Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Unterhaltung

Gänsehautmomente

Der mein StadtKurier CD-Tipp von Jörg Honsel:

Freitag, 28. Juni 2019 - 11:16 Uhr

von Alexandra Knop

Unser CD-Kritiker Jörg hat diesmal in das neue Album von Sarah Connor reingehört und ist mehr als begeistert von Liedern und Stimme.

Foto: Jörg Honsel

Liebe Musikfreunde!

Der neue Song „Vincent“ von Sarah Connor sorgt in den Medien für große Schlagzeilen. Die erste Zeile im Text über einen homosexuellen Teenager, der Angst hat, sich zu outen führte dazu, dass einige Radiostationen diesen Titel gar nicht oder in verkürzter Fassung spielten. Das Lied ist die erste Singleauskopplung aus dem zweiten deutschsprachigen Album „Herz Kraft Werke“ von Sarah Connor. Sie ist wirklich eine „Stehauffrau“ im Musikbusiness.


Stehauffrau im Musikbusiness

Nach ihrer letzten englischsprachigen Single „Real Love“ im Jahr 2010 war sie von 2010 bis 2012 Jury-Mitglied bei der Castingshow „X Factor“. 2014 wirkte sie bei der von Vox ausgestrahlten Fernsehreihe „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ mit. Nach sechs Jahren schaffte sie 2015 mit „Wie schön Du bist“ aus ihrem ersten deutschsprachigen Album „Muttersprache“ wieder einen Top-Ten-Hit. Aber egal ob sie auf Englisch oder Deutsch singt – Connor hat einfach eine Wahnsinnsstimme und die ist für mich auch unverwechselbar. Das ist in der heutigen Musikszene sehr selten geworden.


Direkt, schnörkelos und rotzig

Jedes der 15 Lieder singt sie mit voller Leidenschaft und Inbrunst und dadurch werden die ehrlichen und gradlinigen Texte noch authentischer transportiert und sorgen immer wieder für Gänsehautmomente. Viele Texte schreibt sie mittlerweile selber. Nahezu jeder Titel scheint wirklich aus tiefster Seele zu kommen und berührt deshalb in gleichem Maße.

Aber Vorsicht! Die Texte sind oft direkt schnörkellos und auch rotzig. Und trotzdem wirken sie nie billig – sondern einfach nur ehrlich. Das Lied „Flugzeug aus Papier“ schrieb sie für die 2018 verstorbene Tochter des ehemaligen amerikanischen Skirennläufers Bode Miller und seiner Frau Morgan, die im Alter von 19 Monaten in einem Pool ertrunken ist. Ganz allein mit Klavier singt sie auf eine zerbrechliche Art und Weise, welche einen direkt ins Herz trifft. „Einfach HAMMER!“

„Schloss aus Glas“ widmete sie ihren Eltern. Da wird in 4:10 Minuten sehr viel Leben rein gepackt – mit allen Höhen und Tiefen einer Ehe. Aber auch Sarah Connor folgt mit „Kleinstadtsymphonie“ den momentanen Trend zu Heimatsongs wie zum Beispiel „Immer noch fühlen“ von Revolverheld, „Hundert Leben“ von Johannes Oerding oder „Schönste Zeit“ von Bosse. Und doch gefällt mir dieser Song sehr gut, da er nicht so schwermütig klingt wie manch anderes Lied auf dem Album.

„Dank Dir“ schrieb sie zum Geburtstag Ihres Mannes. Was für ein einmaliges Geburtstagsständchen. Ich hätte mir aber auch mal einen Titel als Tanznummer gewünscht.

Insgesamt ist Sarah Connor den schwierigen Schritt von der englischsprachigen Musik hin zu deutschen Texten hervorragend gelungen. Kein Wunder dass die CD sofort auf Nummer 1 der deutschen Album Charts eingestiegen ist.

Schönes Reinhören

wünscht Ihnen wie immer

Jörg Honsel