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„Kerstin Ott ist angekommen“

Der „mein StadtKurier“-CD-Tipp von Jörg Honsel

Donnerstag, 23. September 2021 - 14:40 Uhr

von Christian Vosgröne

Der „mein StadtKurier“-CD-Tipp von Jörg Honsel

© Privat

Jörg Honsel hat die Sängerin bereits häufiger getroffen.

Liebe Musikfreunde! Kerstin Ott hat sich seit ihrem ersten großen Megaerfolg „Die immer lacht“ im Jahr 2016 etabliert und zählt mittlerweile zu den wirklich großen Stars in der deutschen Musikszene. Hatte man am Anfang gedacht (ich übrigens auch), dass es sich wieder mal um ein „One Hit Wonder“ handeln wird, bewies sie mit weiteren Single-Hits und den Duett-Partnern Howard Carpendale, Jürgen Drews und Helene Fischer genau das Gegenteil. Dabei entwickelte sie einen eigenen „Kerstin Ott Sound“. Manche werden sagen, dass dieser langweilig und eintönig klingt. Ich finde, dass dies genau richtig ist. Da, wo ihr Name drauf steht, hört man auch sofort, dass sie es ist.

Und dann erst die Texte. Ich persönlich finde manchmal, dass die Geschichten, die früher in deutschen Songs erzählt wurden, in der heutigen Zeit oft abhandengekommen sind. Bei Kerstin Ott ist es anders: ALLE ihre Lieder erzählen eine eigene Geschichte, und so macht es doppelt Spaß, sich die Stücke anzuhören und sozusagen in ihre Musik einzutauchen. Daher war ich megagespannt auf ihr neues Album „Nachts sind alle Katzen grau“.

Der Titelsong als erste Singleauskopplung hat mich sofort gepackt. Wie bereits geschrieben: mit ihrem eigenen Sound und dazu der eindrückliche Text. Es geht darum, dass nachts alle Menschen mit ihren eigenen Geschichten und Problemen beim Feiern im Club gleich sind. Jeder will nur feiern, egal woher man kommt, wen man liebt oder woran man glaubt.

Zu Anfang ihrer Karriere wirkte Kerstin Ott sehr zurückhaltend, schüchtern, ja man konnte sogar den Eindruck gewinnen, ihr sei der ganze Rummel um ihre Person sehr unangenehm und sie fühle sich nicht wohl. So erlebte ich sie auch als ich sie 1996 beim Branchentreff der „dj Hitparade“ kurz persönlich kennenlernen durfte. Das hat sich mittlerweile geändert.

Wenn man Kerstin Ott in den sozialen Medien verfolgt, so merkt man, sie scheint angekommen zu sein. Sie berichtet von ihrem Privatleben, aber vor allen Dingen über ihre Musik. Aber all das in einer sehr bodenständigen, natürlichen und sympathischen Art und Weise.

Und so erzählt sie auch, was die Texte des neuen Albums bedeuten und wie sie entstanden sind. Bei „Manche Menschen“ berichtet sie, wie wichtig die Menschen sind, die uns verstehen. Menschen, die immer für einen da sind, ohne dafür eine Bühne zu brauchen. Menschen, die in der dunkelsten Stunde an unserer Seite stehen und trotzdem gerne bei uns sind. Echte Freunde! Es ist schön, sich genau dafür zu bedanken. Manchmal mit einer Umarmung und manchmal mit einem Lied. Jeder von uns kennt wohl solche Menschen!

Ott erzählt, dass sie seit ein paar Jahren eine Brieffreundschaft mit Romy pflegt. Sie ist das erste Mal in ihrem Leben in einer festen Partnerschaft, sehr verliebt und voller Freude. Sie schrieb ihr, dass ihre Liebe sie so glücklich macht, aber leider von vielen belächelt und nicht ernst genommen wird und fragte, ob Kerstin Ott darüber nicht mal ein Lied schreiben könne. Sie hat das Down Syndrom, doch wer sagt – das diese Liebe nicht echt ist?

Der Titel „Was weißt Du von meiner Liebe“ ist für Romy! Ich könnte zu jedem Song etwas schreiben – aber dazu reicht der Platz hier nicht aus. Es ist einfach ein Deutsch-Pop-Album vom Allerfeinsten. Kerstin Otts Songs sind tiefgründig, regen zum Nachdenken an und viele Menschen erkennen sich in ihnen wieder.

Schönes Reinhören

wünscht Ihnen wie immer

Ihr Jörg Honsel