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Mehr als nur ein Freund

Nala ist der neue Therapiehund in der Bocholter Caritas-Wohngruppe Oase

Freitag, 30. April 2021 - 09:46 Uhr

von Stefanie Himmelberg

Schäferhündin Nala hat mit ihrer Besitzerin Nadine Vastering eine Ausbildung zum Therapiehund absolviert. Finanziert hat das die Caritas aus Spenden.

© Caritas Bocholt

Nala löst ganz große Gefühle bei den Jugendlichen aus. Und zwar gute. Gerade das ist für die Jugendlichen wichtig, denn häufig werden sie von negativen Emotionen übermannt.

Normalerweise tragen die Jugendlichen der Wohngruppe Oase ihr Herz nicht auf der Zunge. Aber wenn es um Hündin Nala geht, sprudeln die Worte nur so aus ihnen heraus. Besitzerin Nadine Vastering hat ihren Therapiehund in der Gruppe ausgebildet und hilft jetzt aktiv bei der Arbeit mit. Der hiesige Caritasverband hat die Ausbildung des Tieres aus Spenden bezahlt.

Ausgeprägter Hüte-Instinkt

Nala ist eine weiße Schweizer Schäferhündin mit ausgeprägtem Hüte-Instinkt. „Sie passt auf ihre Schäfchen auf, dass denen nichts passiert und die keinen Quatsch machen“, sagt Vastering. Wenn etwa nachts jemand aufsteht, gibt Nala ihrem Frauchen ein Zeichen. Sie entscheidet dann, ob es harmlos ist und erst danach können beide weiterschlafen. „Hier schleicht sich keiner nachts heimlich aus dem Haus. Und es kommt auch keiner rein. Wenn es hart auf hart kommt, stellt Nala jeden Eindringling“, so Vastering.

Und wie geht es den Jugendlichen mit Nalas strenger Kontrolle? „Ich finde gut, dass Nala da ist und wir alle wissen, dass wir an ihr nicht vorbeikommen“, sagt Nate. „Das Gefühl eines sicheren Zuhauses ist für die Jugendlichen eine wichtige Erfahrung“, ergänzt Vastering. Und bei Nala fühle es sich eben nicht wie Überwachung an, sondern wie fürsorgliches Behüten. Und genau so soll es ja sein.

Deshalb hat der Caritasverband Nalas Ausbildung als Therapiehund bezahlt und freut sich mit Vastering, dass diese nun abgeschlossen ist – zumindest soweit es pandemiebedingt gerade möglich ist. Denn den offiziellen Abschluss können Tier und Halterin erst machen, wenn sie zur Prüfung in die Hundeschule dürfen.

In Nalas Ausbildung hat Nadine Vastering den Hund gezielt auf die Fähigkeiten hintrainiert, die für den Umgang mit traumatisierten Jugendlichen in der Wohngruppe wichtig sind. Gut, dass Nadine Vastering schon lange Jahre Berufserfahrung hat und wusste, worauf es da ankommt: So erkennt Nala Wunden, wie sie zum Beispiel bei selbstverletzendem Verhalten wie dem Ritzen entstehen und gibt daraufhin ein Zeichen. Auch Cannabis erkennt sie.

Jeder der Jugendlichen hat einen anderen Zugang zu Nala. Und Nala hat für jeden von ihnen eine individuelle Antwort: Bei dem einen fordert sie eher zum Spielen auf, den nächsten lädt sie nur zu einer Kuschelpartie ein, bei dem einen ist das Schwanzwedeln stürmischer, bei dem anderen eher ruhiger. So erkennt Frauchen mittlerweile an Nalas Reaktion, wer gleich die Treppe runterkommen wird.

„Nala ist definitiv die motivierteste Arbeitskraft im Team“, sagt Vastering schmunzelnd. Wenn sie ihr Arbeitsgeschirr angelegt bekommt, verändere sie sofort die Haltung. Für Nala ist dann klar: Jetzt beginnt meine Schicht. Die Hündin weiß dann genau, dass sie gefordert ist. Denn darauf wurde sie trainiert. Und weil sich die Ausbildung darauf konzentriert hat, Nalas natürliche Triebe anzusprechen und sie als Schäferhund super auf Belohnungssysteme anspringt, fühle sich ihr Arbeitstag immer toll an. Nach Feierabend freut sich Nadine dann über einen sehr ausgeglichen und müden Hund. Das ist auch für das Tier Arbeit und privat darf Nala dann all die Dinge tun, die es auf der Arbeit nicht gibt – wild raufen, tief und fest schlafen, beim Spaziergang nach Herzenslust rumstromern.

Mehr Geschichten über Tiere im Einsatz in den Caritas-Wohngruppen gibt es unter caritas-bocholt.de; ein kleines Filmchen von Nala und Nate findet sich hier: https://youtu.be/cLZKCnA6BxM