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lokal & aktuell

9. November 1938

Gedenkveranstaltung heute Abend am Haus des Handwerks

Freitag, 8. November 2019 - 14:40 Uhr

von Christian Vosgröne

© Stadtarchiv Bocholt

Der Nazi-Mob verwüstete auch die Synagoge in Bocholt und setzte sie in Brand.

Mit einem stillen Gedenken und einem Konzert wird in Bocholt am heutigen Samstagabend den Opfern der Reichspogromnacht gedacht. Die stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Kroesen spricht um 19.30 Uhr an der Synagogen-Gedenkstätte am Europaplatz 17, bevor Schüler des Mariengymnasiums musikalisch und mit Texten zum Gedenken beitragen.

Um 20.30 Uhr lädt die „Bühne Pepperoni“ zu einem Konzert mit der international bekannten Gruppe „Die Grenzgänger“ ins St.-Josef-Gymnasium, Hemdener Weg 19, ein. Es steht unter dem Titel „Und weil der Mensch ein Mensch ist“.

Die damals 18-jährige Maria Wolsing kann sich an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnern, als der Nazi-Mob jüdische Häuser und Geschäfte zerstörte und Synagogen in Brand steckte. Sie schildert ihre Eindrücke folgendermaßen: Es gab Neugierige satt und genug. Der Südwall war schwarz von Menschen. In der Villa ‚Friede‘ lagen die zerschlagenen Einmachgläser etwa einen halben Meter hoch. Eine Frau, von der ich annahm, dass es Frau Friede war, sagte den SA-Männern, dass sie die Einmachgläser mitnehmen sollten. Doch die Männer trampelten weiter in den auf dem Boden liegenden Einmachgläsern herum. Niemand von den vielen, die dort herumstanden, sagte den SA-Männern, dass sie mit den Zerstörungen aufhören sollten.

Aufgehetzt im Schützenhaus

In Bocholt hatten sich die Nazis zuvor im Schützenhaus getroffen, zu einer Gedenkfeier für die „Opfer der Bewegung“, bei der sie wegen des Attentats auf den Botschaftsbeamten Ernst vom Rath in Paris durch einen jüdischen Niederländer zu einer „Aktion gegen Juden“ aufgehetzt wurden.

Auch über das Haus der Familie Max Friede am Südwall 7 – gegenüber der heutigen VHS – machten sich die Faschisten her.

„Heute stellt sich die Frage, wie die Bocholter Nazis und ihre Mitläufer derart aufgeputscht werden konnten, dass sie ihre jüdischen Nachbarn fast zu Tode ängstigten. War es Hass, Massensuggestion oder Angst, die nur in sehr wenigen Fällen das Einschreiten zugunsten der verfemten jüdischen Menschen ermöglichte? Es blieb übrigens für die Wenigen, die sich mutig vor ihre Nachbarn gestellt hatten, ohne Folgen“, berichtet die Stadt Bocholt in einer Mitteilung.