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Unterhaltung

Drama und Krimi verbunden mit Natur

„mein Buchtipp“ im StadtKurier

Freitag, 8. November 2019 - 14:30 Uhr

von Melanie Tenhumberg

Bibliothekarin Melanie Tenhumberg stellt im aktuellen Buchtipp das Romandebüt von Delia Owens vor, „Den Gesang der Flusskrebse“.

Das Mädchen Kya wächst Anfang der 50er Jahre im Marschland von North Carolina auf. Sie lebt mit ihrer Familie in einer einsamen Hütte, mitten in den Sumpf- und Salzwiesen, die fast nur mit dem Boot erreicht werden kann.

Als Kya sechs Jahre alt ist, flieht ihre Mutter vor dem gewalttätigen Ehemann und in den folgenden Jahren verlassen sie erst die Geschwister und dann auch noch der Vater. Als junges Mädchen steht Kya auf einmal mittellos und vollkommen alleine in der Wildnis da. Kaum jemand aus dem nahegelegenen Ort kümmert sich um sie, die Versuche der Sozialarbeiterin, sie zu integrieren, scheitern an der Ablehnung der Bewohner. Sie wird das „Marschmädchen“ genannt und misstrauisch als Sumpfgesindel bezeichnet.

Somit ist Kya gezwungen, ihr Leben selbständig zu organisieren, um ihr Überleben zu sichern. Sie lernt, Muscheln zu sammeln und Fische zu räuchern und diese gegen Lebensmittel und Benzin für ihr Boot einzutauschen. Von den Menschen allein gelassen und enttäuscht, entwickelt sie eine enorme Liebe zu den Seevögeln und der sie umgebenden Natur. Bald kennt sie jeden Stein, jede Muschel und Pflanze. Das Biotop der Salzwiesen mit all seiner Artenvielfalt gibt ihr Halt und wird ihr zur inneren Heimat. Dennoch ist sie gezwungen, die tägliche Stille und die Einsamkeit auszuhalten.

Der zweite Handlungsstrang der Geschichte erzählt zeitversetzt aus den Jahren 1969/70 den Todesfall von Chase Andrews, Kyas ehemaligem Freund und angesehenem Frauenheld des Örtchens Barkley Cove. Hier wird schnell deutlich, dass der Sheriff Kya als Schuldige favorisiert und somit die Ermittlungen auf eine Anklage hinauslaufen werden.

Durch diese zweite Handlungsebene wird eine ungeheure Spannung erzeugt, denn je mehr Kya dem Leser ans Herz wächst, umso deutlicher wird, dass eine erhebliche Gefahr auf sie lauert. Die Autorin Delia Owens versteht es, mit ihrer bildreichen Sprache ein Gemälde vom Marschland und seinen tierischen und menschlichen Bewohnern zu zeichnen. Sie fängt die Schönheit der Landschaft ein ohne kitschig zu wirken und verleiht ihrer Hauptfigur Kya eine unglaubliche emotionale Kraft.

Während der Leser voller Spannung Kyas Entwicklung, ihren Versuchen der Annäherung und der Aufklärung der polizeilichen Ermittlungen folgt, ist es fast unmöglich, sich dem Sog der Geschichte zu entziehen. „Der Gesang der Flusskrebse“ ist ein Buch vom Erwachsenwerden, aber auch ein Familiendrama und ein klein wenig Kriminalroman, da die Hintergründe des Todes von Chase Andrews erst nach und nach enthüllt werden. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss spannend und hält auch auf den letzten Seiten so manche Überraschung parat.

Der Debütroman von Delia Owens fesselt mit glaubwürdigen Charakteren und einer tiefgründigen Geschichte zu den Themen Einsamkeit, Verlust und Vorurteilen. Gerade in der heutigen Zeit, in der täglich neue Bedrohungsszenarien der Natur durch den Menschen publik werden, hallen die wunderbaren Landschafts- und Naturbeschreibungen besonders lange nach.

Delia Owens, geboren in Georgia, lebt auf einer Ranch in Idaho. Über zwanzig Jahre erforschte die Zoologin in verschiedenen afrikanischen Ländern Elefanten, Löwen und Hyänen. Als Kind verlebte Delia Owens die Sommerurlaube mit ihren Eltern in North Carolina, wo auch ihr Romandebüt spielt.

Viel Spaß beim Lesen

wünscht Ihnen

Melanie Tenhumberg,

Bibliothekarin der

Stadtbibliothek Bocholt

Alle im StadtKurier vorgestellten Bücher können in der Stadtbibliothek Bocholt, Hindenburgstraße 5, ausgeliehen werden (dienstags, donnerstags: 10 bis 12 Uhr, 14 bis 19 Uhr, mittwochs, freitags: 10 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr, samstags: 10 bis 13 Uhr).