Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
lokal & aktuell

Poker um Real belastet Mitarbeiter

Metro trennt sich von Warenhauskette

Freitag, 8. November 2019 - 14:35 Uhr

von Christian Vosgröne

Die rund 250 Real-Beschäftigten in Bocholt und Rhede wollen Klarheit.

© eda

So richtig auf das bevorstehende Weihnachtsfest freuen können sich die rund 250 Mitarbeiter der Real-Märkte in Bocholt und Rhede nicht. Das sagten die beiden Betriebsratsvorsitzenden Klaus Hübner (Bocholt) und Jörg Kellermann (Rhede) im Gespräch mit dem BBV und „mein StadtKurier“. Grund sei vor allem die Informationspolitik rund um die Veräußerung der Warenhauskette, die Ängste schüre. So sei etwa vor drei Jahren versprochen worden, man „geht den Mitarbeitern nicht ans Geld“ und dennoch sei von 2016 bis 2018 das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt worden. Zudem seien die Löhne „eingefroren“, es gebe seit dem vergangenen Jahr keine Erhöhung mehr.

Seit Anfang Oktober steht fest, dass der Eigentümer, die Metro, aufgrund der Forcierung auf den Großhandel alle 277 Real-Standorte in Deutschland an den Hamburger Immobilieninvestor Redos verkaufen möchte. Bundesweit beschäftigt Real rund 34 000 Mitarbeiter. „Da fragt sich jeder: Wo bleibt mein Arbeitsplatz?“, so Hübner.

Redos und Metro wollen laut Medienberichten rund 50 profitable Häuser unter gleichem Namen weiterführen. Zwar schreibe man in Bocholt und Rhede seit Jahren schwarze Zahlen, jedoch seien es „bei Weitem nicht die umsatzgrößten Häuser“, erklären Hübner und Kellermann. Eine Weiterführung für die beiden Filialen sei daher ungewiss.

Bis zu 40 Märkte sind laut Medienberichten von der Schließung bedroht, die anderen sollen verkauft werden. Die Edeka-Gruppe meldete bereits ihr Interesse beim Kartellamt an. Es geht offenbar um insgesamt 87 Standorte. Auch Rewe, Kaufland und Globus werden als mögliche Käufer gehandelt. Überdies soll es elf weitere Interessenten für 114 Standorte geben, wie Hübner und Kellermann auf der jüngsten Versammlung der Betriebsräte in Gelsenkirchen erfahren haben. „Diese Zahl hat uns überrascht“, so der gebürtige Bocholter Klaus Hübner, der seit 19 Jahren bei Real beschäftigt ist. Zu den Interessenten gehörten auch Möbelhäuser und Drogeriemarktketten. Genau darin sehen die Betriebsräte in Bocholt und Rhede ein Problem. Sollten Abteilungen wie Spielwaren oder Metzgerei nach einer Übernahme nicht mehr weitergeführt werden, könnten die Arbeitsverträge der dort eingesetzten Mitarbeiter unter Umständen betriebsbedingt gekündigt werden. „Viele sind seit Jahrzehnten hier beschäftigt. Entsprechend hoch ist der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter“, sagt der 54-jährige Bocholter. Daher machen sich Hübner und Kellermann gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat für einen sogenannten Vorratssozialplan stark, wobei es sich allerdings um eine freiwillige Regelung handelt. Abfindungen oder Überbrückungsgelder würden den gegebenenfalls Betroffenen ein Stück weit Sicherheit geben. „Die Metro hat die bis zum 7. Oktober laufende Frist verstreichen lassen“, bedauert Hübner. Er und sein 53-jähriger Amtskollege Jörg Kellermann, der seit 36 Jahren bei Real beschäftigt ist, hoffen, dass die Gewerkschaft ver.di jetzt den Druck erhöht.

Beide fühlen sich zudem von der Politik auf kommunaler und Bundesebene im Stich gelassen. „Der Handel hat keine Lobby wie zum Beispiel die Auto-Industrie“, sagen sie.

© Sven Betz