Höhlen und lose Borke bieten Versteckmöglichkeiten und Brutplätze. Häufig werden Totholzstrukturen auch als Singwarten und Balzplätze genutzt. Lediglich die größte einheimische Spechtart, der Schwarzspecht, ist mit seinem mächtigen Schnabel in der Lage, in absoluten Ausnahmefällen seine Nisthöhlen auch in lebende, gesunde Buchenstämme zu zimmern. Alle anderen Spechtarten bevorzugen für diesen Zweck vorgeschädigtes oder bereits abgestorbenes Holz. Doch nicht im Wald, sondern auch im heimischen Garten ist das Totholz sehr wichtig. Ich möchte einmal zwei Beispiele nennen, wie man dieses im Garten einsetzen kann, was sicherlich auch zu einer größeren Artenvielfalt beiträgt. Hackschnitzelhaufen: Überaus wichtig für viele Insektenlarven, gerade die Larven des Hirschkäfers und auch des Nashornkäfers gedeihen prächtig dort drinnen. Auch Beeteinfassungen oder sogar Zäune kann man aus abgestorbenem Holz kreieren. In ihrem Schutz bauen Rotkehlchen, Heckenbraunelle und zum Beispiel der Zaunkönig gerne ihre Nester und für Igel bieten diese eine fantastische Möglichkeit zum Überwintern.

Sollte ich mit diesem Beitrag Ihr Interesse an Totholz im Garten geweckt haben, sende ich Ihnen gern mehr Informationen hierzu. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.“

Ihr Stefan Leiding

Foto: Picasa

Foto: Picasa