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lokal & aktuell

Eine Kämpferin

Unterstützung aus der Musik- und Sportwelt für schwer erkrankte Bocholterin: Benefizspiel und -konzert geplant

Freitag, 23. August 2019 - 14:43 Uhr

von Christian Vosgröne

Trotz ihres Schicksals hat die 24-jährige Lisa Böhle ihr Lächeln nicht verloren. Vermutlich eine Blutvergiftung riss die Bocholterin vor rund sechs Wochen abrupt aus dem Alltag. Die Folgen: Koma, schwere Operationen und Amputationen. Seither ist für sie, Freunde und Familie nichts mehr, wie es war. Doch Lisa kämpft und die Welle der Hilfsbereitschaft schwappt inzwischen bis nach München.

© Christian Vosgröne

Konzert-Organisator Manfred Britzius (4. v. li.) mit Thomas Söntgen aus Lisa Böhles Clique (5. v. li.) und die Bandmitglieder von Nevermind (von links) Thomas Schröer, Bernd Angenendt, Simone Sanna, Uwe Schmeink und Stefan Lorei.

Lisa Böhle liegt in einer Dortmunder Spezialklinik. Die Ärzte konnten ihre Füße nicht mehr retten, ihre rechte Hand kann sie nicht bewegen und das linke Ohr ist taub. Doch die 24-Jährige lässt sich den Mut nicht nehmen und hat einen Freundeskreis hinter sich, der seinesgleichen sucht. „Sie ist bei klarem Verstand und sehr euphorisch, ein sehr tapferes Mädchen“, beschreibt Thomas Söntgen aus ihrer rund 20-köpfigen Clique den momentanen Zustand der Bocholterin.

Welle der Hilfsbereitschaft

Freunde und Familie hatten nach den dramatischen Ereignissen, die Mitte Juli ihren Lauf nahmen, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihrem „Cliquen-Küken“ zu helfen. Unter www.helft-lisa.de wird die Geschichte der Abiturientin erzählt, die am 1. August eine Ausbildung beginnen wollte, jedoch plötzlich schwer erkrankte (siehe Infokasten). Viele Menschen hat das Schicksal der Bocholterin bewegt, 1800 Spenden sind laut Söntgen bislang eingegangen. Geld, das unter anderem für spezielle Therapien, Prothesen und die Einrichtung einer behindertengerechten Wohnung dringend benötigt werde. „Lisa lebte bisher sparsam in einer WG, dorthin kann sie aber nicht zurück“, erzählt Söntgen.

Rund 200 bis 300 E-Mails und Anrufe von Menschen, die helfen wollen, zählen die engagierten Freunde an manchen Tagen. Vereine wie „Bayern München hilft“, „Projekt 30“ oder der VFL Rhede sowie weitere Organisationen und etliche Bürger unterstützen Lisa, die noch einen langen Weg vor sich hat, mit ihren Sach- und Geldspenden. „Wir gehen von einer Rehabilitationszeit von mindestens zwei Jahren aus“, so Thomas Söntgen, der aktuell für die Planung von Wohltätigkeitsturnieren seine Kontakte im Profifußballbereich spielen lässt.

Wohltätigkeitsspiel am Samstag, 14. September, in Lowick

Das erste Spieltermin steht bereits fest: Am 14. September trifft die Traditionsmannschaft des VfL Bochum auf der Platzanlage der DJK 97/30 Sportfreunde Lowick an der Eichenallee 31 auf das Team „Lisa Allstars“. Anstoß ist um 17 Uhr. Für die Bochumer laufen laut Söntgen einige Ex-Profis wie Dariusz Wosz oder Peter Peschel auf, das eigene Team würde ebenfalls namhafte ehemalige Spieler versammeln, darunter den heutigen Sky-Moderator Lutz Pfannenstiel und Paul Dickerboom als lokale Größe. „Die Barloer Firma ‚Das Fleisch‘ spendet jede Menge Burger und einige Bundesligavereine stellen uns signierte Fanartikel zur Verfügung, die wir versteigern werden“, so Söntgen weiter.

Benefizkonzert am Samstag, 28. September, im Pitt

Auch aus dem Musikbereich kommt Unterstützung. So plant etwa Konzertorganisator Manfred Britzius aus Suderwick mit der Bocholter Rock-Pop-Coverband Nevermind einen Benefizabend im „Pitt“ an der Dinxperloer Straße 410. Es findet am Samstag, 28. September, bei freiem Eintritt statt. Um Spenden wird gebeten. Los geht es um 20.30 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr). „Wir haben sonntags beim Proben von Lisas Schicksal erfahren und einstimmig beschlossen, dass wir etwas machen wollen“, erzählt Sängerin Simone Sanna, die sich auch für den Verein Herzenswunsch Niederrhein engagiert, der derzeit für Lisa Böhle Spenden sammelt. Nicht nur bei Manfred Britzius und Saal-Pächterin Swetlana Cokcanol stießen die Musiker, die sich auf mitsingbare Welthits aus den vergangenen fünf Jahrzehnten – von Pink Floyd über Pink bis hin zu Tina Turner – spezialisiert haben, auf offene Ohren. Sanna: „Wir haben schnell Verbindungen festgestellt. Meine Arbeitskollegin ging zum Beispiel mit Lisa in eine Klasse. Als meine Chefin unsere Planungen mitbekam, hat sie mir sofort 500 Euro in die Hand gedrückt.“ Zudem freuen sich die Organisatoren über das Engagement der Belegschaft des Rheder Autohaus-Ausstatters „mann Objecta“ – die Mitarbeiter übernehmen das Kellnern.

Das war passiert

Freitag, 12. Juli: Die Clique rund um Lisa Böhle reist zum „Schlagermove“ nach Hamburg, am Abend amüsieren sich alle bei einer Zeltparty, Lisa fühlt sich seit dem Morgen bereits schlapp.

Samstag, 13. Juli: Lisa bekommt in der Nacht Schüttelfrost und Fieber, ein am Morgen alarmierter Notarzt geht von einem grippalen Infekt aus und verordnet ihr Paracetamol. Am späten Nachmittag klagt die gerade erst 24 Jahre alt gewordene Bocholterin über Schmerzen und wird mit dem Rettungswagen vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Sonntag, 14. Juli: Eigentlich soll es an diesem Tag mit Lisa nach Hause gehen, doch um zwei Uhr nachts klingelt bei ihren Freunden das Handy: Multiples Organversagen, Lebensgefahr, künstliches Koma …

Folgezeit: Lisas Milz wird entfernt, sie benötigt Medikamente, die zur Kreislaufstabilisierung die Arterien verengen. Beine und Arme werden nicht mehr richtig durchblutet. Nach sechs Tagen erwacht Lisa aus dem Koma. In den nächsten Tagen und Wochen werden beide Füße amputiert, die rechte Hand reagiert momentan nicht, das linke Ohr ist taub.

© privat

Vor Lisa Böhle liegt noch ein langer Rehabilitationsweg.

© privat

Die 24-Jährige ist von der immensen Anteilnahme überwältigt.