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Bocholter restauriert Domuhr
02.08.2013

„Ein verborgener Schatz“

Viele Männer sammeln Uhren. Zu ihnen gehört auch Josef Schröer. Der einzige Unterschied: Seine sind ein bisschen größer. Die Geschichte eines besonderen Hobbys.

Bocholt (rue). Als Josef Schröer als Kind den Blick aus seinem Fenster über der Familien eigenen Bäckerei-Konditorei warf, konnte er die langsame Wanderung des Turmuhrenzeigers der Liebfrauenkirche beobachten. Sie faszinierte ihn. Heute sollten ähnlich Interessierte besser einen Blick ins Innere des Hauses werfen. Glocken, Wetterhähne, Zeiger und natürlich Uhrwerke zeugen von einem besonderen Hobby. In seinem privaten Turmuhrenmuseum hat er auf 200 Quadratmetern Sammlerstücke aus ganz Deutschland, teils sogar aus dem Ausland zusammengetragen. Schröer schrieb außerdem bereits mehrere Bücher über Uhrenwerke, die von anderen Sammlern – „Glockenfreunden“, wie er sie nennt – geschätzt werden. Sein jüngstes befasst sich mit der Restauration der 500-Jahre alten Domuhr in Xanten, die von Schröer und seinem Sammlerfreund Dieter Goldschmidtböing durchgeführt wurde.

Ein Zeichen der Mitfreude sollte es sein, als der Dombauverein Xanten sich nach einem passenden Geschenk anlässlich des 750. Geburtstages des St.-Viktor-Doms umsah. Schließlich wurden Goldschmidtböing als versierter Mechaniker im Umgang mit Turmuhren und Josef Schröer als Geschichtsschreiber und technischer Assistent engagiert, um das handgeschmiedete Turmuhrenwerk und Ziffernblatt des Südturms zu restaurieren. Nach anderthalb Jahren regelmäßiger Arbeit und rechtzeitig zur Geburtstagsfeier waren das Werk getan und ganz nebenbei einige neue Erkenntnisse gewonnen. So glaubt Schröer beispielsweise herausgefunden zu haben, dass die ersten Aufzeichnungen über eine Xantener Domuhr von 1376 stammen. Das wäre noch bevor Wien und Köln eine solche besaßen. Zudem scheint sichergestellt, dass die restaurierte Uhr nicht nur 300, sondern fast 500 Jahre alt ist: Sie ist scheinbar auf das Jahr 1554 zurück zu datieren.

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Dank der Arbeit der beiden Sammler läuft dieses Relikt nun wieder einwandfrei und kann von Besuchern des Doms begutachtet werden. „Ein verborgener Schatz“ verstecke sich damit im Turm des Doms, befindet Schröer.

Schröers Buch „Die Turmuhrenwerke und Ziffernblätter im und am Dom zu Xanten“ befasst sich auf 80 Seiten mit allen Facetten der Uhrengeschichte der Kirche: Schlagglocken, das alte sowie das neue Turmuhrenwerk und die Ziffernblätter werden dort beschrieben und mit vielen Bildern gezeigt. Auch die Historie der einzelnen Relikte und des Doms erläutert Schröer darin. Für zehn Euro ist es in der Bäckerei-Konditorei Schröer, Wesemanstraße 5, in Bocholt, zu haben.

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