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Unterhaltung

Locker leichter Sound bis zum Rapp auf marokkanisch

„mein CD-Tipp der Woche“ von Jörg Honsel:

Freitag, 7. September 2018 - 10:21 Uhr

von Alexandra Knop

Unser CD Kritiker Jörg Honsel schwärmt vom neuen Album „Que Walou“ der Ausnahmekünstlerin Namika.

Liebe Musikfreunde!

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„Je ne parle pas français“ von Namika war für mich der Sommerhit des Jahres. Da stimmte einfach alles: Lockerer, leichter Sound, eine tolle Stimme, ein Text, den man nachfühlen kann und der Sehnsucht auf Paris, Urlaub und Liebe weckt.


Sängerin, Rapperin und Songschreiberin

Aber wie viele Künstler von Single- Hits veröffentlichen dann auch ein Album, was überzeugen kann? Namikas zweites Album ist für mich der Beweis, dass dies auch gelingen kann. Durch „Je ne parle pas français“ und dem Hit „Lieblingsmensch“ aus dem Jahre 2015 könnte man meinen, dass es sich bei Namika um eine Sängerin handelt, die musikalisch nur locker und leichte Musik singen kann.

Weit gefehlt! Sie ist Rapperin, Songschreiberin und Sängerin. Sie haben richtig gelesen – sie ist auch eine hervorragende Rapperin. Ich bin wahrlich kein Fan von Rap-Musik, aber hier erklingt er nicht so aggressiv und primitiv wie bei den zurzeit angesagten deutschen Gangsta-Rap. Ihre sanfte Stimme und die sehr eindrücklichen Texte passen perfekt zu dieser Musikrichtung.

Der Titelsong der CD „Que Walou“ ist eine Redewendung aus der in der Heimat ihrer Eltern Marokko geläufigen Berberdialekt Tamazight und bedeutet – übersetzt und abhängig vom Kontext – entweder „wie nichts“ oder „für nichts“. Zunächst erklingt ein Klavier und dann beginnt Namika zu rappen. In dreieinhalb Minuten erzählt sie ihr ganzes Leben, das in Teilen ein prekäres war. Die Strophen rappt sie auf Deutsch, den Hook singt sie auf marokkanisch.“


Songs auch über ihre Familie

Ahmed (1960-2002) ist der emotionalste Song auf der CD. Besagter Ahmed – Namikas Vater – hat die Familie früh verlassen. Vor einigen Jahren ist er nach einer Haftstrafe verstorben, kennengelernt hat Namika ihren Vater nie. Für mich ein absoluter Ausnahme-Track, der tiefsten Respekt verdient, denn nicht jeder Künstler würde damit an die Öffentlichkeit gehen. Ich habe selten einen so persönlichen Text gehört.

Selbst einer der derzeit härtesten kritisierten Deutsch-Rapper Farid Bang hört sich bei seinem Solosprechpart bei „Hände“ wohltuend zurückhaltend an. Hier geht um die marokkanische Großmutter von Namika. Beim Song „Parkbank“ ist der Titel tatsächlich wörtlich zu nehmen. Der Text handelt komplett über „das Leben“ dieser alltäglichen Sitzgelegenheit. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie nach dem Hören demnächst beim Hinsetzen auf einer solchen Parkbank sich an das Lied zurückerinnern und vielleicht verträumt Ihre Hände über die Holzbohlen streichen.

„Alles was zählt“ und „ Ok“ haben wieder diesen locker leichten Sound, gehen sofort ins Ohr und bleiben auch dort. „Zirkus“ bestimmt durch die dominante Bassgitarre und bildet einen tollen Abschluss des Albums.

Namika hat für mich momentan eine absolute Monopolstellung: Sie ist gleichermaßen eine gute Rapperin und Pop-Sängerin, die zugleich diesen Spagat hervorragend vereint.

Schönes Reinhören

wünscht Ihnen

wie immer

Jörg Honsel