„Mensch, ihr seid die Besten“

Marek und Frank Laader waren drei Tage im überfluteten Iversheim und räumten dort auf.

„Mensch, ihr seid die Besten“

Am Dienstag kamen Frank und Marek Laader (rechts) mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Gespräch, die Iversheim gemeinsam mit Ministerpräsident Armin Laschet besuchte.

„Die Baustellen können warten, wenn anderswo das Leid so groß ist“, sagte sich Garten- und Landschaftsbauer Marek Laader und fuhr am Montagmorgen mit seinem Vater Frank und einem Tieflader samt Bagger in das Hochwassergebiet Bad Münstereifel. Im 1400-Einwohner-Ort Iversheim packten die beiden tatkräftig mit an und trafen dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Am liebsten würde ich sofort wieder losfahren und helfen“, sagt Marek Laader, der am Mittwoch erst aus Iversheim nach Isselburg zurückgekehrt ist. Drei Tage halfen er und sein Vater Frank in dem von der Hochwasserflut stark beschädigten Ort.

Am Sonntag fasste der 29-jährige Unternehmer den Entschluss, im Katastrophengebiet mit anzupacken. „Ich dachte mir, da muss was passieren, egal, was das kostet. Wir haben ja die Möglichkeit, das zu tun“, so der selbstständige Garten- und Landschaftsbauer. Durch eine Facebookgruppe von GaLa-Bauern wusste er, wo akut Hilfe benötigt wird. Kurzerhand luden die Laaders den Bagger auf einen Tieflader ihres Betriebes und machten sich auf den Weg ins rund 180 Kilometer entfernte Iversheim.

Chaos pur

„Chaos pur“, mit diesen Worten beschreibt Laader seine ersten Eindrücke vor Ort. „Die dort eingesetzten Hilfskräfte wollten uns zunächst wieder wegschicken“, sagt er. Doch die Isselburger und ein befreundetes Stuttgarter Team verschafften sich auf eigene Faust einen Überblick über die Lage im Ort und beschlossen, mit ihrem Gerät die für die Logistik benötigten Wege von Schutt zu befreien. „Wir wissen ja, was zu tun ist“, so Laader. Bis drei Uhr nachts arbeiteten Vater und Sohn am ersten Tag durch. „Das THW hat uns sogar Lampen aufgestellt, damit wir weitermachen konnten“, sagt er. Nach einer kurzen Nachtruhe im LKW, die beiden wollten vor Ort bleiben und keine Zeit verschwenden, ging es weiter.

Die Dankbarkeit der Menschen sei groß, so Laader. „Mensch, ihr seid die Besten“, habe man ihnen zugerufen, sagt er. Immer wieder seien Bürger mit Bollerwagen gekommen und hätten sie mit Essen und Getränken versorgt. Doch nicht nur Anwohner kamen vorbei. Als sie gerade dabei waren, den Platz rund um die Kirche freizuräumen stand Bundeskanzlerin Angela Merkel vor den Isselburgern. „Sie hat gefragt, wo wir herkommen, ob wir ein privates Unternehmen sind und sich für unseren Einsatz bedankt“, berichtet Laader. „Ich war natürlich sehr nervös, aber ich habe ihr gesagt, dass hier viel Hilfe benötigt wird und auch die Helfer Unterstützung brauchen“, so der 29-Jährige.

Am Mittwoch sind die Laaders wieder heimgefahren, schließlich müssen sie sich um ihr Unternehmen kümmern. Die Tage im Flutgebiet haben ihn mitgenommen, sagt Marek Laader. Besonders eine Szene: Die Frau, die mit Sonnenblumen in der Hand durch den in ein schlammiges Braun getauchten Ort zum Grab ihres Vaters ging. „Das hat mich bedrückt“, so der Isselburger.

Die Konzentration auf das Tagesgeschäft fällt ihm schwer. Am liebsten würde er sich sofort wieder auf den Weg machen und sein Team mitnehmen. Aber das sei ja auch eine finanzielle Frage. „Mein Vater und ich wollen aber auf jeden Fall wieder hin!“, sagt Marek Laader.