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lokal & aktuell

Gefangen in der Filterblase

Viren als Biowaffe, Zwangsimpfung, Chip-Implantante & Co.

Donnerstag, 16. Juli 2020 - 11:07 Uhr

von Christian Vosgröne

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Soziale Netzwerke im Internet bilden den idealen Nährboden für die Verbreitung abstruser Thesen. Eine Welle, die auch durch Bocholt schwappt …

© Pixabay

Wie ein hoch ansteckendes Virus verbreiten sich fragwürdige Informationen in den sozialen Medien wie Facebook, Telegram, WhatsApp oder YouTube rasend schnell. Auch in Bocholter Diskussionsgruppen tauchen seit Beginn der Pandemie vermehrt Verschwörungstheorien auf. Ein Phänomen, das nicht neu ist, aber in Krisenzeiten immer wieder Auftrieb und durch das Internet Zugang zum öffentlichen Diskurs erhält.

Als Berater bei dem vom Landesfamilienministerium geförderten Verein Sekten-Info Nordrhein-Westfalen spricht Christoph Grotepass inzwischen nahezu täglich mit Angehörigen und Freunden von Menschen, die in den Sog der Verschwörungstheorien geraten sind. Mitunter gehe es dabei um Endzeitszenarien, alternative Heilverfahren, Weltverschwörungen, Leugnungen bis hin zu Behauptungen aus fundamentalistisch-christlichen, esoterischen oder reichsbürgerischen Kreisen.

Verschiedenen Studien zufolge sind unsichere Menschen besonders empfänglich für Verschwörungstheorien. Sie richten ihre Ängste und Wut gegen ein gemeinsames Feindbild. Dabei macht die Kritik am System für sie das Unfassbare fassbar.

„Oftmals spielen da noch viele andere Aspekte mit rein: Krankheit, Verlust, Abstiegsängste oder tatsächliche Sorgen, beispielsweise rund um Impfungen. Sobald man sich über eines dieser Themen im Netz informiert, gerät man sehr schnell an Fake News oder alternative Darstellungen, die einen verunsichern können“, warnt Grotepass.

Betroffene verirren sich oftmals in einer Filterblase, weil sie nur jene Informationen konsumieren, die ihre Thesen untermauern – seien sie noch so abstrus. Es ist zum Beispiel gängige Praxis, dass Wissenschaftler ihre Erkenntnisse regelmäßig aktualisieren. Gepaart mit sich ändernden Maßnahmen der Politik, wenn es etwa um das Tragen der Maske geht, werden diese jedoch als Beleg für Verschwörungstheorien angeführt. Manch eine vermeintliche „Grundrechte-Debatte“ verlagert sich derweil auf die Straßen, einige Experten sehen darin die Gefahr einer Radikalisierung.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel vor sieben Jahren sagte, das Internet sei „für uns alle Neuland“ (und dafür Spott und Häme kassierte), habe sie gar nicht so unrecht gehabt, erklärt Grotepass. „Teile der Gesellschaft sind mit den neuen Medien noch immer nicht genügend vertraut, um sich gut und sachgerecht zu informieren.“ Daher sollten Schulen nach Ansicht des Beraters das Thema Medienkompetenz noch stärker in den Fokus rücken. Auf dem Lehrplan sollte demnach der Umgang mit Hassbotschaften, Stimmungsmache sowie privaten Daten und Quellenrecherche stehen. „In einigen Ländern gibt es bereits gute Ansätze“, so Grotepass,

Auch der Umgang mit Verschwörungstheorien innerhalb der Familie oder des Freundeskreises wolle gelernt sein: „Es hängt natürlich davon ab, ob ich die Person noch erreichen kann“, sagt der Experte. Man könne etwa mit dem Betroffenen gemeinsam recherchieren und ihm helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Lehne er es ab, sei es wichtig, ihn nicht mit Sachinformationen oder Argumenten zu überschütten. Dies könne dazu führen, dass der Freund oder Angehörige den Kontakt komplett abbricht. Hier sei Behutsamkeit das Mittel der Wahl.

Anders sehe es in den sozialen Medien aus. „Mit den Kommentaren erreicht man vielleicht nicht den Verfasser selbst, aber dafür die Mitlesenden“, so Grotepass.

Eine Checkliste und weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.sekten-info-nrw.de.