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Unwetter im Anmarsch

Schule, Auto, Bahn und Haus: Was tun, wenn es stürmt?

Freitag, 7. Februar 2020 - 15:20 Uhr

von Christian Vosgröne

Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Sonntag verbreitet mit Sturmböen.

© DEKRA/dpa-mag

Warnung vor dem Winde: Besonders wenn solche Warnzeichen darauf hinweisen, sollten sich Autofahrer auf Seitenwind einstellen.

Ab Sonntagmittag bis Montagfrüh drohen in ganz Nordrhein-Westfalen schwere Sturm- und orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 110 Stundenkilometern. Das hat der Deutsche Wetterdienst am Freitag über eine Pressemitteilung bekannt gegeben. Akute Warnungen sollen über die Smartphone-App „Nina“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und unter www.wettergefahren.de herausgegeben werden.

Sollten sich die Hinweise auf das Unwetter verdichten, wollen sich beispielsweise in Bocholt Vertreter der Stadt und Feuerwehr am Sonntag zusammensetzen, „um die aktuelle Lage zu analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten“, erklärt Pressesprecher Karsten Tersteegen auf „mein StadtKurier“-Anfrage. Bürger könnten sich dann über die Medien sowie die städtischen Internetseiten www.bocholt.de oder „Bocholter City“ auf Facebook über den Stand der Dinge informieren. Dazu gehörten etwa Informationen darüber, ob die Schulbusse am Montagmorgen fahren oder nicht.

Schule: Fällt am Montag der Unterricht aus?

„Bei plötzlich auftretenden, extremen Witterungsverhältnissen oder unvorhersehbarem Ausfall des Nahverkehrs liegt in Nordrhein-Westfalen die Entscheidung bei den Eltern, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist. Volljährige Schüler entscheiden dies selbst“, berichtet die Bezirksregierung Münster vor dem Hintergrund der aktuellen Wetterberichte. Azubis, die ihr Berufskolleg nicht erreichen können, sollten nach Möglichkeit den Ausbildungsbetrieb aufsuchen.

Ob überhaupt Unterricht stattfindet, erfahren Eltern bei der Schule. Darüber entscheidet laut Bezirksregierung die jeweilige Schulleitung in Absprache mit dem Träger. „Dabei sind neben Sicherheitsfragen das Schulgebäude und das Schulgelände betreffend auch Fragen der Schülerbeförderung, der Vermeidung von Unterrichtsausfall und des bestehenden Betreuungsbedarfes insbesondere für jüngere Schüler berufstätiger Eltern mit in den Blick zu nehmen. Empfehlenswert ist es, für alle Schulen einer Kommune eine einheitliche Entscheidung anzustreben“, so die Bezirksregierung in Münster.

Die Mitarbeiter der Schulen erhielten keine Befreiung. Die Betreuung von Schülern, die in die Schule kämen, müsse auch im Falle einer Schließung gewährleistet sein. Zudem dürften Schüler nicht im aufkommenden Sturm nach Hause geschickt werden.

Auto: Fuß vom Gas und Hände fest ans Lenkrad.

Weht ein starker Wind oder stürmt es, müssen Autofahrer stets damit rechnen, dass ein Windstoß ihr Fahrzeug zur Seite drückt oder sogar regelrecht versetzt. Davor warnt die Prüforganisation Dekra. Bei Seitenwind halten Autofahrer das Lenkrad gut mit beiden Händen fest und nehmen den Fuß vom Gas. Aufs Überholen verzichten sie im Zweifel und achten auf Verkehrsdurchsagen. „Wie stark ein Fahrzeug im Einzelfall abgelenkt wird, ist erheblich eine Frage der gefahrenen Geschwindigkeit“, erläutert Dekra-Unfallforscher Luigi Ancona und rät zudem, auf Windsäcke und Seitenwind-Warnschilder am Straßenrand zu achten.

Zuweilen müssten Fahrer auch mit plötzlich auftretenden Böen aus verschiedenen Richtungen rechnen. Besonders heikel kann es werden, wenn Autos beim Überholen eines Lastwagens aus dem Windschatten in den Wind fahren, wenn sie aus einem Tunnel kommen, um eine Kurve biegen oder Waldschneisen passieren.

Dekra rät dazu, Waldgebiete wegen Astbruchgefahr bei Sturm möglichst zu meiden – und auf Brücken besonders vorsichtig zu fahren. Denn dort sei generell mit höheren Windgeschwindigkeiten zu rechnen. Manchmal könne es sicherer sein, eine Pause an einem geschützten Ort abseits von Bäumen einzulegen, bis das Wetter sich gebessert hat.

Bahn: Ausfälle entschuldigen kein Zuspätkommen im Job.

Arbeitnehmer sind dafür verantwortlich, pünktlich bei der Arbeit zu sein. Das gilt auch, wenn wegen eines Sturms oder Unwetters der Bahnverkehr ausfällt, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Auf höhere Gewalt können sich Arbeitnehmer dabei nicht berufen. Wochenendpendler etwa, die wegen eines Zugausfalls feststecken, haben im Zweifelsfall Pech. Arbeitnehmer müssen damit rechnen, dass sie keinen Lohn erhalten für die Zeit, die sie zu spät zur Arbeit kommen, so Oberthür. Gegebenenfalls kann es sein, dass Mitarbeiter die ausgefallene Zeit nacharbeiten müssen.

Mit Sanktionen wie einer Abmahnung müssen Arbeitnehmer aber in der Regel nicht rechnen, wenn sie wegen der Nachwirkungen eines Sturms im Nah- und Fernverkehr erst später zu Arbeit kommen können.

Versicherung: Sturmschäden richtig regulieren

Zerstört der Sturm zum Beispiel Schornsteine oder deckt Dächer ab, kommt dafür die Wohngebäudeversicherung auf, erklärt der Bund der Versicherung (BdV) in Hamburg. Sie leistet auch bei Folgeschäden, etwa wenn durch das kaputte Dach Regen eindringt und Fußböden beschädigt. Sind Möbel, TV-Geräte und anderer Hausrat betroffen, springt die Hausratversicherung ein.

Voraussetzung ist immer, dass der Sturm tatsächlich die Schadensursache bildet. Mindestens muss hierfür Windstärke acht geherrscht haben. Den Nachweis dafür muss im Zweifel der Versicherte erbringen. Dazu können Betroffene zum Beispiel die Windmessungen der Wetterämter nutzen. Als Beleg können auch Medienberichte dienen.

Der Betroffene muss sich möglichst schnell an seine Versicherung wenden und diese über den Schaden informieren. Hilfreich ist es, Fotos zu machen und eine genaue Aufstellung der beschädigten Gegenstände zu erstellen.

Sturmschäden am Haus oft erst Monate später sichtbar

Es gibt nach einem Sturm die unmittelbaren Schäden wie eingedrückte Fenster und sichtbar abgedeckte Dächer. Und es gibt Folgen, die erst nach Monaten deutlich werden können. Wurden etwa einzelne Ziegel nur leicht verrückt, kann es erst nach und nach durch Regen zu folgenreichen Wasserschäden im Dach kommen.

Wird zum Beispiel die Wärmedämmung des Dachs durchnässt, dämmt sie zum einen nicht mehr ausreichend, zum anderen wird sie zu einem optimalen Lebensort für Schimmelpilze. Daher rät der Verband Privater Bauherren: Allerspätestens beim ersten großen Dauerregen sollten Hauseigentümer prüfen, ob sich im Haus Feuchtigkeit zeigt. Auch der Garten sollte noch mal unter die Lupe genommen werden: Bäume, die von außen betrachtet einen Sturm scheinbar unversehrt überstanden haben, können später erst umkippen – als Folge des Sturms. (chv/dpa)

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