Unterhaltung

Vom Mobber zum Helden?

„mein Buchtipp“ im StadtKurier: „

Freitag, 13. August 2021 - 11:17 Uhr

von Claudia Alders

Bibliothekarin Claudia Alders hat „Die Nachtbushelden“ von Onjali Q. Rauf gelesen – und ist begeistert. Der Kinder- und Jugendroman sei „ein kluges und spannendes Buch“.

© Atrium Verlag

„Die Nachtbushelden ist die spannende Gesichte eines Antihelden, den man als Leser nicht mag, im Laufe der Geschichte aber zu respektieren beginnt“, schreibt Claudia Alders.

Der zehnjährige Hector mag niemanden an seiner Schule. Allerdings mag auch niemand Hector: Er erpresst, mobbt und schlägt seine Mitschüler. Zusammen mit seinen zwei besten Freunden verbreitet er selbst unter den Lehrern Angst und Schrecken. Das geschieht so häufig, dass ihn selbst dann alle beschuldigen, wenn er ausnahmsweise einmal nicht der Täter ist.

Hector fühlt sich von seinen viel beschäftigten Eltern alleine gelassen. Ihr Engagement für Umweltschutz und die Rechte fremder Kinder nehmen viel Zeit in Anspruch. Diese Tatsache und ihr Unverständnis für Hector empfindet der Junge als ständige Zurückweisung. Andauernd bekommt Hector zu hören, wie dankbar er sein muss, dass es ihm an nichts mangelt. Zumindest in materieller Hinsicht. Das ist auch der Grund, warum er jeden hasst, dem es augenscheinlich besser geht. Er sieht sich völlig im Recht, wenn er alle anderen drangsaliert. Aufgrund seines Benehmens wird ihm die Chance verwehrt, bei einem Zeichenwettbewerb mitzumachen. Hier hätte er sich endlich mal von seiner kreativen und talentierten Seite zeigen können.

Wütend macht sich Hector auf die Suche nach einem Ventil für seine Aggression und findet in dem Obdachlosen Thomas das perfekte Opfer. Doch sein Plan geht schrecklich schief. Er begibt sich auf die Suche nach Thomas, da er von seinem schlechten Gewissen und der Angst vor den Konsequenzen geplagt, wird. Bei seinen Streifzügen durch die Stadt wird er zufällig Zeuge von Diebstählen, die auf eine Diebesbande aus dem Obdachlosenmilieu hindeuten. Doch Hectors voreilige Verurteilung der Obdachlosen als Täter verstrickt ihn nur immer tiefer in den Fall. Wird er, der Nichtsnutz und Mobber, den wahren Täter finden und seine Schuld tilgen können?

Auch im vierten Roman von Onjali Q. Raúf werden politische und gesellschaftliche Themen wie Mobbing, Vorurteile und Rassismus den Kindern nahegebracht. Hector lernt im Laufe der Geschichte, dass nicht immer alles so ist, wie es den Anschein hat.

Je mehr er über die Welt der Obdachlosen erfährt, umso mehr verschiebt sich sein Blick auf sein Leben und sein Handeln. So wird aus so manchem Feind ein Freund, denn auch einige seiner Mitschüler haben schon mehr erlebt, als Hector bis dahin vermutet hat. Ein kluges und spannendes Buch, das zum Nachdenken und darüber sprechen anregt.

Onjali Q. Rauf ist Autorin, Journalistin und Gründerin der Menschenrechtsorganisation Making Herstory, die sich gegen Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt einsetzt. Außerdem engagiert sie sich als ehrenamtliche Helferin für Flüchtlinge.

Mit ihrem Debüt gewann Onjali Raúf gleich mehrere Preise, unter anderem den Waterstones Children’s Book Prize 2019 und den Blue Peter Book Award. Sie lebt in London. „Die Nachtbushelden“ ist ihr vierter Kinder- und Jugendroman.

Viel Spaß beim Lesen

wünscht Claudia Alders,

Bibliothekarin

der Stadtbibliothek Bocholt