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Familie & Gesundheit

Wie Urlaub in der Kindheit unser Leben beeinflusst

Viele Deutsche kehren immer wieder an die Urlaubsorte ihrer Kindheit zurück

Freitag, 8. Februar 2019 - 10:02 Uhr

von Christian Vosgröne

Viele Deutsche kehren immer wieder an die Urlaubsorte ihrer Kindheit zurück. Warum, erklärt der Psychologe Michael Thiel.

Foto: Pixabay

Ein gemeinsamer Urlaub stärkt den Familienzusammenhalt.

Endlich raus aus dem Alltag, endlich Abenteuer mit seinen Lieben erleben: Gut jeder zweite Deutsche (59 Prozent) fand es als Kind im Urlaub am schönsten, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Das zeigt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Hotelmarke Holiday Inn. Sie belegt auch: Urlaube, die man als Kind erlebt, bleiben im Gedächtnis. Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie sich sehr gut (32 Prozent) an die Reisen ihrer Kindheit erinnern – und über 60 Prozent sind sogar an ihren ehemaligen Urlaubsort zurückgekehrt.

Ob Burgenbau am Ostseestrand oder Entdeckungstour in Fernost: Nicht das Ziel sorgt dafür, dass die Reise im kindlichen Gedächtnis haftet. „Entscheidend ist der Spaßfaktor“, erklärt Diplom-Psychologe Michael Thiel. „Denn im Kindesalter funktioniert Erinnern vor allem über Stimmungen und Gefühle.“ Kinder, die ihre Eltern im Urlaub gelassen und mit viel Zeit für den Nachwuchs erleben, werden selbst gut gelaunt den Urlaub genießen – und sich als Erwachsene an die Reise erinnern: „Diese positive Stimmung ist viel mehr im emotionalen Gedächtnis verhaftet als der tollste Sonnenuntergang“, sagt Thiel.

Die Studie zeigt im Detail: Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) fand es als Kind besonders schön, im Urlaub länger wach zu bleiben – und jeder Vierte (25 Prozent), Dinge zu essen und zu trinken, die zu Hause nicht erlaubt waren.


Gemeinsam die Reise planen

Reisen stärkt den Zusammenhalt in der Familie und tatsächlich: Den meisten Deutschen (73 Prozent) hat es als Kind besonders gut gefallen, auf Ferientouren neue Eindrücke zu sammeln, so ein weiteres forsa-Ergebnis. Für Michael Thiel kein Wunder. Er hält Familienurlaube für wahre Entwicklungsförderer – und zwar schon bevor das Gehirn ab dem dritten, vierten Lebensjahr Erinnerungen speichern kann. „Kinder wollen die Welt entdecken. Neue Reize am Urlaubsort fordern das kindliche Gehirn und fördern es auf diese Weise – vorausgesetzt die Eltern begleiten ihren kleinen Entdecker sicher durch die unbekannte Welt.“

Damit der nächste Familienurlaub in bester Erinnerung bleibt, rät der Psychologe Eltern, das Erlebte zu begleiten – etwa zu erklären, warum ein Gericht anders schmeckt. Außerdem auf handyfreie Zonen achten und die gemeinsame Zeit nicht zu vollpacken, um Urlaubsstress zu vermeiden. Reiseexperte Andreas Kohn empfiehlt, den Urlaub rechtzeitig zu planen. „Am besten nachfragen, wer was unternehmen möchte und recherchieren, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt.“ Am Urlaubsort sollte die Tagesplanung ebenfalls gemeinsam angegangen werden.

Probleme sollten zeitnah diskutiert und geklärt werden, sagt Michael Thiel. Ist dies nicht der Fall, hat der Urlaub das Zeug zum Gedächtnis-Dauerbrenner, der jede Traumreise verblassen lässt. „Schlechte Erfahrungen sind im Gedächtnis präsenter als schöne, weil wir auf jeden Fall vermeiden wollen, sie noch einmal durchzumachen.“ Zum Beispiel den Campingurlaub, den man als Kinder als lästige Pflichtübung empfunden hat. Entspannter werden die Ferien in jedem Fall, wenn die Unterkunft besonders familienfreundlich ist. Dazu gehört zum Beispiel, dass Kinder kostenlos essen und übernachten. Das spart Geld, welches man in gemeinsame Aktivitäten investieren kann und so kommen alle auf ihre Kosten.

Foto: InterContinental Hotels Group

Michael Thiel