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Ratsherr, Schöffe, Schütze

Stadtarchiv präsentiert das historische Foto des Monats Mai

Freitag, 7. Mai 2021 - 14:44 Uhr

von Stefanie Himmelberg

Seit Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts lebte und wirkte in Bocholt eine Persönlichkeit, die unter den Bürgern als „unsen olden Raot“ bekannt war. Die Rede ist von dem Arzt und Kommunalpolitiker Sanitätsrat Dr. med. August von Bönninghausen. Ein Porträt von Bönninghausens hat Stadtarchivar Wolfgang Tembrink zum historischen Foto des Monats Mai gekürt.

© Stadtarchiv Bocholt

Dr. med. August von Bönninghausen (1841-1912) praktizierte nicht nur als Arzt, er war auch in der Bocholter Kommunalpolitik aktiv.

Von Bönninghausen war Angehöriger eines westfälischen Uradelsgeschlechtes und wurde am 20. August 1841 in Coesfeld als Sohn des Steuereinnehmers Clemens von Bönninghausen und Clara Rothmann geboren. Nach seinem Medizinstudium ließ er sich in Bocholt nieder und heiratete Antonia Koelmann. Sie schenkte ihm zehn Kinder und starb bereits 1890. Die Familie bewohnte ein Haus am Rathaus. Ein paar Schritte weiter, am Beginn der Nordstraße, führte von Bönninghausen seine Praxis. „Nachmittags sah man ihn regelmäßig mit seiner Kutsche zur Stadt hinausfahren, um seine Patienten auf dem Lande zu versorgen“, schreibt Tembrink.

Auch in der Kommunalpolitik war der Mediziner tätig. Von 1892 bis 1909 gehörte er dem Stadtrat an und vertrat darin eine liberale Richtung. Darüber hinaus betätigte er sich zwischen 1889 und 1899 in der Armenkommission und von 1894 bis 1902 als Mitglied im Kuratorium des Realprogymnasiums. Der Stadtverwaltung diente Dr. von Bönninghausen ab 1902 sieben Jahre lang als zweiter Schöffe. Im St.-Georgius-Schützenverein hatte er mehr als 25 Jahre den Vorsitz inne.

August von Bönninghausen machte sich auch als Redner einen Namen. Bei der Übergabe des Kaiser-Wilhelm-Denkmals 1898 hielt er die Festrede, ebenso bei der Verabschiedung des Bürgermeisters Rudolf Geller im Jahre 1908. Im Jahr darauf verzichtete er selbst auf alle Ämter, verkaufte seine Besitzung am Markt und zog in ein Haus in der Kirchstraße, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Von Bönninghausen starb nach langem Leiden am 3. Mai 1912 in Pützchen bei Bonn.

„Mit ihm war der letzte Bocholter Bürger dahingeschieden, der den großen Krieg 1870/71 mit der ranghöchsten Auszeichnung mitgemacht hatte“, so Tembrink. Im BBV hieß es dazu: „Denn die Brust dieses […] Mannes, der in seinem Äußeren an die kraftvolle Gestalt Bismarcks erinnerte, zierte neben dem Roten Adlerorden und allen Kriegsdenkmünzen das Eiserne Kreuz 2. Klasse.“

Der in der Löverick-Siedlung befindliche Bönninghausenweg trägt seit 1961 seinen Namen.