Unterhaltung

Härter die Gitarren nie klingen

Der „mein StadtKurier“-CD-Tipp von Jörg Honsel

Freitag, 27. November 2020 - 14:42 Uhr

von Jörg Honsel

Von wegen besinnlicher Advent: Jörg Honsel empfiehlt Power-Rock von AC/DC.

Jörg Honsel ist ganz begeistert vom neuen Album der Rocker von AC/DC.

„Liebe Musikfreunde!

Ich habe lange überlegt, ob ich Ihnen in der Adventsszeit ein typisches Weihnachtsalbum vorstellen soll. Aber die Zeiten sind einfach so anders, dass ich mich für eine komplett differente musikalische Neuveröffentlichung entschieden habe. Man könnte auch sagen: „Härter die Gitarren nie klingen!“

Meine über 70-jährige (Fast-)Nachbarin Helga ist ein riesengroßer AC/DC-Fan und konnte die Veröffentlichung des neuen Albums „Power Up“ kaum abwarten. Ein Bandmitglied der bekanntesten lokalen AC/DC-Coverband „Faltenrock“ schrieb kurz nach Erscheinen der Scheibe in den sozialen Netzwerken: „Voll geil, die Rille!“.

Das gepostete Foto mit der wilden Frisur ließ unschwer erkennen, dass sie die neue Scheibe so richtig gefeiert hatte. Ich hab mir das Album nicht „von Rille“ angehört, sondern wie heutzutage üblich über einen Streamingdienst am PC. Aber eines war mir von vornherein klar: Den Lautstärkeregler muss ich vor dem Drücken der Play-Taste ziemlich aufdrehen.

Gesagt, getan! Und schon ging es richtig ab! Brian Johnsons Stimme kommt beim ersten Titel der zugleich zweiten Singleauskopplung „Realize“ so druckvoll und mit einer solchen Power aus den Boxen, als gäbe es kein Morgen. Das treibende Schlagzeug vom zurückgekehrten Drummer Phil Rudd und die typischen Gitarrenriffs vom unvergleichlichen Angus Young sind auch wieder mit voller Kraft da. Das hatte ich so wirklich nicht erwartet. Schließlich ist es das 16. Album in 47 Jahren (!) Bandgeschichte.

Brian Johnson ist bereits 73 Jahre alt, hatte gesundheitliche Probleme und es bestand sogar die Gefahr, dass er sein Gehör verliert. Auch Bassist Cliff Williams kehrte nach seinem Bandrücktritt 2016 wieder zurück. Steve Young, Neffe des 2017 verstorbenen Malcom Young, hat sich mittlerweile als würdiger Ersatz für seinen Onkel bewährt.

Überhaupt Malcom Young: Nach dessen Tod 2017 haben viele an ein Ende der Band geglaubt. Auf diesem Silberling ist er jedoch musikalisch so lebendig wie eh und je und wird als Co-Autor bei allen Songs geführt. Viele Riffs stammen noch aus den Arbeiten zum 2008 erschienenen Album „Black Ice“ oder sind Überbleibsel jahrzehntelanger Zusammenarbeit der Gebrüder Young. Die Textzeile „See dark shadows – on the walls – see the pictures – some hang, some fall“ im Song „Through the mists of Time“ ist eine perfekte Hommage an Malcom Young. Die Gitarren klingen zwar nach AC/DC, weichen aber etwas vom üblichen Strickmuster ab und machen den Song mit dem gefühlvollen Gesang außergewöhnlich. Die erste Single-Auskopplung „Shot in the dark“ erinnert an die frühen AC/DC. Keine Experimente, keine Schnörkel einfach Powerrock pur! Genauso müssen die fünf Jungs klingen. Mein persönlicher Favorit ist „Demon Fire“. Es erinnert an ZZ Top, hat einen genialen Gitarrenriff und einen mega Refrain.

Brian Johnson sagte in einem Interview über das Album: „Dieses Jahr war so schlecht und es ist eine verzweifelte Zeit für alle, aber diese Platte bringt nur die schiere Kraft des Rock ’n’ Roll zum Ausdruck, die andere Musik nicht erreichen kann“. Treffender kann man es nicht ausdrücken! AC/DC beweisen, dass sie immer noch unter Strom – nein Starkstrom stehen. Respekt!

Meine Fast-Nachbarin möchte die Jungs gerne noch einmal live erleben. Vielleicht nimmt sie mich „Jungspund“ ja mit. Ich werde sie die Tage einmal fragen.

Wie immer wünsche ich Ihnen schönes Reinhören oder heftiges Luftgitarrenschwingen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Jörg Honsel