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Unterhaltung

Innovativ, überraschend, einfach anders

CD-Tipp: Jörg Honsel und das neueste Album von Max Raabe & Palast Orchester

Freitag, 7. Februar 2020 - 11:06 Uhr

von Stefanie Himmelberg

© Jörg Honsel

Über (Musik-) Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, das weiß keiner so gut wie unser CD-Tester Jörg Honsel. Musik von Max Raabe & Palast Orchester würde er privat „eher weniger hören“.

Als mir vorgeschlagen wurde, das neueste Album von Max Raabe & Palast Orchester „MTV Unplugged“ vorzustellen, dachte ich nur: Oh je! Ganz ehrlich: Max Raabe macht nun wirklich keine Musik, die ich selbst höre.

Mit seinem Namen verband ich eigentlich immer nur seinen bekanntesten Titel „Kein Schwein ruft mich an“ aus dem Jahr 1992. Der Song und auch Raabe & Palast Orchester wurden 1994 durch einen Auftritt im Film „Der bewegte Mann“ so richtig bekannt. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass im November 2019 dieses Doppelalbum veröffentlicht wurde.

Als ich dann die Playlist und die Gaststars der CD studiert habe, war ich sehr überrascht. Shootingstar Lea, der Deutsch-Rapper Samy Deluxe, Namika und kein Geringerer als Herbert Grönemeyer waren mit von der Partie. Letzterer war ja der erste deutsche Musiker überhaupt, der 1995 ein MTV-Unplugged-Album veröffentlichen durfte. Solche Gäste hätte ich bei der Musik von Max Raabe & Palastorchester nicht erwartet.

Die Songs wurden an zwei Abenden im Spiegelsaal in Clärchens Ballhaus in Berlin vor sage und schreibe 40 Zuschauern aufgenommen. Leider merkt man fast nie, dass es sich um ein Live-Album handelt, da man das Publikum nur sehr selten hört. Kaum Applaus und erst recht kein Mitsingen bei den Songs. Man könnte meinen, es würde sich um eine im Studio produzierte CD handeln. Das finde ich sehr sehr schade.

Mich interessierte vor allen Dingen „Kein Schwein ruft mich an“. Der Song kommt zunächst auch so, wie man ihn kennt aus den Boxen. Plötzlich unterbricht Achim Hagemann alias Pawel Popolski den Song und bittet darum, das Lied in einer Polka-Version mit seinem mitgebrachten Reiseschlagzeug begleiten zu dürfen. Und dann geht wirklich die Post ab. Diese Version mit einem hervorragenden Schlagzeugsolo von Popolski ist Spielfreude pur!

Das beeindruckendste Stück ist für mich „Der perfekte Moment … wird heut verpennt“. Toller Text! Und wenn dann wie aus dem Nichts Samy Deluxe mit einem Rap das Ganze begleitet und sogar zum Finale des Songs feinstes Beatboxing – Schlagzeugsound imitiert mit Mund und Nase – anstimmt, klingt das überraschend anders, aber auch sehr innovativ. Das Duett „Guten Tag, liebes Glück“ mit der zauberhaftenLea bezeichne Raabe selbst nach den Konzerten als Offenbarung und in der Tat ist das Lied absolut hörenswert.

Mit diesem „MTV unplugged“ lebt der Sound der Goldenen Zwanziger wieder auf. Aber nicht verstaubt, wie man meinen könnte, sondern durch die Gaststars innovativ, überraschend und einfach anders. Aber ganz ehrlich: Auch zukünftig werde ich persönlich Max Raabe & Palast Orchester eher weniger hören. Aber wie immer: Über (Musik-) Geschmack lässt sich nicht streiten!

Schönes Reinhören

wünscht Ihnen

wie immer Ihr

Jörg Honsel