Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
lokal & aktuell

Neue helfende Hände für Kinder in Not

Das Bocholter Notinsel-Projekt wächst

Dienstag, 11. Februar 2020 - 17:00 Uhr

von Marie Söhlke

Im Rahmen einer Schulung bereiteten sich jetzt wieder Bocholter Unternehmen und Institutionen darauf vor, eine Anlaufstelle für Kinder zu werden.

© Marie Söhlke

Ulrike Löwe (links) und Rita Telohe informierten die interessierten Unternehmen über die Voraussetzungen, eine Notinsel zu werden.

Wo wir sind, bist du sicher.“ Unter diesem Motto schafft das Projekt „Notinsel“ Zufluchtsorte für Kinder, die sich bedroht fühlen und Hilfe benötigen. Gewalt und Übergriffe sind ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft und Kinder sind dieser Gewalt schutzlos ausgeliefert. Ziel des Notinsel-Projekts, das von der Initiative „Hänsel & Gretel“ ins Leben gerufen wurde, ist es, eine Front gegen potenzielle Täter zu errichten.

Bereits 186 Bocholter Notinseln

In Bocholt gibt es bereits 186 Standorte dieser Notinseln und die Zahl steigt. Dazu, wie man selbst Notinsel werden kann, fand jetzt wieder eine Schulung für Interessierte statt. Ausgerichtet wurde diese von der Firma „Löwe & Team“. Inhaberin Ulrike Löwe brachte die Initiative gemeinsam mit dem Bocholter Bündnis für Familie 2008 nach Bocholt und bietet seitdem Vorträge für Firmen und Unternehmen an, die selbst Notinsel werden wollen. „Ich habe bereits 25 bis 30 dieser Schulungen abgehalten“, berichtete Löwe.

Unterstützt wurde sie dabei von Rita Telohe, die das Projekt innerhalb der Bocholter Stadtverwaltung koordiniert. Dieses Mal nahmen Mitarbeiter von fünf verschiedenen Firmen an der Veranstaltung teil. Vertreten waren Mitarbeiter der Zentralrendantur der Pfarrgemeinde St. Georg Bocholt, des Technischen Hilfswerks Bocholt, der Agentur der Allianz Versicherung an der Osterstraße, der Agentur für Arbeit und des Nachhilfeunternehmens „Studienkreis“. Ulrike Löwe klärte die Anwesenden über Voraussetzungen zur Teilnahme am Notinsel-Projekt und das richtige Verhalten in einer Notsituation auf.

Schulungsteilnehmerin Anne Vjestica, die in der Verwaltung der Pfarre St. Georg tätig ist, ist selbst Mutter und beeindruckt von dem Konzept: „Als kirchliche Einrichtung ist so etwas ein Muss. Auch das Logo ist toll und sagt viel über die Organisation aus“, sagt sie.

Notinsel können Einzelhandelsgeschäfte, Bäcker, Apotheken, Banken und viele mehr werden. Jedoch müssen zwei wichtige Kriterien erfüllt werden. Zum einen müssen die Geschäftsräume im Erdgeschoss liegen und leicht erreichbar sein. Treppenhäuser und Flure würden die Kinder in Stresssituationen überfordern und könnten sogar ein Ausschlusskriterium sein. Damit Missverständnisse vermieden werden, müssen zudem immer mindestens zwei Mitarbeiter anwesend sein.

Notinseln sind zu erkennen durch Notinsel-Aufkleber (siehe links), die an gut erkennbaren Stellen am Eingang angebracht werden. Dieser Aufkleber signalisiert den Kindern „Hier bist du sicher und hier bekommst du Hilfe“. Doch nicht nur Kinder, sondern auch ältere Mitbürger nutzen Notinseln. Löwe erklärte, dass das Hilfsprojekt eine große Reichweite in Bocholt habe und von allen gut angenommen werde. Alle Standorte der Notinseln aus Bocholt und Umgebung findet man im Internet unter www.notinsel.de/bocholt. So können Eltern zum Beispiel den Schulweg ihrer Kinder planen und ihnen zeigen, wo Anlaufstellen in Notsituationen zu finden sind. Ulrike Löwe hofft darauf, dass auch in Randbezirken von Bocholt die Anzahl der Notinseln steigt, „Man kann nie genug Notinseln haben“, so Ulrike Löwe.

Die Teilnahme am Notinsel-Projekt ist kostenlos. Fragen dazu beantwortet Rita Telohe (02871/953339, E-Mail: rita.telohe@mail.bocholt.de. Übrigens gibt es Notinseln in ganz vielen Städten und Orten der Bundesrepublik – sie leisten also sogar dann Hilfe, wenn das Kind woanders als in der Heimatstadt unterwegs ist.

© Marie Söhlke

In den Räumen der Firma „Löwe & Team“ fand jetzt wieder eine Schulung für neue Notinsel-Partner statt