Unterhaltung

Ausnahmsweise eine Single

Vom Loslassen und der Chance, einen Neuanfang zu wagen

Freitag, 21. August 2020 - 15:15 Uhr

von Jörg Honsel

Jörg Honsel hat sich für seinen CD-Tipp das Stück „Lawine“ der Weseler Band „Meine Zeit“ ausgesucht.

„Das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen“, lautet das Urteil des Bocholter DJs.

Liebe Musikfreunde, eigentlich stelle ich hier bis auf wenige Ausnahmen immer ganze Alben vor. Wenn aber eine lokale Band nach ihrer Gründung 2013 und ihren beiden sehr erfolgreichen EPs 2015 und 2017 (die auch hier vorgestellt wurden) jetzt erst wieder eine neue Single veröffentlicht, dann finde ich, ist es Zeit für eine Ausnahme.

Es geht um den Titel „Lawine“ der Weseler Band „Meine Zeit“. Daniel Gilberg (Bocholt/Gesang und Gitarre) Tilo Hellmann (Rhede-Krechting/Schlagzeug) Sebastian Kuck (Wesel/Piano und Synthesizer) und Moritz Hippich (Wesel/Bass) singen zu Beginn des Refrains „Wir müssen raus hier – Richtung Neuanfang“. Und das gilt auch für die Band selbst.

Da eine Vereinbarung mit einer großen Plattenfirma im letzten Moment geplatzt war, beschloss die Band, die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen. Prompt erhielt man eine Förderung der Initiative Musik, die im Auftrag der Bundesregierung die Musikwirtschaft unterstützt. Zwei Jahre haben die Musiker an insgesamt 14 neuen Songs gebastelt. Sie arbeiteten zum ersten Mal mit anderen Songwritern zusammen und probierten viel aus. Wegen der vielen Konzerte im Jahr 2018 passierte das aber immer nur „zwischen Tür und Angel“. Die Jungs fassten daher eine ganz mutige Entscheidung: 2019 wollten sie nicht mehr live auftreten, sondern sich voll auf die neue Musik konzentrieren. Sie waren dann fast jede Woche im Studio. Und das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

Allein schon die prägnante Synthesizer-Hookline lässt einen nicht mehr los und hat einen einzigartigen Wiedererkennungswert. Das Lied hat einen eingängigen Sound und Rhythmus, ist elektronischer und tanzbarer als die bisherigen Stücke der Band, klingt aber nicht oberflächlich, sondern sehr ausgereift. Produzent Simon Yildirim hat auch schon die letzte EP „Von Hier Nach Glück“ produziert, die bis heute über 850000 Mal im Netz gehört wurde. Sänger und Gitarrist Daniel Gilberg singt vom Loslassen und der Chance, einen Neuanfang zu wagen. Der langweilige, gefühlskalte und immer gleiche Großstadttrott muss endlich hinter sich gelassen werden, denn da draußen wartet so viel mehr. Und für Veränderungen braucht es nur den ersten Schritt. Wie man es von „Meine Zeit“ gewohnt ist, gibt es auch für diesen Song wieder ein professionelles Video. Die Bandmitglieder erleben hier jeweils kleine Alltagspannen, die jeder von uns kennt. Dadurch wird die Botschaft von „Lawine“ noch eindrücklicher visualisiert.

Alle vier bis sechs Wochen werden einige weitere Songs, die in den letzten zwei Jahren neu entstanden sind, ebenfalls digital über die verschiedenen Streamingdienste veröffentlicht. Mit „Lawine“ beginnt für die Band auch ein weiterer Neuanfang. Ihr Manager und bisheriger Live-Bassist Moritz Hippich, der die Band schon seit 2015 unterstützt, ist jetzt als festes Bandmitglied dabei. Nach mehr als 100 Konzerten in den letzten Jahren unter anderem als Vorband von „Jupiter Jones“, „Yvonne Catterfeld“ und „Andreas Bourani“ wollen sie jetzt auch live wieder Vollgas geben. Kein Wunder, dass Sven Porschhöfer als künstlerischer Leiter bei der von Traber Events veranstalteten Open-Air-Reihe „Watt-Extra-Aasee Sunsets“ auf der Wiese vor dem Bocholter Strandcafé die Jungs für vergangenen Mittwoch verpflichtete.

Bei der Vorstellung ihrer ersten EP habe ich im Jahr 2015 folgendes an dieser Stelle geschrieben: „Meine Zeit“ brauchen sich wirklich hinter keinem Top-Act der deutschen Musikszene zu verstecken. Da könnte noch viel kommen – viel mehr sogar.“ Das glaube ich auch heute noch. Wie heißt es im Song „Lawine“: „Denn mit ein bisschen Glück kommt der ganze Rest von ganz allein …“ Dieses Glück wünsche ich den Jungs von ganzem Herzen – Sie haben es verdient!

Schönes Reinhören wünscht wie immer

Jörg Honsel