lokal & aktuell

Was wäre, wenn…?

Heute im Buchtipp: „Die Mitternachtsbibliothek“

Freitag, 9. April 2021 - 10:30 Uhr

von Klaudia Kroesen

Ein „bemerkenswertes Buch, das zum Lesen verführt“, sagt Klaudia Kroesen über den neuen Roman von Matt Haig. Der sei „einfach nur wundervoll“.

© Christian Vosgröne

Nora Seed ist kreuzunglücklich mit ihrem Leben: Sie verliert ihren Job in einem Plattenladen. Kontakte zu ihrem Bruder und ihrer besten Freundin hat sie kaum noch. Als dann auch noch ihre Katze stirbt, beschließt Nora völlig verzweifelt, freiwillig aus dem Leben zu gehen. In der Nacht, in der sie ihrem Leben ein Ende machen will, landet Nora dann nicht wie erwartet im Jenseits, sondern in einer Zwischenwelt, in der Mitternachtsbibliothek. Diese Bibliothek ist gefüllt mit Büchern, und die beinhalten all die Leben, die sie hätte führen können, wenn sie sich anders entschieden hätte. In der Bibliothek trifft Nora ihre alte Schulbibliothekarin Mrs. Elm wieder. Sie verwaltet die Bücher und hilft Nora, sich in dem Labyrinth der Bücherregale und auch der Buchinhalte zurechtzufinden. Nora ist überwältigt von der Fülle der Entscheidungen, die sie in ihrem Leben hätte treffen können. Und jetzt hat sie die Wahl und kann einen neuen Lebensweg beschreiten.

Doch welches neue Leben soll sie anprobieren? Das Leben, das sie sich mit ihrem Verlobten Dan einst erträumt hatte? Zusammen wollten sie ein idyllisches kleines Pub auf dem Land, doch Nora löste die Verlobung und nun findet sie sich plötzlich vor dem Pub wieder. Sie taucht ein in das Leben, das sie sich zusammen mit Dan aufgebaut hat. Aber ist es wirklich das, was sie sich gewünscht hat?

Oder kann Nora an ihre Karriere als Schwimmerin anknüpfen? Denn einst war sie die beste vierzehnjährige Schwimmerin in Bedfordshire und hatte eine erfolgreiche Laufbahn vor sich. Ist es dieses Leben, das sie gerne ge-führt hätte? Und so arbeitet sich Nora Stück für Stück durch die Möglichkeiten, die sie in ihrem Leben gehabt hätte.

Matt Haig ist ein bekannter Autor von Romanen und Sachbüchern. Bei ihm wurde eine Depression diagnostiziert und er stand kurz davor, einen Suizid zu begehen. Sein Kampf gegen die Depression und der Kampf zurück ins Leben sind immer wieder Thema seiner Bücher. In der Mitternachtsbibliothek beschreibt er die Ausweglosigkeit, aber auch die Möglichkeiten, die das Leben einem bietet, es nach eigenen Vorstellungen zu beeinflussen und zu gestalten. Es gibt immer etwas Positives, Chancen und Hoffnung. Jeder kann sein Leben selbst bestimmen und Glück finden wir nur in uns selbst.

Ein bemerkenswertes Buch, das zum Lesen verführt und zum Nachdenken anregt. Was wäre wenn…? Eine klare Leseempfehlung für ein Buch, das melancholisch, poetisch und einfach nur wundervoll ist!

Viel Spaß beim Lesen

wünscht Ihnen

Klaudia Kroesen,

Bibliothekarin der

Stadtbibliothek Bocholt

Alle im StadtKurier vorgestellten Bücher können in der Stadtbibliothek, Hindenburgstraße 5, zu den regulären Öffnungszeiten ausgeliehen werden. Ein Zutritt ist nur mit bestätigtem tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest möglich; das Tragen einer medizinischen Maske ist Vorschrift. Der Aufenthalt ist auf 20 Minuten und 20 Besucher gleichzeitig begrenzt. Tages- und Wochenzeitungen sowie PCs können nicht genutzt werden. Wer Medien bestellen und den Abholservice (kontaktlos am Seiteneingang) nutzen möchte, schickt eine E-Mail an stadtbibliothek@bocholt.de oder ruft an unter 02871-25890.