Unterhaltung

Von wegen verstaubt: Frische Fööss

Der „mein StadtKurier“-CD-Tipp von Jörg Honsel

Freitag, 18. Dezember 2020 - 14:52 Uhr

von Jörg Honsel

Zu ihrem 50. Geburtstag haben die „Bläck Fööss“ ein Jubiläumsalbum herausgebracht. Auf Empfehlung eines DJ-Kollegen hat sich Jörg Honsel die Scheibe angehört.

© Privat

Jörg Honsel hat sich von seinem DJ-Kollegen Daniel Bröxkes überzeugen lassen, sich die Jubiläumsscheibe der „Föösss“ anzuhören.

„Liebe Musikfreunde!

Suchen Sie noch ein ,Last Minute‘-Weihnachtsgeschenk? Wie wäre es denn mit dem Jubiläumsalbum ,5Ö‘ von den ,Bläck Fööss‘? Karnevalsmusik zur Weihnachtszeit? werden Sie jetzt vielleicht sagen. Das habe ich zuerst auch gedacht als mein guter DJ-Kollege Daniel Bröxkes (Resident-DJ im ,Oberbayern‘ in Düsseldorf) den ich seit vielen Jahren aus unserer gemeinsamen Mitgliedschaft bei einem der größten und bedeutendsten DJ-Pools (DJ Hitparade) kenne, mir vorschlug die neue Scheibe hier vorzustellen.

Mit den ,Bläck Fööss‘ verbinde ich allerdings eher traditionelle, etwas angestaubte Karnevalsklassiker wie ,Mer losse d’r Dom en Kölle‘ und ,Drink doch ene mit‘. Auf dem Cover sind viele der berühmten Klassiker aufgeführt, die jeweils gemeinsam mit anderen Künstlern gesungen werden. Ganz ehrlich? Ich hatte überhaupt keine Lust auf ein gefühlt zigtausendstes Tribute-Album mit fragwürdigen Neuversionen von wirklich erstklassigen Originaltiteln wie sie in den vergangenen Jahren zuhauf veröffentlicht wurden. Aber andererseits ist mein DJ-Kollege Daniel nur sehr schwer zu begeistern und, wenn er die CD so gut findet, dann muss sie schon etwas Besonderes sein.

Das zigtausendste Tribute-Album?

Etwas widerwillig und doch irgendwie gespannt drückte ich daher die Start-Taste. Und was hörte ich da? Gleich zu Anfang ein fantastischer a capella-Gesang bei „50 Johr“ mit dem die Band augenzwinkernd auf ihre Musikgeschichte seit ihrem Beginn im Jahr 1970 zurückblickt. Das klingt nicht verstaubt, sondern einfach frisch, ganz so, als ob da eine neu gegründete Formation ihr erstes Stück spielt.

Es folgt der erste Klassiker „Drink doch ene mit“ mit dem Leadgesang vom BAP -Urgestein Wolfgang Niedecken. Das hat nichts – aber auch wirklich gar nichts mehr mit Karneval zu tun. Eine gefühlvolle Ballade par excellence. Am Anfang die Akustikgitarre, die Mundharmonika zwischendrin und dazu die wirklich eindrucksvolle Stimme von Niedecken. Gänsehaut pur! Es geht Schlag auf Schlag weiter. Bei ,Dat Wasser vun Kölle‘ rappen die ,BeerBitches‘ (unter anderem mit Comedystar Carolin Kebekus) bevor dann der Gospelgesang einsetzt. Spätestens jetzt will man einfach noch mehr von diesem Album hören.

Dann kommt Heino! Heino? Ja genau – ich war auch sehr skeptisch. Aber es kann mit seiner unverkennbaren Stimme keinen Besseren geben um „Moni hat geweint“ neu einzusingen. Der Titel (ursprünglich aus dem Jahr 1991) hört sich an wie ein Uraltschlager. Die E-Gitarre mit einem kleinen Solo gibt dem Stück den letzten Kick. Bei ,Buchping vun Heimwih‘ besingt Hape Kerkling zunächst auf Hochdeutsch sein Heimweh nach ,Kölle’, wenn er in einer anderen Stadt ist. Die ,Bläck Fööss‘ stimmen dann auf Kölsch mit ein. Harmonische Akkordeonklänge und ein gefühlvoller Chorgesang sogen für Gänsehaut!

Die Neufassung von ,Katrin‘ klingt fast genauso wie das Original – allerdings etwas moderner. Zwischendurch gibt es aber die Überraschung. Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Sie werden sich köstlich amüsieren und lachen!

Eine Prise Rock gefällig? ,En d’r Weetschaff op d’r Eck‘. Aber nicht vergessen: Lautstärkeregler aufdrehen! Sie möchten sommerliche Klänge und Sambarhythmen? Bitteschön! ,Wenn de Sonn schön schingk‘ wieder gemeinsam mit Harpe Kerkeling bedient Sie damit hervorragend. Und zum Schluss gibt es gleich mit drei Klassikern und der Begleitung des WDR-Funkorchester ein Finale furioso! Genialer Bandgesang, gefühlvolle Instrumentierung. Einfach nur genießen! Einzig ,Bye Bye my Love‘ mit Howard Carpendale hätten sie sich sparen können. ,Howies‘ Kölsch hört sich schon sehr künstlich an.

Fazit: Wer ein besonderes Album verschenken will, liegt damit genau richtig. Dankeschön an meinen DJ Kollegen Daniel Bröxkes, ohne den ich mir dieses Album nie angehört geschweige denn, es Ihnen vorgestellt hätte!

Schönes Reinhören wünscht Ihnen wie immer,

Ihr Jörg Honsel

Jörg Honsel grüßt zum Fest

„Liebe Musikfreunde, mein Motto lautet: Musik bringt uns auch durch die schwersten Zeiten! Und es war dieses Jahr wahrlich eine schwere Zeit, die leider wohl noch etwas anhalten wird.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und, dass wir alle im nächsten Jahr wieder bessere Zeiten erleben. Passen Sie auf sich auf und vor allen Dingen: Bleiben Sie gesund!“