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Wer hilft, wenn Menschen verschwinden?

Die Rettungshundestaffel Bocholt kommt immer häufiger zum Einsatz

Freitag, 21. Juni 2019 - 14:21 Uhr

von Alexandra Knop

Jedes Jahr werden auch in unserer Region Menschen vermisst. Immer öfter nutzt die Polizei die Hilfe von vierbeinigen „Schnüffelexperten“.

Foto: Alexandra Knop

Die Mitglieder der Rettungshundestaffel (hier nicht alle anwesend) treffen sich dreimal pro Woche, um mit ihren Hunden den Ernstfall zu trainieren.

Immer wieder gibt es Berichte über verschwundenen Menschen – vornehmlich ältere und demente, aber auch suizidgefährdete Personen, die einfach so weg sind. Nun beginnt für die Polizei die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Oft werden Hundertschaften und Rettungshubschrauber mit Wärmebildkameras eingesetzt. Aber immer häufiger greift die Polizei auch auf das feine Näschen von ausgebildeten Rettungshunden zurück.

Bei der Bocholter Rettungshundestaffel gibt es jede Menge gut ausgebildeter „Nasen“. Der gemeinnützige Verein wurde bereits 2009 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, Hunde und Hundeführer zu Rettungshundeteams aus- und fortzubilden, um schnell und unbürokratisch vermisste Menschen zu finden. Mittlerweile hat der Verein über 20 Mitglieder und um die 20 Vierbeiner. Um diese verantwortungsvolle Aufgabe auch richtig übernehmen zu können, müssen sowohl Mensch als auch Tier mehrjährige Ausbildungen absolvieren, die alle zwei Jahre aufgefrischt werden. Dabei engagieren sich die Mitglieder alle ehrenamtlich und mit vollem Engagement, denn die realen Einsätze finden vor allem nachts oder am Abend statt und mittlerweile schon zwei Mal pro Monat.

Bei der Rettungshundestaffel Bocholt wird zwischen dem sogenannten Mantrailing und dem Flächensuchen unterschieden. Beim Mantrailing wird eine vermisste Person anhand einer individuellen Geruchsspur dieser Person gesucht. Meist bekommt der Hund ein Kleidungsstück der Person vorgehalten. Am besten sind in diesem körpereigene Säfte wie Blut, Urin oder Schweiß enthalten, die dem Suchhund seine Aufgabe erleichtern. Die Suche wird dort angesetzt, wo die Person zuletzt vermutet oder gesehen wurde. Dazu wird ein Team aus Hundeführer mit Hund und einem sogenannten Flanker (Helfer) zusammengestellt. Der Helfer sichert den Weg, hat einen Rucksack mit Wasser und Erste Hilfe-Equipment dabei und unterstützt den Hundeführer, der sich voll und ganz auf seinen Hund konzentrieren muss.

„Das Schwerste ist, den Hund richtig zu verstehen und lesen zu können. Das heißt seine Anzeichen, zum Beispiel ob die Spur weiter geht richtig zu deuten“, erklärt Andreas Heiken, Vorsitzender der Rettungshundestaffel. Bevor es los geht bekommt der Hund, diesmal Leopold von Andreas Heiken, ein Geschirr angelegt, damit er weiß, dass er jetzt im Dienst ist.

Sobald er die Witterung aufgenommen hat, bekommt er von dem Hundeführer seinen Einsatzbefehl, zum Beispiel „Find a Man“. Der Einsatzbefehl sollte ein Wort oder Satz sein, der sonst in der Freizeit nie verwendet wird. An der langen Leine folgen nun die Menschen dem Tier durch zum Beispiel ein Wohngebiet, denn von dort aus verschwinden die meisten Personen. Bei Übungseinsätzen wird meist ein Weg von 600 Metern ausgewählt. Bis der Hund aber die vermeintlich vermisste Person gefunden hat, kann das Team schon mal das dreifache zurücklegen.

„Wenn die Wege zu lang sind, wird eine Pause gemacht, denn ein Hund schnüffelt sieben Mal die Sekunde. Somit ist eine viertel Stunde Mantrailing für den Hund so anstrengend, wie zwei Stunden am Fahrrad laufen“, erzählt Claudia Storm die zweite Vorsitzende.

Damit sich die anstrengende Arbeit auch für den Hund lohnt, bekommt er am Ende des Einsatzes sein absolutes Lieblingsleckerchen zur Belohnung. Aber: „Der Hund muss selber mitmachen wollen, wir arbeiten hier ohne Druck und Tiere haben auch mal einen schlechten Tag, dann muss abgebrochen werden“, erzählt Andreas Heiken, der selber drei Hunde hat.

Im Prinzip kann jeder Hund zum Mantrailing oder zur Flächensuche ausgebildet werden. Wer mehr über die Rettungshundestaffel erfahren, sich engagieren oder spenden möchte, schaut online unter rettungshundestaffel-bocholt.eu oder meldet sich bei Andreas Heiken unter andreas-heiken@rettungshundestaffel-bocholt.eu.

Übrigens: Während des Interviews kam ein Anruf der Landesleitstelle der Polizei, die um Unterstützung bat, denn in Bochum wurde eine Person als vermisst gemeldet ...

Foto: Alexandra Knop

1. Der Hundeführer Andreas Heiken mit Hund Leopold und dem Helfer Sascha Joormann bilden eine Einheit.

Foto: Alexandra Knop

2. Leopold bekommt einen Gegenstand vorgehalten, um den Geruch aufzunehmen.

Foto: Alexandra Knop

3. Der Hund gibt den Weg vor.

Foto: Alexandra Knop

4. Am Ende des Einsatzes gibt’s zur Belohnung Leckerchen.