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Winzig, aber zäh

Tipps, wie man wieder Herr der (P)Lage wird

Freitag, 18. Juni 2021 - 14:32 Uhr

von Christiane Schulz

Ameisen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie halten beispielsweise den Wald gesund, indem sie den Boden durchlüften, Pflanzensamen verbreiten und viele Abfälle verwerten. In der heimischen Küche möchte man die kleinen Krabbler allerdings eher nicht antreffen. Aber genau das passiert aktuell zahlreichen Menschen in der Region. „Die Ameisenpopulation ist schon extrem in diesem Jahr“, sagt Schädlingsbekämpfer Tim Wessels.

© Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com

Das feuchtwarme Frühjahr hat die Ameisenpopulation ansteigen lassen. Jetzt kommen die Insekten auf Nahrungssuche manchem etwas zu nahe.

Das feuchte Frühjahr und die warmen Temperaturen der vergangenen Wochen boten den Ameisen ideale Brutbedingungen. Das habe neben den Ameisen auch bei Wespen zu gestiegenen Populationen geführt, berichtet Schädlingsbekämpfer Tim Wessels.

In den vergangenen Tagen hat er zahlreiche Anrufe von Kindergärten und Krankenhäusern aus dem Umkreis erhalten, die ein Problem mit Ameisen in Küchen und Cafeterien haben. „Da bleibt manchmal Essen stehen, oder es fällt etwas auf den Boden. Darüber freuen sich die zuckerfressenden Ameisen“, so Wessels. Daher rät er, Essen und Essensreste immer wegzuräumen, um die Insekten gar nicht erst anzulocken.

Bei allem ökologischen Nutzen, den die kleinen Krabbler zweifellos haben, versteht auch Torsten Wollberg – beim Nabu zuständig für das Projekt Essbare Städte im Kreis Borken – all jene, die die Ameisenplage daheim eindämmen möchten: „In meinem Müsli möchte ich die auch nicht haben“, so der Naturschützer.

Wenn die Ameisen dem eigenen Lebensbereich zu nah kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten, sie zu bekämpfen. Das sei aber langwieriger als mancher denke, so Wessels. Von Backpulver rät er ebenso ab wie Naturschützer Wollberg: „Damit lockt man sie eher noch an“, so Torsten Wollberg, und Tim Wessels weiß auch warum: „Die Ameisen wandeln die darin enthaltene Stärke in Zucker um.“

Was also tun? Zum einen könne man den Schädlingsbekämpfer rufen, der ein Fraßgel einsetzt, dass den süßen Zahn der Ameisen anspricht. „Die kommen dann alle aus dem Nest und man hat im Nu eine ganze Traube, die davon frisst“, so Wessels.

Wer es erst einmal selbst versuchen möchte, kann die Ameisen mit Essigessenz besprühen oder Ameisenköder aus dem Baumarkt aufstellen, so Wessels. Aber: „Um den Feind zu bekämpfen, muss man denken wie der Feind“, sagt der Schädlingsfachmann und erläutert: „Ameisen leben in einem Sozialstaat. Wenn man Arbeiterinnen tötet, dann produziert das Volk die doppelte Menge nach und man hat eine Woche später ein viel größeres Problem.“ Das heißt, einmal sprühen reicht nicht. „Da muss man drei bis vier Wochen dranbleiben“, rät Wessels.

Torsten Wollberg hat noch einen Anti-Ant-Tipp: Mit Brennnesseljauche besprühen. „Dazu einfach Brennnesseln sammeln, mit Wasser ansetzen und eine Woche in der Sonne stehen lassen.“ Wenn es stinkt, ist die Jauche fertig zum Einsatz. Das helfe auch gegen Läuse und sei zudem ein guter Dünger, so Wollberg.