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Lebensrettung in Reichweite

Ziehen an einem Strang, um Leben zu retten: Die Stadtverwaltung Bocholt, die Firma 1A-Medizintechnik, das DRK und Manfred Wagner wollen dafür sorgen, dass Defibrillatoren in Bocholt weiter verbreitet werden.

Freitag, 18. Januar 2019 - 14:54 Uhr

von Christiane Schulz

Ziehen an einem Strang, um Leben zu retten: Die Stadtverwaltung Bocholt, die Firma 1A-Medizintechnik, das DRK und Manfred Wagner wollen dafür sorgen, dass Defibrillatoren in Bocholt weiter verbreitet werden.

Foto: Christiane Schulz

Üben für den Ernstfall: Torsten Nieuwenhuis (rechts) erläutert Unternehmer Manfred Wagner (Mitte) und Ralf Göppert von der Stadt den Einsatz des AED-Gerätes.

Bocholt (cs). Die Zahlen stimmen nachdenklich: Circa 40 bis 50 Mal kommt es in Bocholt pro Jahr zum plötzlichen Herztod. „Die Überlebenschancen für Patienten, die bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter nicht weiter behandelt werden, liegen bei zwei Prozent“, sagt Notfallsanitäter Torsten Nieuwenhuis. Werden die Betroffenen hingegen bis zur ärztlichen Versorgung mit einer Herz-Lungen-Animation und bestenfalls dem Einsatz eines Defibrillators behandelt, erhöhen sich ihre Chancen auf bis zu 70 bis 80 Prozent, so der in der Isselburger Rettungswache tätige Nieuwenhuis.

Doch da liegt auch das Problem. „Die Leute haben eine Riesenhemmschwelle. Kaum jemand traut sich diese Erste-Hilfe-Maßnahmen zu“, weiß Nieuwenhuis aus Erfahrung. Er betont: „Sie können nichts falsch machen, außer Sie tun nichts!“

Ein Ansatz ist die weitere Verbreitung der automatisierten externen Defibrillatoren, kurz AED-Geräte. Denn diese geben im Bedarfsfall – und nur dann – zum einen die für das Herz lebensnotwendigen elektrischen Impulse, zum anderen sind sie ein echter, sprechender Beistand für potenzielle Helfer. „Das Gerät erklärt und gibt dem Laien Schritt für Schritt vor, was zu tun ist“, so Torsten Nieuwenhuis. „Und es enthält von der Schere bis zu Handschuhen, alles, was Sie für den Notfall brauchen.“

Doch die Defibrillatoren-Dichte in Bocholt lässt noch zu wünschen übrig. Rund 70 Geräte sind im gesamten Stadtgebiet gemeldet. Wenn man bedenke, dass diese im Falle eines Falles innerhalb von zweieinhalb Minuten erreichbar sein müssten, sei das zu wenig, so Torsten Nieuwenhuis. Hinzu komme, dass viele der Geräte auf für die Öffentlichkeit unzugänglichen Firmengeländen zu finden sind.

Hier setzt eine Initiative an, die Nieuwenhuis’ Bruder Markus, Inhaber vom Bocholter Unternehmen 1A-Medizintechnik, zusammen mit Manfred Wagner vom gleichnamigen Friseursalon entwickelt hat. Die Idee: Defibrillatoren leasen. „Ich interessierte mich schon lange für dieses Thema und wollte einen Defibrillator bei uns im Salon haben. Aber der Preis von rund 1500 Euro hat mich abgeschreckt“, erklärt Manfred Wagner. Gemeinsam mit Markus Nieuwenhuis entwickelte er ein Modell, das es ihm und anderen Interessierten ermöglicht, ein solches Gerät für 29,78 Euro monatlich zu leasen. „Der Leasingvertrag läuft über fünf Jahre, das Gerät ist in dieser Zeit quasi wartungsfrei und einsatzbereit. Lediglich die Batterie müsse gegebenenfalls ausgetaucht und im Falle der Nutzung auch die Elektroden erneuert werden, so Nieuwenhuis. Wenn etwas nicht stimmt, meldet sich das Gerät, ähnlich wie ein Rauchmelder, durch einen Piepton. Das hat Manfred Wagner überzeugt und so hängt in seinem Salon „Am Schievegraben“ nun ein solcher Lebensretter und am Schaufenster prangt der grüne Hinweisaufkleber.

Torsten Nieuwenhuis hat den erstaunlich einfachen Einsatz des AED-Gerätes jetzt im Salon Wagner vorgeführt. Dabei ist ein Schulungsfilm entstanden, den Manfred Wagner allen Interessierten zur Verfügung stellt: Der solle natürlich nicht die Ersthelfer-Kurse ersetzen „könne aber zur Auffrischung des Erlernten dienen“.

Jetzt möchten die Beteiligten weitere Kleinunternehmer oder auch Nachbarschaften dafür gewinnen, einen Lebensretter vorzuhalten. Der DRK-Stadtverband ist im Boot und will in seinen Ersthelfer-Kursen auf das Leasingmodell hinweisen.

Und die Stadtverwaltung Bocholt sorgt für die Verbreitung der Standorte. Zum einen auf ihrer eigenen Website, zum anderen mit der Weitergabe an den bundesweiten Defi-Kataster (www.defikataster.de). „Wir bitten alle, die einen Defibrillator anschaffen, den Standort zu melden“, so Ralf Göppert vom Fachbereich Grundstücks- und Bodenwirtschaft (ralf.goeppert@mail.bocholt.de, 02871 /953-598), der die Daten in einer Übersichtskarte einpflegt. Diesen finden Sie auf der Website der Stadt Bocholt unter der Rubrik „Orte von Interesse“ (Gesundheit und Soziales) oder hier.

Foto: Stadt Bocholt

Auf der Website der Stadt Bocholt findet sich unter der Rubrik „Orte von Interesse“ diese Übersichtskarte mit den Standortdaten.

Foto: Manfred Wagner

Werner W. Marschall vom DRK-Stadtverband Bocholt will in seinen Ersthelfer-Kursen auch über die neue Leasing-Möglichkeit informieren.