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Flugschnee und Dachlawinen

Immobilieneigentümer sollten Dächer innen und außen prüfen

Freitag, 12. Februar 2021 - 11:20 Uhr

von Christiane Schulz

Die Schattenseiten der weißen Pracht beschäftigen nicht nur die Autofahrer. Viele Hausbesitzer finden derzeit Pulverschnee auf dem Dachboden oder fürchten, dass Dachlawinen oder Eiszapfen zur Gefahr werden könnten.

© Christiane Schulz

Wenn Schnee oder Eis bei Tauwetter vom Dach herabfallen, kann es für Passanten gefährlich werden.

Schlittenfahrt auf dem Dachboden gefällig? Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist für einige Hausbesitzer im Kreis Borken derzeit bittere Realität. „Wir verzeichnen bei den Innungsbetrieben aktuell mehr als 100 Anrufe von Kunden wegen Flugschnee auf dem Dachboden“, berichtet Dirk Onnebrink, Pressesprecher der Dachdeckerinnung Borken-Bocholt. Durch den heftigen Schneefall und starke Windböen hat sich der feine Pulverschnee – vor allem bei älteren Gebäuden – durch die Dachritzen gedrückt und ist auf den Boden niedergerieselt. Das sei kein technischer Fehler am Dach, beruhigt Onnebrink. „Bei Gebäuden, deren Dächer älter als 30 Jahre sind, ist am First oft keine Folie verlegt. Dort ist durch den Wind dann der Schnee eingedrungen“, so Onnebrink. Das sei bei neueren Dächern anders. Dort leite eine diffusionsoffene Unterspannbahn das Wasser vom First bis zur Traufe ab, fügt er hinzu.

Der Borkener Dachdeckermeister rät Besitzern älterer Häuser, einmal auf dem Dachboden nach dem Rechten zu schauen und den Schnee im Fall der Fälle schnell wegzuschippen. „Sonst hat man bei Tauwetter die Feuchtigkeit im Gebäude“, mahnt Onnebrink.

Ein anderes Problem rollt ebenfalls witterungsbedingt auf viele Hausbesitzer zu: Dachlawinen. Auf manchen Dächern hat sich eine dicke Schneeschicht gebildet, die bei Sonnenschein und Tauwetter herabzustürzen droht. Dort wird sie zur Gefahr für Passanten und kann Schäden an geparkten Autos verursachen.

Während die Stadtverwaltungen Bocholt und Rhede ihre Bürger in dieser Woche dazu aufgerufen haben, die Dächer zu prüfen und Schneekappen und Eiszapfen rechtzeitig zu entfernen, beobachtet Bernhard Seggewies, Obermeister der Dachdecker-Innung Borken-Bocholt noch Zurückhaltung bei diesem Thema: „Die Leute machen sich recht wenig Gedanken dazu. Das kommt wohl erst, wenn etwas passiert.“Vor allem bei Gebäuden, die direkt an den Bürgersteig grenzen, sei die Gefahr groß. „Wenn da Eiszapfen abbrechen, kann es böse enden“, so Onnebrink.

Wer haftet?

Doch wer ist für etwaige Schäden verantwortlich und damit haftbar? Dazu Manfred Rickert, Pressesprecher Bezirksverband Nordwestfalen des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute: „Man wendet sich an den Eigentümer des Hauses, von dem die Dachlawine heruntergedonnert ist. Wenn dieser Eigentümer eine Haftpflichtversicherung hat, meldet er den Schaden dort. Bei einem selbst genutzten Einfamilienhaus ist das die private Haftpflichtversicherung. Bei einem vermieteten Ein- oder einem Mehrfamilienhaus hat der Eigentümer hoffentlich eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht-Versicherung abgeschlossen.“ Diese prüfe dann, ob eine gesetzliche Haftung des Hauseigentümers am eingetretenen Schaden vorliegt. Nur dann zahle sie, so Rickert. „Sieht die Versicherung kein Verschulden des Hauseigentümers, lehnt sie die Ansprüche ab, dann geht der Geschädigte leer aus“, erläutert der Versicherungsexperte.

Wenn die Haftpflichtversicherung nicht zahlt, muss der Geschädigte nicht zwingend leer ausgehen. „Wird man schwer verletzt und hat eine private Unfallversicherung, so kann man diese in Anspruch nehmen. Autobesitzer können bei einem Dachschaden ihre Vollkaskoversicherung bemühen, bei Schäden an der Windschutzscheibe oder Heckscheibe genügt auch schon eine Teilkaskoversicherung“, erläutert Rickert.

Wer unsicher ist, ob von seinem Dach eine Gefahr ausgeht, sollte einen Dachdeckerfachbetrieb kontaktieren. „Die Kollegen entscheiden dann vor Ort, was zu tun ist“, sagt Onnebrink. Und was, wenn der Dachdecker so schnell keine Zeit hat? „Im Zweifelsfall Flatterband besorgen, den Gefahrenbereich absperren und ein Schild mit dem Hinweis ,Gefahr von Dachlawinen‘ aufhängen“, rät Onnebrink.