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Wegwerfen war gestern

Den ganzen Apfel wegwerfen, weil er eine kleine Delle hat? Gegen diese und andere Wohlstandssünden unternimmt Edeka Elskamp etwas.

Freitag, 5. April 2019 - 17:27 Uhr

von Christiane Schulz

Den ganzen Apfel wegwerfen, weil er eine kleine Delle hat? Gegen diese und andere Wohlstandssünden unternimmt Edeka Elskamp etwas.

© Christiane Schulz

Alexander Elskamp (rechts) und Maurice Klein-Hitpaß mit einer der „Überraschungstüten“ von denen sie täglich zwei über die App anbieten.

Bocholt/Berlin (cs). „Too good to go“, was frei übersetzt so viel heißt wie: Zu gut zum Wegwerfen, lautet die Parole seit dieser Woche im Edeka-Markt Elskamp in Biemenhorst.

Inhaber Alexander Elskamp und sein stellvertretender Marktleiter Maurice Klein-Hitpaß bieten ihren Kunden als erster Supermarkt in Bocholt an, Lebensmittel über die App „Too good to go“ zu erwerben. Dass die Ware nah oder knapp über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sei, tue der Genießbarkeit keinerlei Abbruch versichern sie. Dass das Konzept der Weiterverwendung zeitgemäß ist, dass beweisen die positiven Reaktionen der Kunden, aber auch das Interesse, das Edeka-Kollegen aus der Region schon jetzt daran zeigen, so die beiden Kaufleute aus Biemenhorst.

Laut UN-Bericht dieser Woche leiden weltweit 113 Millionen Menschen Hunger. Und nicht nur vor diesem Hintergrund ist die Verschwendung von Lebensmitteln schwer zu ertragen. Auch unter Umweltaspekten ist sie nicht vertretbar, denn die Produktion von Nahrungsmitteln verschlingt zahlreiche Ressourcen wie Arbeitsstunden, Wasser, Boden, Energie und Futter.

App aus TV-Format

Dennoch wird ein Drittel aller Lebensmittel weltweit verschwendet. Maurice Klein-Hitpaß vom Edeka-Markt Elskamp in Biemenhorst wollte das nicht länger hinnehmen. „Ich befasse mich bereits seit Längerem damit, wie man Lebensmittelverschwendung verringern kann“, so der stellvertretende Marktleiter. Beim TV-Gründerformat „Die Höhle der Löwen“ wurde er auf die dänische App „Too good to go“ aufmerksam, die seit Anfang 2016 auch in Deutschland verfügbar ist. „Wir haben Kontakt zur Berliner Zentrale der App-Gründer aufgenommen und sie haben uns nach eingehender Prüfung in die App aufgenommen. Momentan sind wir in der Testphase“, so Maurice Klein-Hitpaß. Und damit ist der Markt am Willi-Pattberg-Ring neben dem Reformhaus Kaubisch erst der zweite Anbieter in Bocholt.

Wer die App auf seinem Smartphone installiert hat, kann seit Anfang der Woche im Biemenhorster Edeka eine von derzeit zwei „Überraschungstüten“, wie Maurice Klein-Hitpaß sie nennt, erwerben.

Hierfür packt er täglich zwei Kartons mit einem Warenwert von je zehn Euro und stellt sie ab 14 Uhr online. Darin finden sich Obst und Gemüse, Backwaren, aber auch Molkereiprodukte, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen. „Wir verkaufen sie dann zum Preis von drei Euro weiter“, erläutert Klein-Hitpaß. Alles wird bis zur Abholung gekühlt aufbewahrt. Dazu müssen die Kunden nur mit dem digitalen Kaufbeleg im Smartphone in den Markt kommen. Das neue Angebot kommt gut an. „Eine Kundin, die in früher Köln gelebt hat, freute sich, dass es das nun endlich auch in Bocholt gibt“, so Maurice Klein-Hitpaß.

Sein Chef Alexander Elskamp ist ebenfalls angetan von dem Konzept. „Bei uns im Biemenhorster Markt landen pro Jahr Lebensmittel im Wert eines Kleinwagens im Abfall“, so Elskamp. Dass deshalb weniger Ware an die Tafelläden gehe, müsse niemand fürchten, beruhigt Elskamp. Denn obwohl man vieles an die Tafeln spende und an regionale Landwirte, die damit ihre Tiere füttern, bleibe immer noch einiges an Ware übrig. Dafür sei man immer auf der Suche nach einer Weiterverwendung gewesen. „Und mit der App haben wir jetzt einen neuen Kanal, über den wir Leute erreichen, auch andere als die, die zur Tafel gehen“, so Maurice Klein-Hitpaß.

Die App sei auch ein gutes Vehikel, um sein eigenes Einkaufsverhalten zu hinterfragen, so Alexander Elskamp und fügt hinzu: „Wir müssen alle lernen, sensibler mit dem Thema umzugehen.“

Wer sich als Kaufmann oder Kunde für das Thema interessiert: Maurice Klein-Hitpaß und Alexander Elskamp informieren gern. Schließlich soll sich die Idee möglichst verbreiten, wünschen sich die beiden.

© Christiane Schulz

Maurice Klein-Hitpaß füllt die Kartons mit Ware, die bald verzehrt werden muss.