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lokal & aktuell

75 Jahre Frieden – ohne Grenze

Deutsch-niederländische Zusammenarbeit in 2020

Freitag, 27. Dezember 2019 - 10:19 Uhr

von Christiane Schulz

Gemeinsam die Freiheit feiern, unter diesem Motto bereiten Akteure beiderseits der Grenze gemeinsam ein umfassendes Programm für das kommende Jahr vor.

© Christiane Schulz

Hans de Graaf (links), Elisabeth und Siegfried Löckener gehören der deutsch-niederländischen Arbeitsgruppe der religiösen Gemeinschaften an. Das Banner mit dem Motto ihrer Veranstaltungsreihe wandert jeweils über die Grenze. Darauf zu sehen sind die Thora-Rollen aus der Aaltener Synagoge, die den Zweiten Weltkrieg in einem Versteck überstanden.

Es ist ein außergewöhnliches Projekt, das die Organisatoren stemmen wollen – und ein Gewaltiges. Unter dem Motto „Frieden und Freiheit zusammen und miteinander feiern“ sollen im kommenden Jahr zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Niederländische und deutsche Gemeinden sowie Vereine wollen entlang der Grenze gemeinsam feiern, dass große Teile Europas seit Ende des Zweiten Weltkrieges 75 Jahre in Frieden leben. Den Auftakt bildete am 9. November eine gemeinsame Pflanzaktion deutscher und niederländischer Kinder in Dinxperlo, die die Grenze im nächsten Jahr zum Blühen bringen soll.

Die niederländische Gemeinde Aalten kooperiert bei dem Projekt mit Bocholt. Vier Themenschwerpunkte hat die Arbeitsgruppe „75 Jahre Befreiung der Gemeinde Aalten“ ausgemacht: „Kultur und Bildung“, „Sport und Spiel“, „Musik und Theater“ sowie „Gedenken und Vertiefen“. Näheres zu den einzelnen Veranstaltungen und Terminen finden Interessierte auf der Website www.samenvrijheidvieren.nl.

Im April dieses Jahres hat sich in Aalten auch eine Arbeitsgruppe der Religionsgemeinschaften gebildet. Koordiniert wird die zehnköpfige Gruppe von Gerrit van de Kamp aus dem Vorstand der Euregio Christengemeinde Aalten/Bocholt. „Tot Vrijheid geroepen – zur Freiheit berufen“, unter dieses Zitat aus dem biblischen Galaterbrief will die Gruppe all ihre Aktivitäten stellen.

Von Anfang an mit dabei ist Hans de Graaf, der in Aalten als Sekretär der Pfarrei St. Helena/Ludger tätig ist: „Es ist ein wichtiges Thema. Religion und Freiheit sind sehr eng miteinander verbunden. Da mussten wir uns beteiligen“, so de Graaf, der auch anregte, die Kirchengemeinden auf deutscher Seite einzubinden. „Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ist tief verwurzelt in uns Holländern. Aber die Emotionen sind etwas schwächer geworden“, sagt der 76-Jährige.

Gottesdienste in beiden Ländern

Über Gerhard Wiethold von der Pfarre Liebfrauen entstand der Kontakt zu den Akteuren diesseits der Grenze. So auch zu Elisabeth und Siegfried Löckener. „Ich finde, das ist eine ganz tolle Geste“, so Elisabeth Löckener. Ihr Ehemann ergänzt: „Auch wir Deutschen sind ja damals befreit worden.“

Ganz bewusst hat man alle religiösen Glaubensgemeinschaften eingebunden. Auch die muslimische Gemeinde und der Freundeskreis der Aaltener Synagoge bringen sich in die Veranstaltungsreihe ein.

Das Motto „Zur Freiheit berufen“ sehen die Organisatoren als Aufruf, Freiheit als Geschenk zu verstehen, als Wert, der gepflegt werden will. Daher sollen in allen deutsch-niederländischen Gottesdiensten auch die zehn Gebote zu hören sein. „Die Gebote sollen kein Hemmnis sein, sondern uns die Möglichkeit geben, miteinander zu leben“, sagt Hans de Graaf. Er fragt sich, was Freiheit in der heutigen Zeit bedeutet und kritisiert die Verrohung in sozialen Medien und die gesunkenen Hemmschwellen. „Ich mache mir große Sorgen um unsere Gesellschaft“, sagt er. Und Elisabeth Löckener ergänzt: „Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung.“

Der Auftakt der Reihe findet am Sonntag, 12. Januar, in der Aaltener Synagoge statt. Danach geht es auf die deutsche Seite und wieder zurück. „Die Gottesdienste finden immer im Wechsel statt. Die Kirchengemeinden besuchen sich“, sagt Siegfried Löckener. Wie die beteiligten Gemeinden die Gottesdienste ausgestalten, bleibt ihnen überlassen. „Wir haben nur den Anstoß gegeben und die Termine koordiniert“, so Elisabeth Löckener. Ganz bewusst habe man auch den Jahrestag der Bombardierung Bocholts, den 22. März, als Tag der Veranstaltung in der St.-Georg-Kirche gewählt.

Den Abschluss bildet am 3. Mai ein großer gemeinsamer Gottesdienst in der St.-Helena-Kirche auf dem Markt in Aalten.

Die Termine und die Gemeinden

Sonntag, 12. Januar:

Gemeinsamer Auftakt in der Aaltener Synagoge, 19 Uhr

Sonntag, 2. Februar:

St. Joriskerk, protestantische Gemeinde Bredevoort, zusammen mit der römisch-katholischen Gemeinde „van de Sint-Georgiuskerk“, Bredevoort, 10 Uhr

Samstag, 8. Februar:

St.-Helena-Kirche, Barlo,

17 Uhr

Sonntag, 16. Februar:

Euregio-Christengemeinde Aalten-Bocholt, 10.30 Uhr

Freitag, 21. Februar:

August-Vetter-Berufskolleg Bocholt, 10 Uhr

Sonntag, 1. März:

Christelijk Gereformeerde Kerk, Aalten, 9.30 Uhr

Musikalisches Portrait zu Martin Niemöller, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Bocholt, 17 Uhr,

Samstag, 7. März:

St.-Michael-Kirche, Liedern, 18.30 Uhr

Sonntag, 15. März:

römisch-katholische Glaubensgemeinschaft St. Helena, Aalten, 19.30 Uhr

Fatih-Camii-Moschee, Aalten, 14.30 Uhr

Sonntag, 22. März:

St.-Georg-Kirche, Bocholt, 11 Uhr anschließend um 13 Uhr Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Bombardierung

Sonntag, 29. März:

protestantische Gemeinde, Aalten, 9.30 Uhr

Sonntag, 19. April:

Gemeinsame Feier der katholischen und protestantischen Glaubensgemeinschaften in Dinxperlo, Suderwick und Breedenbroek, im Festzelt in Dinxperlo, 10 Uhr

Sonntag, 26. April:

Christengemeente De Meiberg, Aalten, 9.30 Uhr

Sonntag, 3. Mai:

Gemeinsame Abschlussveranstaltung, St. Helena, Markt, Aalten, 19 Uhr