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Deutscher Wetterdienst warnt vor „dreifacher Unwetterlage“

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee, Sturm und/oder Glatteis

Freitag, 5. Februar 2021 - 15:24 Uhr

von Christian Vosgröne

Rund 15 Jahre liegt das „Münsterländer Schneechaos“ zurück. Schnee- und Eismassen ließen Bäume und Strommasten einknicken, der Nahverkehr kam zum Erliegen. Damals waren einige Ortschaften in den Kreisen Borken und Steinfurt teilweise tagelang ohne Strom – auch in Barlo (Foto) gab es Energieausfälle. Der Katastrophenalarm wurde ausgelöst. Damals hatte sich binnen weniger Tage eine rund 30 Zentimeter hohe Schneedecke gebildet. Die aktuellen Wetterprognosen erinnern an das Schneechaos im Advent 2005. Die Meteorologen rechnen in den nächsten Tagen mit teils starkem Schneefall und eisiger Kälte.

© Archiv Sven Betz

Wie hier in Barlo sorgte das Schneechaos Ende November 2005 im Münsterland für einen teils tagelangen Blackout.

Wer Sonntagfrüh aus dem Fenster schaut, könnte auf eine imposante Winterlandschaft blicken. Mit Stand vom Freitag rechnet der Deutsche Wetterdienst vor allem ab Samstagnacht in Nordrhein-Westfalen mit einer „dreifachen Unwetterlage durch starken Schneefall, Verwehungen und Glatteis“. Die Rede ist von entweder gefrierendem Regen oder örtlich bis zu 40 Zentimeter Neuschnee – davon allein 15 bis 25 Zentimeter innerhalb von zwölf Stunden. Zudem könnten sich Schnee und Eisregen die Klinke in die Hand geben.

Was genau auf Bocholt, Rhede, Isselburg und Hamminkeln zukommt, ist nach Expertenangaben schwer zu prognostizieren. „Sie sind genau in den Bereichen, wo beides auftreten kann – sowohl der starke Schneefall als auch das Glatteis mit entsprechend extremer Glätte“, erklärt Diplom-Meteorologe Markus Winkler vom Deutschen Wetterdienst in Essen.

Dass sich die Wetterlage wie am 25. November 2005 entwickele, als das Münsterland im Schnee versank, sei gut möglich, sagt Winkler. Die Bedingungen seien ähnlich, was die Temperaturen, erwarteten Schneemengen und die voraussichtliche Windstärke von im Mittel vier anbelange.

Markus Winkler rät, während des möglichen Unwetters zu Hause zu bleiben. „Das sollte man wegen Corona ja ohnehin“, sagt er. Wer arbeiten müsse, sollte – wenn möglich – aufs Homeoffice ausweichen.

Gefahr durch umstürzende Bäume

Schnee und Eis gefährden nach Angaben des Experten nicht nur Auto- und Radfahrer. Auch Spaziergänge sollte man dort, wo der Schnee in Massen falle, „tunlichst unterlassen“. Der Boden sei durch den Regen in den vergangenen Tagen aufgeweicht. „Durch die zusätzliche Schnee- und Eislast können Bäume umkippen“, so der Meteorologe.

Ob Schnee oder extremes Glatteis: Die Winterdienste in der Region stehen in den Startlöchern. Auch die Feuerwehr in Bocholt ist gewappnet. „Die Schneeketten liegen bereit, zwei Rettungswagen werden mit Spikereifen ausgestattet“, sagt Feuerwehrchef Thomas Deckers. Generell sei die Feuerwehr immer einsatzbereit. Wegen des angekündigten Unwetters aber seien die Generatoren im Stromschutzlager bereitgestellt und weitere Gerätschaften für Notfälle vorsichtshalber noch einmal überprüft worden. Auch der Stabsraum stehe bereit.

Angesichts der Lage weist der Kreis Borken darauf hin, dass alle, die am Montag einen Termin im Impfzentrum in Velen haben, auch am Dienstag ab 14 Uhr dorthin kommen können, sollte der Verkehr zum Erliegen kommen.

Doch es gibt trotz Unwetterwarnung eine gute Nachricht: Die Gefahr, dass aus dem Schnee- ein Stromchaos werden könnte, ist offenbar weitaus geringer als vor 15 Jahren. Die Stromversorger ließen den Großteil ihrer alten Masten in den Jahren nach den Ereignissen von 2005 sanieren.

Über aktuelle Unwetterwarnungen, Gefahren und Verhaltenstipps informiert der Deutsche Wetterdienst unter www.wettergefahren.de