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Unterhaltung

Frauen am Rande der Gesellschaft

Die Bocholter Bibliothekarin Klaudia Kroesen hat Laetitia Colombanis neuen Roman „Das Haus der Frauen“ gelesen und ist begeistert.

Freitag, 3. April 2020 - 13:34 Uhr

von Klaudia Kroesen

Die Bocholter Bibliothekarin Klaudia Kroesen hat Laetitia Colombanis neuen Roman „Das Haus der Frauen“ gelesen und ist begeistert.

© Christian Vosgroene

Laetitia Colombani hat mit ihrem Debütroman „Der Zopf“ bereits die Leserschaft begeistert. Hier standen die Schicksale von drei außergewöhnlichen Frauen im Vordergrund, deren Leben vollständig unterschiedlich verliefen, jedoch miteinander verflochten wurden.

Ihr Debütroman war „Der Zopf“

Jetzt legt uns die Autorin ihren neuen Roman vor und auch dieser entführt uns in die Welt zweier vollkommen unterschiedlicher Frauen: Da gibt es auf der einen Seite die Anwältin Solène, die nach einem folgenschweren Zwischenfall einen Zusammenbruch erleidet und ihr ganzes Leben infrage stellt. Nach ihrem Burn-out steht für sie fest, dass sie nicht mehr in ihren Beruf zurückkehren wird.

Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe bewirbt sie sich als Schreiberin in einem Frauenhaus. Hier soll sie sich um die offiziellen und privaten Korrespondenzen der Bewohnerinnen kümmern. Zunächst beäugen die Frauen Solène mit Argwohn und sehr distanziert. Nur nach und nach kommen sie mit zum Teil sehr persönlichen Anliegen auf sie zu. Sie lernt die Sorgen und Nöte dieser vom Leben gezeichneten Frauen kennen, die im Frauenhaus eine Zuflucht, ja oft sogar eine Heimat, gefunden haben.

Durch ihre Arbeit im Frauenhaus wird Solène auf dessen Gründerin Blanche Peyron aufmerksam und beginnt deren Leben zu recherchieren. Der Leser wird durch die Recherche in das Jahr 1925 entführt: Hier lebt die 17-jährige Blanche, die sich aufgrund familiärer Gegebenheiten entschließt, in die Heilsarmee einzutreten.

Ihr Wunsch ist es, ihrem Land und den Menschen zu helfen. Sie arbeitet sich in der Hierarchie der Heilsarmee Stück für Stück nach oben. Als sie ihren Mann Albin kennenlernt, kämpfen sie zusammen für die Ärmsten der Armen und gründen gemeinsam im Laufe der Jahre Obdachlosenheime für Männer und Frauen in ganz Frankreich.

Ein Herzensprojekt von Blanche ist der Palast der Frauen, ein Haus in Paris, in dem Frauen in Not Zuflucht finden können. Laetitia Colombani schafft es erneut das Schicksal zweier Frauen miteinander zu verknüpfen, die mutig ihren Weg gehen – und das in unterschiedlichen Jahrhunderten. Die Autorin erzählt abwechselnd die Geschichte von Solène und Blanche, zwei starken Persönlichkeiten, die Frauen am Rande der Gesellschaft unterstützen und auch verstehen wollen. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche dieser Frauenschicksale ich spannender fand, weil beide mich sehr berührt haben. Dazu hat sicherlich auch die hervorragend gelungene Verknüpfung von Gegenwart und Geschichte beigetragen. Entscheiden Sie selbst.

Laetitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. Für ihren zweiten Roman „Das Haus der Frauen“ recherchierte Colombani im „Palais de la Femme“ in Paris, einem Wohnheim für Frauen in Not. Sie sprach mit Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen und wurde eine von ihnen. „Das Haus der Frauen“ ist der erste Roman über Blanche Peyron, die 1926 unter widrigsten Umständen eines der ersten Frauenhäuser begründete. Laetitia Colombani lebt in Paris. 

Viel Spaß beim Lesen wünscht Klaudia Kroesen.

Infos zum Buch:

Autor: Laetitia Colombani

Titel: Das Haus der Frauen

Verlag: S.Fischer

ISBN: 978-3-10-390003-3

Preis: 20 Euro

Alle im StadtKurier vorgestellten Bücher können in der Stadtbibliothek Bocholt, Hindenburgstraße 5, während der Öffnungszeiten (dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr) ausgeliehen werden.