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Ein „Sechser im Lotto“

Ohne Frank-Rüdiger Rößners Hilfe wüssten die Archäologen nichts von einer bronzezeitlichen Besiedlung im Raum Isselburg und Bocholt.

Freitag, 1. Februar 2019 - 16:29 Uhr

von Christiane Schulz

Im Frühling vergangenen Jahres hat Frank-Rüdiger Rößner ein 3500 Jahre altes Beil gefunden, jetzt ist ihm solch ein Sensationsfund ein weiteres Mal geglückt.

Foto: Christiane Schulz

Frank-Rüdiger Rößner mit Abbildungen seines neuesten Bronzebeil-Fundes. Das Original befindet sich derzeit zur Untersuchung beim LWL in Münster.

Bocholt/Dinxperlo (cs). „Wollen Sie uns verar.....?“ Diese derb formulierte Frage musste sich Frank-Rüdiger Rößner im vergangenen Oktober von einem Mitarbeiter des LWL gefallen lassen. Sie war Ausdruck schieren Unglaubens. Denn bei Grabungen des Landschaftsverbandes in Bocholt-Mussum hat der 72-jährige Sondengänger eine echte Sensation entdeckt: Ein Beil aus der Bronzezeit. Das wäre an sich schon außergewöhnlich genug, doch im Falle von Rößner ist es bereits das zweite Mal, dass er ein solch altes Fundstück entdeckt. Und so war der LWL-Mitarbeiter überzeugt, Rößner habe ihn mit dem im Frühjahr 2018 gefundenen Beil necken wollen. „Der Fund eines Bronzebeils bleibt für die meisten Sondengänger ein unerfüllter Wunsch. Wenn er denn eintritt, ist er ein ganz besonderes Highlight und seltener Lohn für unzählige Begehungsstunden auf Äckern und Baustellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der gleiche Sucher im gleichen Jahr noch ein zweites Beil findet, tendiert gegen ,Null‘ und kommt einem Hauptgewinn im Lotto nahe“, so LWL-Archäologe Dr. Jürgen Gaffrey.

Es ist Montag, 15. Oktober 2019, mittags um 13.15 Uhr. Der passionierte Sondengänger Frank-Rüdiger Rößner schreitet ehrenamtlich und im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine Grabungsstelle im Bocholter Stadtteil Mussum ab. Gerade ist er auf einer bereits wieder zugeschobene Furche unterwegs, als sein Metalldetektor anschlägt. „Die waren schon wieder dabei den Graben zu schließen, da piepte meine Sonde plötzlich. Ich dachte, das gibt es doch nicht“, so Frank-Rüdiger Rößner. Sekunden später hält er ein stark korrodiertes Metallstück in Händen. „Ich wusste sofort, dass es sich dabei wieder um ein Bronzebeil handelt“, so der erfahrene Hobbyarchäologe.

Nach seinem Sensationsfund im Mai 2018, (mein StadtKurier berichtete) als der gebürtige Bocholter in Anholt das erste auf 1500 Jahre vor Christus datierte Bronzebeil gefunden hat, war ihm der Anblick nicht fremd. Der 72-Jährige rief umgehend beim LWL in Münster an und die Archäologen dort, schickten ihm einen Mitarbeiter. Der sorgte nach anfänglichem Unglauben dafür, dass das Fundstück nach Münster gebracht und dort untersucht wurde. Rößners Vermutung bestätigte sich. „Bei dem Metallstück handelt es sich um ein parallelseitiges Randleistenbeil vom Typ Oldendorf. Es ist der frühen Mittelbronzezeit um 1500 vor Christus zuzuordnen“, so LWL-Archäologe Dr. Jürgen Gaffrey.

Wie das im Mai in Anholt gefundene Beil soll es sich, den Fachleuten zufolge, wahrscheinlich um eine Grabbeigabe handeln. „Vor den Funden von Isselburg und Bocholt gab es im größeren Umkreis keine Belege für eine Besiedlung in der Mittelbronzezeit“, so Jürgen Gaffrey zur Bedeutung der beiden Funde.

Der wissenschaftliche Referent und seine Kollegen waren im Oktober und November in der Nähe von drei Gehöfen in Mussum aktiv, da es Belege für eine Besiedlung im zwölften Jahrhundert gibt. Neben Musketkugeln, Knöpfen, einem alten Münzgewicht und einer gut erhaltenen Schale – mutmaßlich aus der Steinzeit – ist das Bronzebeil der spektakulärste Fund. Man darf gespannt sein, was bei den weiteren Grabungen auf dem rund 40 Hektar großen Areal noch zutage gefördert wird.

Sollte Frank-Rüdiger Rößner sein Fundstück zurückbekommen, würde er es gern der Öffentlichkeit präsentieren und in Bocholt ausstellen.

Wer etwas verloren hat und bei der Suche Hilfe benötigt, der kann sich an Frank-Rüdiger Rößner wenden. Erreichbar ist er unter 0049/157-84032113 oder 0031/315-653770.

Foto: Frank-Rüdiger Rößner

Die Sensation aus der Bronzezeit ist zehn Zentimeter lang und wiegt 192 Gramm. Derzeit liegt das Beil noch beim LWL in Münster.