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Hier finden Betroffene Hilfe

Blick hinter Fassaden offenbart zunehmende häusliche Gewalt

Freitag, 14. Mai 2021 - 15:41 Uhr

von Christian Vosgröne

Blick hinter Fassaden offenbart zunehmende häusliche Gewalt

© Bruno Wansing/Stadt Bocholt

Bürgermeister Thomas Kerkhoff, Gleichstellungsbeauftragte Astrid Schupp, stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Koppers und Apotheker Matthias Funke (von links) zeigen das Plakat zur Kampagne gegen häusliche Gewalt.

Männer, die ihre Frauen schlagen – oder umgekehrt, Kinder, die von engsten Vertrauten misshandelt werden: Gewalt spielt sich auch hinter einigen Häuserfassaden in Bocholt ab. Mit Plakaten und über die sozialen Medien will die Stadtverwaltung jetzt darauf aufmerksam machen. Die Bilder zeigen Opfer von Gewalt und verweisen auf Hilfsangebote für Betroffene.

160 Mal fertigte die Polizei in Bocholt Anzeigen wegen häuslicher Gewalt an – allein im vergangenen Jahr. Experten gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. So schätzen sie, dass 90 Prozent der Fälle unentdeckt blieben. „Oft verschweigen die Opfer die Vorfälle – aus Angst, Scham oder weil Kinder im Spiel sind“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Bocholt.

Die neuerliche Kampagne steht unter dem Motto „Opfer häuslicher Gewalt haben ein Gesicht, auch in unserer Stadt!“. Initiatoren sind Bürgermeister Thomas Kerkhoff, der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Gleichstellung und Soziales und die städtische Gleichstellungsbeauftragte Astrid Schupp.

„Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen verlangen den Menschen viel ab. Gefühle wie Stress und Unausgeglichenheit machen sich breit. Auch in Bocholt haben die Fälle häuslicher Gewalt in diesem Zeitraum zugenommen“, so Bürgermeister Kerkhoff. Die Plakate hängen etwa in Geschäften, Schulen, Kitas, Arztpraxen oder bei Sportvereinen. Bürger können sie zudem bestellen – per Mail an gleichstellung@mail.bocholt.de.

Folgende Anlaufstellen bieten Betroffenen Hilfe: Das Frauenhaus des Caritasverbandes bietet Frauen mit und ohne Kindern Zuflucht, 02871-40194. Die SKM-Männerberatung des katholischen Vereins für soziale Dienste richtet sich an Männer, die unterstützt werden wollen oder sich in einer Krise befinden (02871-8891). Der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) kümmert sich um sozial gefährdete Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer und deren Familien, 02871-251820. Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ informiert und berät rund um die Uhr unter 0800-0 116016 sowie online. Die Nummer gegen Kummer steht Kindern, Jugendlichen und Eltern bei kleinen und großen Problemen zur Verfügung, Minderjährige wählen 116 111, Eltern 0800-111 0550.