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Unterhaltung

„Welkoam iip Lunn“

Der mein StadtKurier CD-Tipp von Jörg Honsel: „Helgoland“ von Künstlern aus unserer Region

Freitag, 3. Mai 2019 - 11:30 Uhr

von Christiane Schulz

Unser CD-Tipper Jörg Honsel hat sich „Helgoland“ eingelegt und will auf das Eiland.

Unser Musikexperte Jörg Honsel will nach Helgoland.

„Liebe Musikfreunde!

Heute stelle ich Ihnen eine außergewöhnliche CD von einem außergewöhnlichen Projekt, aufgenommen von außergewöhnlichen Künstlern an einem außergewöhnlichen Ort vor. Eines vorweg: Ich habe selten einen Silberling mit so unterschiedlichen Musikrichtungen gehört.

Doch der Reihe nach: Anfang Februar nahmen der Inhaber der Rockschulen in Bocholt, Wesel und Hamminkeln sowie des Kulturbahnhofs (KuBa) in Hamminkeln, Marco Launert, und Marc Sokal vom Wuppertaler Carousel-Tonstudio auf der Insel Helgoland die Basic-Tracks für insgesamt zwölf Songs auf.

Diese wurden später von Musikern aus England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland endgültig feingeschliffen und eingesungen. Aus Bocholt waren Marie Schmalz und Andres Swiatlowski („das Zwiebel“) dabei.

Die Aufnahmen erfolgten bewusst unter den winterlichen Naturgewalten auf Deutschlands einziger Hochseeinsel. Andreas Strutz vom Helgoland Tourismus-Service war von Beginn an begeistert von Launerts Projektidee und sorgte für die perfekte Organisation, Logistik, Unterkunft, Verpflegung und nicht zuletzt der Finanzierung unter dem Arbeitstitel „Helgoland Recording Project“.

Das Ganze wurde nicht in einem professionellen Tonstudio aufgenommen, denn so etwas gibt es auf der Insel nicht. Stattdessen brachten Launert und Sokal dessen mobiles, professionelles Tonstudio und das komplette Bandequipment zunächst mit PKW und Anhänger nach Cuxhaven. Von dort wurde alles per Schiffscontainer auf die Insel gebracht. Aufgenommen wurden die Songs in der Nordseehalle, der Eventhalle der Insel.

Am Ende des ersten Tages war dann alles bereit für die Umsetzung. Launert und Sokal hatten ganze sechs Tage Zeit, um das musikalische Fundament zu legen, bevor die geladenen Gastmusiker hinzustoßen sollten. Marco schrieb die Songs größtenteils auf der Insel, auch die Texte wurden unter dem Einfluss der einzigartigen Atmosphäre fertiggestellt. Die Gastmusiker waren begeistert von den Grundstrukturen der einzelnen Lieder und verfeinerten diese innerhalb einer weiteren Woche endgültig mit Gesang, Gitarrenspuren und Pianoklängen. Es gibt auf der CD „Helgoland – Das Album“ Rock, Pop, Soul und – was mich als Fan von Instrumentalsongs besonders gefreut hat – zwei Stücke ohne Gesang. Der erste Song „Welkoam iip Lunn“ ist helgoländisch und heißt „Willkommen an Land“. Was für ein Opener: Da werden auf Deutsch, Französisch und Englisch aus verschiedenen Perspektiven die Reise und die Ankunft auf der Insel beschrieben. Gleichzeitig ist er als Willkommensgruß aller beteiligten Künstler zur CD und als eine Einladung zum Weiterhören gedacht. Hammer! Ich bin dieser Einladung sehr sehr gerne gefolgt. „Wild Open Space“ besticht durch die eindringliche Stimme von Marie Schmalz, deren erste EP „Paper Birds“ ich Ihnen im Dezember 2018 vorgestellt habe. „Left my home for Rock ‚n‘ Roll“ ist eine treibende Rocknummer mit fettem Gitarrenriff. Schnörkellos und geil!


„Das Zwiebel“ beeindruckt

Am meisten beeindruckt auf der ganzen CD hat mich die Stimme von Andres Swiatlowski alias „das Zwiebel“: Unfassbar facettenreich, rau, dreckig, kraftvoll, markant und einzigartig. Hören Sie sich „Deat Lunn“ – helgoländisch für „Das Land“ – an. Die Rauheit einer solchen Insel kann eine Stimme nicht besser ausdrücken!

Der Song „Araucas“ soll mit der Gitarre im Vordergrund die fiktive Geschichte eines U-Boots, das nach Ausfall aller Maschinen im Meer treibt und auf die bekannten roten Felssockel von Helgoland trifft, erzählen. Im Stile der instrumentalen Gitarrenmusik von „The Shadows“, „The Ventures“ oder „Ricky King“ kommt „Crab Shack“ daher.


Rebellion der Krustentiere

Als absoluter Fan lief der Song bei mir in Dauerschleife. Die prägnante Leadgitarre swingt vor sich hin und soll den Aufstand der Taschenkrebse (eine Spezialität auf Helgoland und „Knieper“ genannt), die sich gegen ihren Fang wehren, beschreiben. Also: Rebellion der Krustentiere. Das Album endet mit dem gewaltigen „The Ports of Helgoland“ Eine Schluss-Hymne und die Hauptaussage der gesamten CD: Menschen aller Länder verbindet euch und lasst euren Gefühlen freien Lauf – lasst Musik ohne Grenzen auf Euch wirken – am Ufer und in den Häfen Helgolands! Ganz ehrlich: Danach will man nur noch eines: Helgoland sehen und erleben – und das nicht nur als Tagestourist, sondern für eine längere Zeit. Marco Launert sagt selbst: „Die Naturgewalten und die Abgeschiedenheit vom Festland – an einigen Tagen konnten aufgrund des Sturms keine Schiffe fahren – trugen zu 100 Prozent zur Einzigartigkeit und Authentizität der Platte bei“.

Die CD gibt es nur in einer Auflage von 5000 Stück unter www.helgoland-das-album.de. Am 9. August wird das Album mit allen Musikern im Rahmen eines großen Konzertevents live auf Helgoland präsentiert.

Schönes Reinhören wünscht Ihnen wie immer

Ihr Jörg Honsel

Übrigens: Jörg Honsel wird wie immer beim City-Lauf am St.-Georg-Platz die Moderation übernehmen. Unterstützt wird er dabei vom Bocholter DJ Tommy Wiening! Also, nix wie hin.