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Vollgas mit Motörhead-Attitüde

Wer guten handgemachten Heavy-Metal-Sound im Stil der 80er liebt, wird mit dem neuen Album von Lords of the Wasteland bestens bedient, sagt Jörg Honsel.

Freitag, 16. Juli 2021 - 15:25 Uhr

von Jörg Honsel

Wer guten handgemachten Heavy-Metal-Sound im Stil der 80er liebt, wird mit dem neuen Album von Lords of the Wasteland bestens bedient, sagt Jörg Honsel.

© Privat

Der Gitarrengurt war erwartungsgemäß ein wenig zu groß für unseren CD-Kritiker Jörg Honsel (zweiter von links). Gänsehaut habe er dennoch gehabt, als er Andy Rufferts selbstgebaute Gitarre in den Händen hielt, so Honsel.

Liebe Musikfreunde, das habe ich in den zehn Jahren, in denen ich Ihnen hier monatlich CDs vorstelle, auch noch nicht erlebt: Da kontaktiert mich Andreas (Andy) Ruffert von der Bocholter Heavy-Metal-Band „Lords of the Wasteland“ (kurz LOTW) und fragt, ob ich nicht deren neues Album „Bringing On The End“ vorstellen könnte. Sie würden mir die neue CD gerne persönlich überreichen. Über diese Einladung habe ich mich riesig gefreut.

Das Treffen mit Andy Ruffert (Gitarre), den Brüdern Thomas (Schlagzeuger und Vater der Bocholter Sängerin Sarah Hübers) und Andreas Hübers (Gesang, Bass) fand in Andys Keller statt, wo auch das Album aufgenommen wurde. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt, um alles über deren neuen Silberling zu erfahren. So erzählten mir die drei, dass sich LOTW stilistisch treu geblieben und die sechs neuen Songs wieder Heavy Metal der alten Schule sind. Die Band legt ihren Fokus auf markante Gitarren-Riffs, druckvolle Rhythmen und beim Gesang auf eingängige Refrains. Auffällig ist die Länge der Songs, so kommen fünf der sechs Stücke auf eine Spielzeit von über fünf Minuten und drei davon kratzen sogar an der Sieben-Minuten- Grenze. Der Titelsong „Bringing On The End“ ist ein „Epic Doom Metal Song“. Zuerst groovt das Stück langsam vor sich hin und transportiert eine düstere und bedrohliche Stimmung, wobei das Tempo im Schlussteil angezogen wird. Das Ganze erinnert an „Black Sabbath“. Im Text geht es darum, wie die Menschheit sich durch ihr egoistisches und rücksichtsloses Verhalten das eigene Grab schaufelt.

„Should Have Known Better“ ist eine vorantreibende Midtempo-Nummer mit einem Chorus, der sich hervorragend zum Mitsingen eignet. Bei dem Lied kommen mir zuerst Judas Priest in den frühen 1980ern in den Sinn. Hier geht es darum, wie jemand, der erfolgreich und berühmt ist, mit seinem Leben nicht mehr klar kommt und durch falsche Entscheidungen die Kontrolle darüber verliert. Bei „Feeding The Machine“ sind die Strophen eher ruhig gehalten. Die Gitarren halten sich zunächst deutlich zurück, um dann im Chorus förmlich zu explodieren. Interessant ist hier auch der sehr lange instrumentale Mittelteil, der dem Song noch einmal eine andere Wendung gibt. Textlich geht es wieder in eine ähnliche Richtung wie in „Bringing On The End“.

„Strike Back“ ist wieder eine doomige Nummer, die von einem fetten Groove getragen wird. „Escape From Reality“ beginnt mit akustischen Gitarren in einem ruhigen Intro und ist mit 6:58 Minuten der längste Song auf dem Album. Die drei Jungs erzählten mir, dass es zugleich auch das einzige Stück ist, das sie schon mehrmals live präsentiert haben. Im Laufe der Zeit wurden bis zur jetzigen Version jedoch immer wieder einzelne Passagen geändert. Der Text handelt vom Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen und der Realität zu entfliehen.

Zum Schluss wird in „I Go My Own Way“ nochmal aufs Gaspedal gedrückt und das heißt bei LOTW: Vollgas mit Motörhead-Attitüde. Da der Song ein bisschen aus der Reihe fällt, haben sie sich entschlossen, diesen ans Ende der CD zu packen. Der Songtitel gibt den Inhalt des Textes zu 100 Prozent wieder. Generell befassen sich die Lyrics bei LOTW eher mit kritischen oder dunklen Themen, da dies meist auch hervorragend zur Stimmung der Musik passt.

Auch dieses Album entstand komplett in Eigenregie. Es wurde produziert, abgemischt und gemastert von Andy Ruffert. Alle Songs sind online bei den bekannten Streamingdiensten verfügbar. Aber: LOTW war es wichtig, das Album auch als CD zu veröffentlichen. Obwohl der Markt für physische Tonträger immer kleiner wird, gibt es gerade im Metal-Bereich noch viele echte Fans, die auch Sammler sind und sich ihre Musik ins Regal stellen wollen. Die CD ist bei Hanna Music an der Nordstraße in Bocholt erhältlich. Die ersten Live-Auftritte von LOTW sind übrigens auch schon geplant.

Ich kann nur sagen: Wer guten handgemachten Heavy-Metal-Sound im Stil der 80er-Jahre liebt, wird mit diesem Album allerbestens bedient! Und dann wurde mir eine große Ehre zuteil: Für ein Erinnerungsfoto überreichte mit Andy Ruffert seine selbstgebaute Flying-V-Gitarre mit den Worten: „Die hat bisher außer mir noch kein anderer angefasst!“ Der Gitarrengurt war wie zu erwarten zu groß für mich, aber ich hatte Gänsehaut, als ich das Teil in den Händen hielt!

Schönes Reinhören

wünscht Ihnen wie immer

Ihr Jörg Honsel