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„Achtsam, aber keine Panik“

Bocholter Krankenhaus auf Coronavirus vorbereitet

Freitag, 31. Januar 2020 - 10:42 Uhr

von Christian Vosgröne

Für den Umgang mit möglichen Infektionen gibt es feste Regeln.

© RKI/Kurth

Das Robert-Koch-Institut mit seinem Hochsicherheitslabor ist die zentrale Einrichtung in Deutschland für den Infektionsschutz und seit 2016 WHO-Kooperationszentrum für neu auftretende Infektionen und biologische Gefahren.

Menschen in Schutzanzügen und mit Masken vor Mund und Nase, Quarantänezimmer mit Schleusen am Ein- und Ausgang, Tausende festsitzende Passagiere auf einem Kreuzfahrtschiff: Die Bilder in den Fernsehnachrichten erinnern zuweilen an Katastrophenfilme. Grund ist das neuartige Coronavirus.

Doch das Klinikum Westmünsterland, wozu das St.-Agnes-Hospital in Bocholt gehört, warnt vor Panik, ruft aber gleichwohl zur Achtsamkeit auf. Aktuell werde dort kein Patient mit einer Infektion durch das Coronavirus behandelt, teilt Pressesprecher Tobias Rodig mit.

„Auch das Robert-Koch-Institut schätzt die Gefahr für Deutschland momentan als gering ein. Dennoch steht das Klinikum natürlich in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt des Kreises Borken. Durch die aktuelle Grippewelle sind alle Mitarbeiter zurzeit sowieso sensibilisiert, um bei begründetem Verdacht auf eine übertragbare Erkrankung geeignete Präventions- und Schutzmaßnahmen einzuleiten“, erklärt Rodig. So soll eine Weiterverbreitung im Krankenhaus verhindert werden.

Bei Erregern von akuten Infektionen der Atemwege, dies gelte zum Beispiel auch im Falle der „echten“ Grippe (Influenza), seien zusätzlich zur Basishygiene weitere Maßnahmen erforderlich, um eine Übertragung durch Tröpfchen zu unterbinden. Dazu zähle unter anderem die Unterbringung in einem Einzelzimmer, gegebenenfalls eine sogenannte Kohortenisolierung – bei Patienten, die durch den gleichen Erreger erkrankt sind und sich daher nicht mehr gegenseitig anstecken können.

Auch das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung beim Betreten des Patientenzimmers sei obligatorisch. Diese bestehe aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und direkt anliegendem mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz. Gegebenenfalls komme eine Schutzbrille hinzu.

„Das Robert-Koch-Institut hat eine Falldefinition und ein Flussschema erstellt, die auch vom Klinikum Westmünsterland genutzt werden und eine Hilfestellung darstellen, bei welchen Patienten eine Laboruntersuchung auf das neuartige Coronavirus durchgeführt werden sollte. Das sind zum einen Personen mit respiratorischen Symptomen, die Kontakt mit einem bestätigten Fall mit dem neuartigen Coronavirus hatten. Und zum anderen sind das Personen mit einem akuten respiratorischen Syndrom, bei denen der Verdacht besteht, dass die unteren Atemwege betroffen sind – zum Beispiel Pneumonie oder akutes Atemnotsyndrom – und die sich zuvor in einem Risikogebiet wie Wuhan in China aufgehalten haben“, berichtet Rodig weiter.

Eine Liste der Risikogebiete erhalte das Klinikum Westmünsterland regelmäßig in aktualisierter Form vom Robert-Koch-Institut. Bei einem Patienten mit bestehendem Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus werde dies dem Gesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz gemeldet.

„Die Meldung erfolgt unverzüglich und muss dem Gesundheitsamt spätestens innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dabei müssen auch Name, Adresse und Kontaktdaten der betroffenen Person gemeldet werden, damit das Gesundheitsamt diese kontaktieren und die notwendigen Maßnahmen einleiten kann“, so der Pressesprecher.

Weitere Informationen

Welche Symptome deuten auf eine Infektion hin?

Gewöhnliche Coronaviren verursachen nach Angaben des Robert-Koch-Insituts (RKI) meistens milde Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen. Bestimmte Coronaviren könnten aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. „Das neue Coronavirus scheint bei einem Teil der Patienten mit einem schwereren Verlauf einherzugehen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten“, so das RKI.

Um die Ausbreitung respiratorisch übertragbarer Krankheiten zu vermeiden, sollten ganz besonders in Regionen mit Erkrankungsfällen gute Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten gehalten werden. Diese Maßnahmen seien in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten, so die Experten.

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Laut RKI dauert es von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit zwei bis 14 Tage. Wer zuvor in einem unter www.rki.de/ncov-risikogebiete aufgeführten Risikogebiet war oder Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Patienten hatte, sollte bei Husten, Atemnot und Fieber seinen Arzt anrufen und die Situation schildern.