Familien erhalten Care-Pakete

Wie eine 25-Euro-Spende Kindern in Uganda Schwerstarbeit auf Baustellen und Feldern erspart.

Familien erhalten Care-Pakete

Wollen sich vor Ort ein Bild von der Lage machen: (von links) Dr. Sylvia Löhr, André Bösing und Mareen Bußkamp. Mit dabei sind auch Defne Bömken und Jochen Querbach.

In den ugandischen Dörfern rund um die Ewaldi-Community-School hat die Corona-Pandemie das Leben auf den Kopf gestellt: Lockdowns und finanzielle Nöte in den Familien warfen das Projekt der St.-Josef-Gemeinde offenbar weit zurück. Fünf ehrenamtliche Hilfskräfte aus Bocholt wollen sich in den Herbstferien vor Ort ein Bild von der Lage machen – und den Betroffenen unter die Arme greifen. Dafür sammeln sie aktuell Spenden.

In Uganda sei schnelle Hilfe gefragt, sagt Projektleiter André Bösing. Und die soll es wie 2020 in Form von Care-Paketen geben. Dazu kaufe die Bocholter Gruppe am Zielort Waren des täglichen Bedarfs ein – etwa Reis und Zucker, Seifen und Masken. „Durch eine Spende von 25 Euro – so viel kostet ein Paket – kann eine Familie für einen bis zwei Monate die Grundbedürfnisse decken“, sagt Mareen Busskamp vom Eine-Welt-Kreis der St.-Josef-Gemeinde.

Mit ihr und André Bösing an Bord des Flugzeugs gehen Defne Bömken und Jochen Querbach vom Eine-Welt-Kreis sowie erstmals Dr. Sylvia Löhr vom Lions Club Rheinland. Sie will Familien den Anbau von Kaffee schmackhaft machen. Mit dem Verkauf könnten sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihren Kindern langfristig den Besuch der Schule ermöglichen, erklärt Löhr.

Rückblick: Im Rahmen des Bocholter Projekts „Ewaldi Children Education Fund“ entstand vor 13 Jahren eine Grundschule im Distrikt Nakaseke. Inzwischen beheimatet das Lernzentrum zudem einen Kindergarten und einen berufsbildenden Zweig, in dem die Schüler Näh-, EDV- und Hauswirtschaftskenntnisse vermittelt bekommen. Dank der Spenden und der freiwilligen Hilfe aus Bocholt wuchs die Einrichtung mit jedem Jahr.

Doch seit Beginn der Corona-Pandemie stehe der Betrieb fast durchgängig so gut wie still, sagt André Bösing. „Die Nachrichten, die uns im Laufe des vergangenen Jahres erreicht haben, sind besorgniserregend.“ Im März dieses Jahres sollten mehr als 600 Kinder in die Ewaldi-Community-School zurückkehren. Ein mühseliges Unterfangen für das gesamte Team: Während des ersten Lockdowns seien viele Kinder zur Arbeit verpflichtet worden. Die Acht- bis 14-Jährigen hätten auf Baustellen geschuftet oder Felder beackert. Etliche Mädchen seien aus finanzieller Sorge verheiratet worden und nun schwanger. Ein neuerlicher Corona-Ausbruch habe zudem die begonnene Wiederaufnahme des Schulbetriebs zunichtegemacht.

Bösing tauscht sich regelmäßig mit Projektbegleiter Steven Sango aus, der die Geschicke der Schule vor Ort leitet. Er berichtete dem Bocholter von der schwierigen Lage, die sich noch einmal verschärft habe. Es fehle an Lebensmitteln, Medizinprodukten und vor allem Impfungen. Laut WHO sind in Uganda erst 0,9 Prozent der Einwohner vollständig geimpft.

Ihren Auslandseinsatz dokumentieren die freiwilligen Hilfskräfte aus Bocholt auch auf der Facebook-Seite „Ewaldi Children Education Fund“ und dem Instagram-Profil „uganda_ewaldi“. So wollen sie die Unterstützer über den Stand der Dinge informieren.