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Herz-Jesu-Kirche: Nach 60 Jahren ist Schluss

Historisches Fotos des Monats

Dienstag, 3. September 2019 - 10:52 Uhr

von Stefanie Himmelberg

© Stadtarchiv Bocholt

Eine historische Aufnahme der Herz-Jesu-Kirche.

Am Sonntag, 22. September, ist Schluss: Dann wird in der Bocholter Herz-Jesu-Kirche die letzte heilige Messe gefeiert. Im Anschluss wird das Gotteshaus profaniert, das heißt, es wird entweiht.

Die Pfarrei Liebfrauen hatte im vergangenen Herbst beschlossen, das 60 Jahre alte Kirchengebäude aufzugeben und zu verkaufen. Es soll in nächster Zeit zu einem Hospiz umgebaut werden. Das Stadtarchiv Bocholt erinnert aus diesem Anlass noch einmal an die Geschichte dieser Kirche.

Nachdem in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Bocholter Nordosten die neue Wohnsiedlung in der Giethorst entstanden war, stellte sich die Frage nach der Errichtung einer eigenen Kirche mit Pfarrhaus, Schule und Kindergarten, um die mittlerweile rund 10000 Seelen zählende Liebfrauenpfarre zu entlasten, schreibt Stadtarchivar Wolfgang Tembrink. So begann man im April 1959 mit den Bauarbeiten der Kirche, die Grundsteinlegung erfolgte am 31. Mai 1959. Nach 18-monatiger Bauzeit war das nach den Plänen von Prof. Heinrich Bartmann von der Technischen Hochschule Darmstadt konzipierte Gotteshaus fertiggestellt, so dass es schließlich am 30. Oktober 1960 von Weihbischof Heinrich Baaken eingesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

Den rund 24 Meter hohen Turm selbst bezeichnete Stadtbaurat Josef Halbfas seinerzeit als „mächtigen Wächter“, der die gesamte Neubausiedlung beherrschte. Nach seiner Ansicht war ein Kirchenbau geschaffen worden, der nicht nur räumlich-architektonisch als geistlich-kultureller Mittelpunkt in Erscheinung trat, sondern sich auch aus der Alltäglichkeit profaner Umgebung heraushob. Die Kosten beliefen sich auf rund 600000 D-Mark, wobei die Hälfte der Summe vom Bistum Münster getragen und die übrigen Gelder durch Spenden aufgebracht wurden.

In der ersten Jahreshälfte 1965 wurde zur Verschönerung und Vergrößerung der Kirche eine Apsis mit farbigen Fenstern angebaut. Im Zuge einer weiteren Umbaumaßnahme setzte man 1993 eine Dachlaterne über der Altarinsel ein, die mehr Licht in den Innenraum brachte. Gleichzeitig wurde die Apsis durch eine – vielfach umstrittene – weiße Wand vom übrigen Kirchenraum getrennt, die man 2001 jedoch wieder beseitigte, so Tembrink.

Im Laufe der Zeit machten Witterungseinflüsse der Bausubstanz zu schaffen. Schon am zweiten Adventssonntag 1960 hielt die mit rund 1200 Fensternischen ausgestattete Südwand dem Dauerregen nicht stand, und das Wasser trat in den Kirchenraum ein. Ähnliches geschah nach dem Einbau der Dachlaterne.

Während ihres 60-jährigen Bestehens wirkten an der Herz-Jesu-Kirche sieben Pfarrer und Pfarrverwalter sowie sechs Kapläne. Am 30. März 2008, in einer Zeit der Veränderung kirchlicher Strukturen, fusionierte die Gemeinde mit der Pfarrei Liebfrauen. Durch die Profanierung wird die Herz-Jesu-Kirche endgültig Geschichte.