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Kreis Borken eine Modellregion wie Tübingen?

Das vor wenigen Wochen eingeführte „Click and meet“ in den Geschäften soll aufgrund der hohen Inzidenzwerte ab Montag, 29. März, wieder zu „Click and collect“ werden, also bestellen und abholen am Geschäft. Aber vielleicht auch nicht . . .

Freitag, 26. März 2021 - 16:50 Uhr

von Christiane Schulz

Das vor wenigen Wochen eingeführte „Click and meet“ in den Geschäften soll aufgrund der hohen Inzidenzwerte ab Montag, 29. März, wieder zu „Click and collect“ werden, also bestellen und abholen am Geschäft. Aber vielleicht auch nicht . . .

© Christiane Schulz

Bettina Pieper, Inhaberin der Boutique „Frauenzimmer“, hat Verständnis für den Gesundheitsschutz, „aber das ist zu viel Hin und Her.“ Sicherheitshalber hat sie die Ware in ihrem Schaufenster schon mit Nummern versehen, damit die Kunden diese wenigstens bestellen können.

Die Kreisverwaltung überlegt, den Kreis Borken und somit auch Bocholt nach dem Vorbild von Tübingen zur Modellregion für Öffnungen mit aktuellem Corona-Test zu machen. Bocholts Verwaltung und Stadtmarketing sind im ständigen Kontakt mit dem Kreis. Zur Umsetzung von Ausnahmeregelungen ab 29. März nach der neuen Coronaschutzverordnung bedarf es aber einer Allgemeinverfügung des Kreises und gleichzeitig ausreichend Testmöglichkeiten vor Ort. „Eine Allgemeinverfügung erwarten wir über das Wochenende, dann kann auch geregelt werden, ob in den jeweiligen kreisangehörigen Städten Click and meet ab Montag weiterhin möglich ist oder ob auf Click and collect zurückgefahren werden muss“, so Ludger Dieckhues am Freitagnachmittag im Gespräch mit dem StadtKurier.

Ab kommenden Montag, 29. März, greift in Nordrhein-Westfalen die „Notbremse“. Handel, Museen und Sportanlagen müssen ihre Türen wieder schließen. Die NRW-Landesregierung kassiert die Öffnungsschritte, die seit dem 8. März umgesetzt wurden.

Grund hierfür ist der Wocheninzidenzwert, der seit Tagen in NRW über 100 liegt und die Umsetzung der von Bund und Ländern vereinbarten Notbremse erforderlich macht. Im Kreis Borken betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 142,2 (Stand Freitag).

Für den Handel ist es ein schwerer Schlag ins Kontor. Kaum haben sich die Kunden daran gewöhnt, vor dem Einkauf einen Termin im Wunschgeschäft zu vereinbaren, um dann eine Möglichkeit zum Stöbern auf Abstand zu haben, wird das sogenannte Click and meet wieder beendet. Click and collect – Ware bestellen und kontaktlos abholen – lautet die Devise ab kommenden Montag erneut. Das allerdings nur, wenn der Kreis Borken nicht zur Modellregion mit Testkonzept wie Tübingen wird.

„Handel löffelt

die Suppe aus“

Vor Bekanntwerden dieser aktuellen Entwicklung sprachen wir mit Vertretern des Handels über das denkbar schlechteste Szenario, eine erneute Schließung: „Bei uns stößt die Maßnahme auf Unverständnis, zumal wir hervorragende Hygienekonzepte haben“, betont Mechtild Hoffs, Vorsitzende der Bocholter Werbegemeinschaft. Karin Eksen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes NRW Westfalen-Münster findet drastischere Worte: „Es ist nicht nachzuvollziehen, warum Handel, Gastronomie und Eventbranche alles ausbaden, was irgendwo passiert. Wir wollen nicht die Einzigen sein, die die Suppe auslöffeln.“Denn der Handel erhalte von all den Unterstützungszahlungen, die derzeit fließen, wenn überhaupt, nur einen Teil seiner Fixkosten, so Eksen. „Das geht alles für eine gewisse Zeit, aber nicht so lange“, so die Geschäftsführerin des NRW-Handelsverbandes in Münster. „Dieser Beschluss ist umso dramatischer, als dass er den Handel in der Woche vor Ostern trifft“, betont auch Mechtild Hoffs.

Für viele Kunden indes droht der Einkauf vor den Osterfeiertagen ein regelrechter Eiertanz zu werden. Schließlich möchten sie zum Fest vielleicht noch das eine oder andere Kleidungsstück erstehen oder Präsent kaufen. „Die Kunden wollen raus, wollen in die Stadt gehen und bummeln“, weiß Mechtild Hoffs aus Gesprächen. Eigentlich kein Problem, denn sie und ihre Händlerkollegen haben ausgefeilte Hygienekonzepte und unternehmen seit Monaten alles, um den Einkauf sicher zu gestalten.

Jüngstes Beispiel ist die sogenannten Luca-App, deren Nutzung Dehoga, Werbe- und Straßengemeinschaften in Bocholt empfehlen. Die App dient zur Kontaktnachverfolgung in Handel und Gastronomie (siehe Infokasten).

Für Karin Esken hat der erneute Lockdown im Handel neben der wirtschaftlichen auch eine menschliche Komponente: „Für viele Beschäftigte im Handel waren die vergangenen Wochen wichtig, denn sie zeigten: Es lebt wieder!“, so Esken. Sie alle hoffen jetzt auf die Chance zur Modellregion, damit das auch so bleibt . . .

Luca-App statt Zettelwirtschaft

Die Luca-App ist eine kostenfreie App, mit der die Kontaktdaten der Gäste und Kunden sicher und anonym aufgenommen werden. Das jeweilige Gesundheitsamt ist angeschlossen. Der Händler/Gastronom muss sich einmalig bei der Luca-App registrieren, bekommt einen QR-Code, zum Aushang. Der Kunde – der sich die App heruntergeladen hat – kann den Code scannen und sich einloggen oder der Gastgeber scannt diesen Code ab und checkt den Kunden somit ein. Beim Verlassen checkt der Kunde aus. Im Falle einer positiven Corona-Infektion kann das Gesundheitsamt datenschutzkonform alle Personen informieren, die möglicherweise in der Nähe waren. Auf Wunsch bleibt es möglich, seine Daten zur Nachverfolgung per Zettel auszufüllen.

© Stadtmarketing Bocholt

Empfehlen die Luca-App (von links): Sven Lensing, ISG Ravardiviertel; Mechtild Hoffs, Werbegemeinschaft Bocholt und Philip Traber, Bocholter Schausteller- verein